Sechs Monate nach seiner schweren Knieverletzung blickt VfB-Angreifer Carlos Mané der Rückkehr auf den Fußballplatz entgegen.

Sport: Gregor Preiß (gp)

Stuttgart - Carlos Mané lacht viel an diesem Herbsttag, was weniger mit den wärmenden Sonnenstrahlen zu tun hat, die durch das Fenster in die Reha-Welt des VfB Stuttgart scheinen. Sondern grundsätzlich mit Carlos Manés sonnigem Gemüt. Und im Speziellen mit seinem Gesundheitszustand. Ein halbes Jahr nach seiner im Zweitligaspiel gegen Dynamo Dresden erlittenen schweren Knieverletzung sieht er Licht am Ende der Reha. „Mir geht es gut. Wenn es so weiterläuft, kann ich vielleicht schon im November oder Dezember wieder richtig mit der Mannschaft trainieren“, erzählt der 23-Jährige und kommt aus dem Strahlen gar nicht mehr heraus. Denn: „Fußball ist mein Leben. Ich kann es kaum erwarten, endlich wieder auf dem Platz zu stehen.“

 

Rückblick: Am 2. April im Heimspiel gegen Dynamo Dresden verdreht sich die Leihgabe von Sporting Lissabon das rechte Knie. Mit Schmerzen spielt er weiter, seine Mannschaft startet nach einem 0:3-Rückstand eine Aufholjagd. In der vierten Minute der Nachspielzeit humpelt der Rechtsaußen mit letzter Kraft in den Strafraum der Dresdner, wo er von den Beinen geholt wird. Simon Terodde gleicht per Elfmeter zum 3:3 aus und beschert seiner Mannschaft noch einen wichtigen Punkt.

Die Knie-OP: Als ob man einen Pflasterstein versetzt

Der VfB startet durch Richtung Bundesliga, doch für Carlos Mané geht gar nichts mehr. Knorpelschaden im rechten Knie – eine Fußballer-Verletzung der höchsten Kategorie, fast schlimmer noch als ein Kreuzbandriss. Erst hieß, die Saison sei für ihn gelaufen, dann war von mindestens einem halben Jahr Pause die Rede, ehe der damalige Manager und Mané-Entdecker Jan Schindelmeiser die Sorge von einem möglichen Karriereende offen aussprach. Mané wäre nicht der Erste, den es so erwischt.

Doch jetzt ist nicht der Moment für Horrorvorstellungen. „Es sieht wirklich sehr gut aus“, sagt VfB-Mannschaftsarzt Raymond Best. Er lobt die „hervorragende Arbeit der Kollegen“, die Mané im Mai in Lissabon operierten. Die medizinische Kurzversion: Aus Manés Knorpel – eine Art Dämpfungsschicht über dem Knochen – waren zwei kleine Stücke herausgebrochen. Ein sogenannter traumatischer Knorpelschaden, der nicht durch Verschleiß, sondern durch das abrupte Verdrehen des Kniegelenks hervorgerufen wurde. Diese Löcher wurden nun mit zwei Zylindern in der Größe eines Zigarettenfilters geflickt; geformt aus körpereigenem Knorpel von einer Stelle, wo ihn das Knie nicht benötigt. Die sogenannte Mosaik-Plastik. „Als ob man einen Pflasterstein versetzt“, verdeutlicht Best den Eingriff.

Klingt simpel, hat aber seine Tücken. Bei Knorpel handelt es sich um ein sehr sensibles Gewebe, für das die Medizinindustrie bis heute keinen Ersatzstoff entwickeln konnte. Insofern bleibt abzuwarten, wie sich Manés Kniegelenk mit den Flick-Zylindern unter der bald wieder folgenden Vollbelastung verhält. Orthopäde Best ist optimistisch: „Carlos ist ein sehr leichter Spieler und muskulär gut ausgebildet. Das ist von Vorteil.“ Ein Comeback zu Beginn der Rückrunde hält er für möglich.

Wie geht es nach Saisonende weiter?

Zuversichtlich nach vorne blicken – darum geht es jetzt auch Carlos Mané. Er zeigt auf die etwa fünf Zentimeter lange Narbe, wieder mit einem Lächeln im Gesicht. „Ich verspüre keine Schmerzen. Es fühlt sich gut an.“ Jetzt heißt es erst einmal Muskelmasse aufbauen. Um 1,5 Zentimeter ist das operierte rechte Knie derzeit schmaler als das gesunde. Das erfordert noch etliche zähe Schichten an den Fitnessgeräten. Ob ihn je Zweifel plagten, seine Karriere fortsetzen zu können? „Nein. Ich habe immer an meinen Körper geglaubt,“ sagt der kleine Dribbler, der vor seiner Verletzung als großes Versprechen auf eine bessere Zukunft beim Club aus Cannstatt galt.

Mit sechs Toren und neun Vorlagen war der 1,72 Meter große Wirbelwind einer der Erfolgsgaranten der vergangenen Saison. Unvergessen, wie er bei der Aufstiegsfeier mit Krücken über die Bühne humpelte und den Fans zuwinkte. Auch nach der langen Reha-Pause in seiner Heimatstadt Lissabon fühle er sich wieder sehr wohl in Stuttgart, versichert der junge Familienvater. Wie es nach Saisonende für ihn weitergeht, wenn sein Leihvertrag beim Bundesliga-Aufsteiger endet, steht allerdings in den Sternen. Eine Rückkehr nach Lissabon ist genauso vorstellbar wie ein weiteres Jahr auf Leihe in Stuttgart. Einzig eine feste Verpflichtung scheint angesichts einer Kaufoption in Höhe von 15 Millionen Euro eher unwahrscheinlich.

Carlos Mané selbst will sich noch nicht festlegen; er weiß, dass er es nicht selbst in der Hand hat. Allenfalls in seinem rechten Knie.