InterviewVfB-Co-Trainer aus Malmsheim „Horrorszenarien alle nicht eingetreten“

Von Michael Stierle 

Der Malmsheimer Rainer Widmayer, Co-Trainer des Fußball-Zweitligisten VfB Stuttgart, vermisst in Corona-Zeiten vor allem die Zuschauer im Stadion und die Emotionen von den Rängen.

Auf der  Bank  muss Co-Trainer    Rainer Widmayer (Dritter von links)     eine Maske tragen. Foto: Pressefoto Rudel/Robin Rudel
Auf der Bank muss Co-Trainer Rainer Widmayer (Dritter von links) eine Maske tragen. Foto: Pressefoto Rudel/Robin Rudel

Renningen - Der Zweitligist aus Stuttgart kämpft weiter um die Rückkehr in die Erste Bundesliga. Abseits der Plätze erzählt Co-Trainer Rainer Widmayer, wie er die Corona -bedingte Ausnahmesituation erlebt und mit den diversen Einschränkungen umgeht.

Hallo Herr Widmayer, wie sind Sie bislang durch die Krise gekommen?

Gut. Keine grippeähnlichen Symptome, nicht einmal ein Schnupfen, erst recht kein Corona. Natürlich war auch bei mir die Ungewissheit vor dem Neustart groß, aber durch die vielen Tests ist man beruhigter. Ich hoffe, das bleibt alles so – toi, toi, toi.

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Die Erste und Zweite Bundesliga dürfen unter strengen Sicherheits- und Hygienevorgaben wieder spielen. Haben Sie mitgezählt, wie oft Sie seit Anfang Mai getestet wurden?

Vor dem ersten Pflichtspiel waren wir eine Woche lang in Quarantäne im Schlosshotel Monrepos in Ludwigsburg. Wir durften nicht raus, waren komplett kaserniert. Dort wurden wir dreimal getestet. Inzwischen passiert das nur noch zweimal, bei Englischen Wochen bleibt’s bei dreimal. Immer am Tag vor dem Spiel morgens, abends steht das Ergebnis fest und damit auch, wer für die Spiele berücksichtigt werden kann.

Ist das unangenehm?

Am Anfang vielleicht, da ist man noch etwas verkrampft. Inzwischen gehe ich lockerer damit um. Mit dem Stäbchen wird ein Abstrich in der Nase oder im Rachen genommen.

Geisterspiele, also unter Ausschluss der Öffentlichkeit, sind ein Bestandteil der Bestimmungen der Deutschen Fußball-Liga. Was macht das mit dem ursprünglichen Charakter des Fußballs und seiner gewohnten Atmosphäre?

Das sorgt für ein ganz komisches Gefühl. Zumal wir außerhalb des Spielfeldes auch noch Abstand untereinander halten müssen. Normalerweise ist man als Team ganz eng beieinander, auch auf der Bank. Aber klar ist, dass durch die Zuschauer eine ganz andere Stimmung, viel mehr Leidenschaft von den Rängen kommt. Auch wenn es letztlich die Gruppe auf dem Feld richten muss. Aber ohne Zuschauer wird das nicht einfacher.

Beschreiben Sie mal, was Ihnen in den zwei Stunden in einem großen Stadion vor leeren Rängen durch den Kopf geht, wo man jedes Wort hört und Gefühlsregungen eigentlich untersagt sind?

Das ist alles irgendwie unwirklich. Jetzt merkt hoffentlich jeder, dass die Zuschauer ein ganz wichtiger Bestandteil der Spiele in den Bundesligen sind. Deshalb bin ich den Fans unglaublich dankbar, wenn sie wieder kommen, mitfiebern und leiden mit ihrer Mannschaft. Das macht den Fußball aus.




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