Verkehr im Rems-Murr-Kreis „Eine neue Kultur der Mobilität“

Professor Andreas Daberkow denkt bei der Elektromobilität auch an die Umwelt. Foto: privat
Professor Andreas Daberkow denkt bei der Elektromobilität auch an die Umwelt. Foto: privat

Professor Andreas Daberkow von der Hochschule Heilbronn spricht über Grenzen sowie Kritik an der Elektromobilität.

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Rems-Murr-Kreis - Herr Daberkow, die Förderung der Elektromobilität ist in aller Munde. Was braucht es, um ihre Verbreitung weiter voranzubringen?

Mittlerweile gibt es viele Möglichkeiten, Elektroautos selber auszuprobieren, bei fast jedem Autohändler gibt es die Möglichkeit einer Probefahrt. Auch Bildungseinrichtungen wie die Volkshochschule bieten kompakte Formate für ein erstes Kennenlernen der Elektromobilität an. Auf der Woche der Elektromobilität während der Bundesgartenschau 2019 konnten sich viele Bürger über den Verein Elektromobilität Heilbronn-Franken über die Fahrzeuge und das Laden informieren. Mit dem Übergang zur Elektromobilität ändert sich eine lang gewohnte Kultur der Mobilität – und man muss verstehen, dass dies vielen nicht leichtfällt.

Kann die Elektromobilität überhaupt irgendwann den Stellenwert einnehmen, den Verbrennungsmotoren bislang haben – oder sind ihr Grenzen gesetzt, und es sind noch weitere alternative Technologien nötig?

Verbrennungsmotoren werden ja nicht nur im Automobil eingesetzt. Transportsysteme wie das Schiff tragen mehr als 90 Prozent zum Welthandel bei und basieren heute auf dem Verbrennungsmotor genau wie der Lastwagen im Fernverkehr. Hier muss untersucht werden, wie mit sogenannten E-Fuels als synthetischer Kraftstoff die Verbrennungsmotoren weitgehend klimaneutral betrieben werden können.

Wie nachhaltig ist ihr Einsatz tatsächlich angesichts von Umweltzerstörungen für die Rohstoffgewinnung für die Akkus, die nach ihrem Gebrauch Sondermüll werden?

Wir dürfen nicht vergessen, dass über 100 Jahre lang bei der Erdölförderung bis heute praktisch gar keine Rücksicht auf die Umwelt genommen wurde. Das ist aber kein Grund, dies für die Gewinnung von Batterierohstoffen genauso wieder zu tun. Wenn eine erste Nutzung von einem neuen Batteriemodul zum Beispiel im Automobil beendet ist, ist eine Nutzung in einem sogenannten „Second Life“ angedacht. Die Batterien haben dann noch circa 60 bis 70 Prozent ihrer Kapazität, dies reicht für eine weitere Nutzung beispielsweise als Energiespeicher zusammen mit Solaranlagen aus. Danach können die Batterien recycelt werden.




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