VfB-Arzt Raymond Best „An so etwas gewöhnt man sich nie“

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Der VfB-Arzt Raymond Best spricht über die erneute schwere Verletzung von Daniel Ginczek und die Folgen für den Stürmer.

Der große Pechvogel: Daniel Ginczek fehlt dem VfB ein weiteres halbes Jahr. Foto: dpa
Der große Pechvogel: Daniel Ginczek fehlt dem VfB ein weiteres halbes Jahr. Foto: dpa

Stuttgart - Erst der Bandscheibenvorfall, jetzt ein weiterer Kreuzbandriss und eine erneute Operation: die Leidensgeschichte von Daniel Ginczek nimmt kein Ende. Der VfB-Arzt Raymond Best erklärt, warum es für den Stürmer trotzdem keinen Grund zum Verzweifeln gibt.

Herr Best, wie groß ist Ihr Mitgefühl mit Ihrem Dauerpatienten Daniel Ginczek?
Sehr groß. Es gibt natürlich immer noch viel Schlimmeres im Leben – aber diese erneute Verletzung ist dermaßen tragisch, dass es sich kaum in Worte fassen lässt.
Wie schonend haben Sie ihn von der Diagnose in Kenntnis gesetzt?
Fußballer haben meist ein sehr gutes Körpergefühl. Sie spüren, wenn etwas passiert ist. Daniel hat es bereits geahnt – ich musste es ihm im Endeffekt nur bestätigen.
Wie war seine Reaktion?
Es dauert immer einen Moment, um einen solchen Schock zu verarbeiten und sich zu überlegen: was bedeutet das für mich? Daniel war zunächst sehr niedergeschlagen – hat sich dann aber erstaunlich schnell wieder gefangen.
Weil es nicht seine erste schwere Verletzung ist?
An Schicksalsschläge kann man sich nie gewöhnen. Wie man damit umgeht, ist typenbezogen. Daniel ist von seinem Naturell her so aufgestellt, dass ihn so etwas nicht aus der Bahn wirft.
Wie geht es jetzt weiter?
Wir werden in aller Ruhe besprechen, wann, wie und wo sein Knie operiert wird. Gleichzeitig überlegen wir gemeinsam, was danach passiert. Wenn jemand gerade fünf Monate Reha hinter sich hat und die nächsten Monate schon wieder bevorstehen, ist es für den Kopf ganz wichtig, dass es auch einmal eine Abwechslung gibt.
Wie viel Hoffnung können Sie ihm machen, dass er wieder zu alter Stärke zurückfindet?
Auch wenn die Serie an Verletzungen tragisch ist, muss man es als das betrachten, was es ist: ein Kreuzbandriss. Nicht weniger, aber auch nicht mehr. Das ist eine Verletzung, nach der man problemlos wieder Fußballspielen kann. Das hat man gesehen, als sich Daniel das Kreuzband im rechten Knie gerissen hat. Dass jetzt sein bislang gesundes linkes betroffen ist, macht es etwas einfacher.
Gibt es eigentlich Athleten, deren Körper den Belastungen des Profisports nicht standhalten?
Diese Frage beantwortet sich in Daniels Fall von ganz alleine: Er hat die Statur eines Modellathleten, er ist das, was man landläufig einen ein Schrank nennt, seine Beinmuskulatur ist eindrucksvoll. Er hat einfach nur schon wieder großes Pech gehabt.



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