VfB Stuttgart Das Team schwächt sich selbst

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In der von Trainer Huub Stevens gestärkten Offensive des VfB Stuttgart fliegt Martin Harnik beim 1:1 in Hannover vom Platz – und Vedad Ibisevic aus dem Kader.

Nichts geht bei Martin Harnik. Foto: Pressefoto Baumann
Nichts geht bei Martin Harnik. Foto: Pressefoto Baumann

Hannover - Am Schluss kochten die Emotionen noch einmal hoch. Stirn an Stirn und mit wütenden Gesichtern standen sich Martin Harnik und Lars Stindl gegenüber und rangelten um den Ball. Der eine reizte, der andere ließ sich zu einem Stoß hinreißen – weshalb der Schiedsrichter Wolfgang Stark seine Karten erst sortierte und dann verteilte: Gelb-Rot für Hannovers Stindl, den Provokateur, und Rot für den Stuttgarter Harnik, den Schubser.

„Ich habe den Konflikt nicht gesucht“, sagt Harnik zu der Szene in der 90. Minute, „ich habe nur versucht, den Ball wieder schnell ins Spiel zu bringen.“ Denn es gab ja Freistoß für den VfB, weil Stindl unmittelbar zuvor die Gelbe Karte wegen Handspiels gesehen hatte. Es wäre vielleicht eine letzte Konterchance für die Stuttgarter in Hannover gewesen, eine letzte Möglichkeit, mehr als das 1:1 zu erreichen.

Stevens verteidigt Harnik

Doch Stindl gab den Ball eben nicht heraus – und das Unheil nahm seinen Lauf. „Meines Erachtens hätte es dafür aber keine Rote Karte für Martin Harnik geben müssen“, sagt der VfB-Trainer Huub Stevens. „Ich glaube, Lars Stindl hat nur Gelb-Rot gekriegt, weil er dastand“, sagt der 96-Coach Tayfun Korkut. Eine angebliche Bagatelle und ein falsches Timing als Plädoyeransatz der Verteidigung für die Sünder ließ der Unparteiische aber nicht gelten. Tätlichkeit und Unsportlichkeit urteilte er.

Mit zwei Spielen Sperre muss Harnik rechnen und fehlt den Stuttgartern so auf jeden Fall im wichtigen Heimspiel am Freitagabend gegen Hertha BSC. Für die Mannschaft ist das ein Verlust, weil sie ohne ihren bisher besten Torschützen (fünf Treffer) auskommen muss. Doch es gibt auch Beobachter, die meinen, ein Harnik in der aktuellen Form bringe nichts.

Schon vor seinem Platzverweis hatte sich der Österreicher durch technische Unzulänglichkeiten und Fehlpässe häufig selbst aus dem Spiel genommen. Und Torgefahr ging von ihm auch nicht aus. Obwohl der VfB in Hannover ja mit einer Formation aufwartete, die überraschte, weil sie zumindest ein wenig Fußball versprach: mit vier Offensivkräften in der Startelf.

Ginczek braucht noch Zeit

Daniel Ginczek in der Spitze, dahinter Martin Harnik und Timo Werner auf den Flügeln sowie Alexandru Maxim im Zentrum. Offenbar war Stevens nach den Auftritten zuletzt zu dem Schluss gekommen, dass seine häufig kritisierte Defensivhaltung allein nicht reicht, zumal seine Konterstürmer aus dem Mittelfeld keine Pässe erhielten. Auch nicht erhalten konnten, weil niemand da war, der sie ordentlich spielen kann.

Jetzt war da Maxim, durch dessen Hereinnahme der Trainer bewies, dass er in taktischen Fragen nicht auf stur schaltet. „Wir wissen ja um Maxims Qualitäten. Er muss sie nur auf den Platz bringen“, sagt Stevens. Gegen Hannover klappte das ganz gut. Jedenfalls um einiges besser als bei dem lange verletzten Ginczek, der ordentliche Ansätze zeigte, aber seine durchaus vorhandene Wucht noch nicht spielentscheidend einbringen konnte.

Doch Vedad Ibisevic hat der 23-jährige Mittelstürmer schon einmal verdrängt. Der Bosnier stand nicht im Kader für Hannover. „Konkurrenz“, nennt Stevens die einfache Begründung. Denn als Einwechselspieler hatte Ibisevic zuletzt nicht funktioniert. Weshalb der Trainer ihm auch keinen Platz auf der Bank einräumen wollte.




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