VfB Stuttgart Das Überangebot im VfB-Angriff

Von Gregor Preiß 

Leerstellen in der Abwehr, dafür ein Überangebot in der Offensive des VfB Stuttgart: Noch herrscht im Kader des Bundesliga-Aufsteigers ein gewisses Ungleichgewicht.

Zwei Neue für Trainer Hannes Wolf: Orel Mangala (li.) und Anastasios Donis (re.) sollen das VfB-Mittelfeld beziehungsweise den VfB-Angriff verstärken. Foto: dpa
Zwei Neue für Trainer Hannes Wolf: Orel Mangala (li.) und Anastasios Donis (re.) sollen das VfB-Mittelfeld beziehungsweise den VfB-Angriff verstärken. Foto: dpa

Stuttgart - Zweihundert – das ist die Zahl jener Spieler, mit denen sich Jan Schindelmeiser vom VfB Stuttgart in den vergangenen Monaten nach eigener Auskunft so beschäftigt hat. Was natürlich keinen exakten Wert abbildet, aber eine ungefähre Vorstellung von den Ausmaßen des alljährlichen Transfergeschäfts eines Fußball-Bundesligisten vermittelt. Zwei von 200 lautet die aktuelle Ausbeute des VfB-Sportchefs; der Belgier Orel Mangala (19/Anderlecht) sowie Anastasios Donis (20) von Juventus Turin stehen als feste Verpflichtungen auf der Habenseite. Mit Chadrac Akolo vom FC Sion könnte bald ein dritter hinzukommen – sofern die Verhandlungen mit Sions exzentrischem Clubchef Christian Constantin zu einem Abschluss führen. CC, so sein Spitzname, würde die Ablöse gerne in Richtung sieben bis acht Millionen Euro strecken, der VfB ist aber nur circa fünf Millionen Euro zu zahlen bereit.

Angeblich sind auch noch andere Clubs aus der Bundesliga hinter dem 22-jährigen Kongolesen her. Was nichts daran ändert, dass die Stuttgarter in dem Poker nach wie vor gute Karten besitzen. Sollte der Transfer über die Bühne gehen, wäre Akolo der dritte Neuzugang – und der dritte für die Abteilung Offensive. Mit seinen Angriffsspielern könnte Trainer Hannes Wolf auch nach dem Abgang von Alexandru Maxim zum FSV Mainz dann bald zwei Kader bestücken. Vor allem auf den Außenbahnen kommt es in der Vorbereitung zum großen Ringen um die festen Positionen. Eine Bestandsaufnahme.

Angriff: Simon Terodde und Daniel Ginczek – ein viel besseres Angriffsduo kann man sich kaum wünschen. Zumindest nicht aus der Warte eines Aufsteigers. Die spannende Frage wird sein, ob Wolf wie zu Zweitligazeiten meist auf nur einen Stürmer (Terodde) setzt. Oder auf das Duo aus Torschützenkönig und Fan-Liebling. So wie im letzten Saisonspiel, als die beiden als Doppelspitze den Gegner auseinander nahmen – auch wenn dieser nur Würzburger Kickers hieß. Denkbar wäre auch die Variante mit Terodde als Stoßstürmer und Ginczek als verkappte Zehn dahinter. So müsste Wolf zumindest keinen seiner beiden Topleute opfern.

Zentrales Mittelfeld: Ginczek als Antreiber? Warum nicht. Zumindest in Liga zwei kurzzeitig und erfolgreich erprobt – etwa beim Last-Minute-Sieg in Bielefeld –, könnte dies eine taktische Variante sein. Zumal als Alternativen hinter den Spitzen nur Berkay Özcan und Orel Mangala bereit stehen. Zwei Spieler, die in diese schwierige Rolle aber erst noch hineinwachsen müssten. In der BVB-Jugend spielte Mangala außerdem eher den defensiven Part. Wolf sieht ihn in der Rolle des Herausforderers. Und Hans Sarpei? Nach seiner schweren Verletzung ist der Junge für eine tragende Rolle noch nicht weit genug.

Außenbahnen: „Wir werden den Spielertyp nicht 1:1 ersetzen“, sagte Schindelmeiser nach Maxims Abgang. Also den klassischen zentralen Spielmacher mit feinen, aber eher lahmen Beinen. Was wiederum zu dem Schluss führt, dass der VfB sein Gewicht auf die Außen verlagern wird. Dort, wo sich am meisten Tempo aufnehmen lässt – das zentrale Element in Wolfs System. Nur: Mit Takuma Asano, Julian Green, Tobias Werner, Josip Brekalo, Anastasios Donis, Carlos Mané und möglicherweise noch Chadrac Akolo gibt es auf den Flügeln fast schon ein Überangebot.

Sechs bis sieben Spieler für zwei Positionen – von denen einer (Werner) den Verein möglicherweise noch verlassen wird und ein anderer (Mané) noch mindestens bis Jahresende ausfällt. Dann wäre aber noch immer jede Position mindestens doppelt besetzt. „Im vorderen Bereich sind wir tatsächlich sehr gut aufgestellt“, sagt Schindelmeiser, dem großer Trainingseifer und Konkurrenzkampf wichtig ist. Dieser stellt sich von alleine ein – so viel scheint sicher.

Anders die Situation in der Defensive. Dort sind links wie rechts wie zentral (plus im Tor) noch Leerstellen zu besetzen. Die sportliche Führung versichert, auch hier noch aktiv zu werden. Zeit bleibt bis 31, August. Und zumindest Schindelmeisers Vorauswahl scheint ja groß genug.




Unsere Empfehlung für Sie