Verwirrung im Rotlichtviertel In Stuttgart öffnen nicht alle Bordelle

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Die ersten Laufhäuser in Stuttgart haben am Montag geöffnet – noch bevor die Stadt grünes Licht gab. Die Bordellchefs berufen sich aufs Land. Die Aufhebung des Prostitutionsverbots ist laut Rathaussprecher von Mittwoch an „wirksam“.

Im Leonhardsviertel haben die ersten Laufhäuser wieder geöffnet. Foto: Lichtgut/Oliver Willikonsky
Im Leonhardsviertel haben die ersten Laufhäuser wieder geöffnet. Foto: Lichtgut/Oliver Willikonsky

Stuttgart - Nach sieben Monaten dürfen in Stuttgart Prostituierte ganz legal wieder Geld verdienen. Das Laufhaus „Girls, girls, girls“, mit 19 Zimmern das größte Bordell des Leonhardsviertels, hat am Montag, 12 Uhr, die Türen wieder geöffnet. Der Betreiber verweist auf die Erlaubnis des Landes, die ihm vorliegt, sowie auf die Hygienevorschriften, die man streng befolgen werde. Die meisten Kollegen von ihm allerdings halten ihre Häuser vorerst noch geschlossen.

Denn die Stadt Stuttgart, so hieß es am Montag zunächst, habe ihre Allgemeinverfügung zum Verbot sexueller Dienstleistungen zum Schutz vor Corona-Infektionen noch gar nicht aufgehoben. Es herrscht Verwirrung im Rotlichtviertel. Auch Sven Matis, Sprecher des Rathauses, „kann nicht sagen“, ob der Start der ersten Laufhäuser in Stuttgart „durch das Landesrecht gedeckt ist“.

Die Aufhebung des Prostitutionsverbots, so Matis, sei von diesem Mittwoch an „wirksam“. Die entsprechende Anordnung hat Dorothea Koller, die Leiterin des Amts für öffentliche Ordnung, aber bereits mit Datum Montag, 12. Oktober, unterschrieben. Gilt daher nicht schon dieses Datum für die legale Prostitution? Ein Bordellbetreiber ist verzweifelt: „Wer blickt da noch durch?“

Freier müssen im Zimmer ihre Kontaktdaten angeben

Fest steht zumindest jetzt, dass die Stadt die Schlüsse aus dem Urteil des Verwaltungsgerichtshofes Mannheim zieht. Demnach ist 1:1-Sex gegen Bezahlung erlaubt, nur Gruppensex nicht. Das Prostitutionsverbot wird also in Stuttgart aufgehoben, kaum dass die Stadt zum Corona-Risikogebiet erklärt worden ist.

Riesenmengen an Spannbetttüchern hat der Betreiber von „Girls, girls, girls“ gekauft, weil nach jedem Freierbesuch diese ausgetauscht werden müssen. In den Gängen stehen Desinfektionsmittel bereit. Nicht am Eingang müssen sich die Freier mit ihrem Namen und ihrer Anschrift registrieren lassen, sondern erst auf dem Zimmer. „Viele Freier laufen rein und gehen gleich wieder raus“, sagt der Betreiber. Wie die Kontaktdaten überprüft werden? „Wir sind keine Polizei“, lautet die Antwort, „die Frauen dürfen Ausweise nicht verlangen.“

John Heer öffnet seine Laufhäuser im November

In den Laufhäusern herrscht Maskenpflicht – sowohl in den Gängen als auch in den Zimmern. In den Zimmern besteht außerdem Kondompflicht. Doch wie kann die kontrolliert werden? OB-Kandidat John Heer, der die Geschäfte seiner Bordelle an seine Frau übertragen hat, hält mit ihr seine Häuser vorerst geschlossen. „Die Infektionszahlen steigen so stark, dass bald erneut ein Prostitutionsverbot kommen dürfte“, befürchtet er. Trotzdem habe er sich mit Kollegen „legaler Laufhäuser“, wie er sagt, darauf verständigt, am 1. November wieder aufzumachen. Das Dreifarbenhaus öffnet dagegen bereits am Mittwoch wieder.

Maria Kaiser vom Prostituiertencafé La Strada berichtet, dass viele Frauen bereits vor Tagen aus ihren Herkunftsländern wie Rumänien angereist sind, um Geld für die Familien daheim zu verdienen. „Die Armutsprostitution nimmt wieder zu“, sagt sie.




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