VfB Stuttgart Die Dauerbaustelle hinten links

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Schon seit langer Zeit hat der VfB große Probleme auf der linken Abwehrseite. Auch der Tscheche Adam Hlousek kann sie nicht beheben – im Gegenteil.

Adam Hlousek (ganz rechts) gibt immer sein Bestes – doch das ist oft nicht genug. Foto: Baumann
Adam Hlousek (ganz rechts) gibt immer sein Bestes – doch das ist oft nicht genug. Foto: Baumann

Stuttgart - Neulich hat sich wieder einmal Ludovic Magnin (36) zu Wort gemeldet, der Spaßvogel aus der Schweiz, dessen Humor immer noch größer war als sein fußballerisches Talent. Per Videobotschaft übermittelte der frühere Linksverteidiger des VfB vor dem Heimspiel gegen Bremen (3:2) seine besten Wünsche im Abstiegskampf und versprach, kräftig die Daumen zu drücken. Man erinnerte sich an seine Flanken, die nicht selten hinters Tor segelten – aber auch an seine überragende Rückrunde im Jahr 2007, als Magnin plötzlich zu ungeahnter Form auflief und der VfB am Ende Deutscher Meister wurde.

Eine ganze Reihe anderer linker Verteidiger aus fernen Ländern hat sich seither beim VfB versucht – erstaunlicherweise aber war keiner darunter, der besser war als Ludovic Magnin. Der Ivorer Arthur Boka (32) hatte jahrelang seine Höhen, aber auch viele Tiefen. Cristian Molinaro (31) aus Italien begann nach seinem Wechsel zum VfB sehr überzeugend, ließ dann aber ebenso schnell wieder nach. Gleiches gilt für Gotoku Sakai (24), den nach ersten starken Monaten viele am liebsten gleich eingebürgert und in die deutsche Nationalelf befördert hätten, ehe der Japaner die Konstanz verlor und sich zur Wundertüte entwickelte.

Formschwankungen kann man Hlousek nicht vorwerfen

Dem Tschechen Adam Hlousek schließlich, der neben Sakai seit dieser Saison beim VfB für die linke Abwehrseite zuständig ist, kann niemand vorwerfen, dass er größeren Formschwankungen unterliegt. Das Problem ist vielmehr, dass der 26-Jährige konstant auf sehr bescheidenem Niveau spielt und es offensichtlich nicht besser kann. Die Stuttgarter Dauerbaustelle hinten links ist durch ihn noch größer geworden.

Den vorläufigen Tiefpunkt erlebte Hlousek am vergangenen Samstag beim 2:2 gegen Freiburg. Eine erhebliche Teilschuld trug er daran, dass es trotz einer 2:0-Führung nur zu einem Punkt reichte. Denn erst wusste er sich im Strafraum gegen Jonathan Schmid nur mit einem plumpen Foul zu behelfen, was einen Elfmeter für Freiburg und eine Gelbe Karte zur Folge hatte. Und nur ein paar Minuten später ließ er sich noch einmal von Schmid übertölpeln, unterband den Freiburger Konter durch ein weiteres Foulspiel – und flog vom Platz. Dass er sich darüber im Eifer des Gefechts sehr heftig echauffierte, kann man verstehen. Doch dürfte mit etwas Abstand auch Hlousek nicht ernsthaft bestreiten, dass er schlichtweg zweimal Mist gebaut hat.

Auch Joachim Löw fahndet nach guten Linksverteidigern

Es mag für den VfB bei seinen erfolglosen Bemühungen um eine starke Besetzung der linken Abwehrseite ein kleiner Trost sein, dass andere Clubs in der Liga und sogar die Weltmeisterauswahl von Joachim Löw ähnliche Probleme haben. Man möchte allen ambitionierten deutschen Nachwuchskickern zurufen: Schult sofort auf Linksverteidiger um! Auf keiner Position sind die Chancen besser, in die Bundesliga zu kommen – oder gleich in die Nationalelf durchzustarten. Es sagt viel über die Defizite aus, dass sich dort nach den Dortmundern Marcel Schmelzer (27) und Erik Durm (22) nun der weithin unbekannte Jonas Hector (24) vom 1. FC Köln versuchen darf.

Trotzdem fragt man sich, warum der VfB neben den Profis auch ein Drittligateam unterhält und viel Geld in die Nachwuchsabteilung steckt, wenn dann Leute wie Hlousek dazugekauft werden. Spieler dieses Formats, so müsste man meinen, sollten sich auch in den eigenen Reihen finden lassen. Auf Empfehlung des Assistenztrainers Armin Reutershahn, der Hlousek aus gemeinsamen Nürnberger Zeiten kennt, ist der 1,88-Meter-Mann zum VfB gekommen und hat einen Vertrag bis 2018 erhalten. Immerhin 1,2 Millionen Euro hat sich der Club im Sommer den Transfer kosten lassen.

Selbstverständlich ist Hlousek nicht schuld daran, dass der VfB auch in dieser Saison den Absturz in die zweite Liga fürchten muss. Vielmehr reiht er sich ein in die teilweise schwer missratene Personalpolitik der vergangenen Jahren – und ist nun eine weitere Symbolfigur der Abwärtsentwicklung.

Neue Bewährungschance für Gotoku Sakai

Beim Auswärtsspiel am Samstag auf Schalke wird Hlousek gesperrt fehlen. ­Voraussichtlich bekommt Gotoku Sakai eine weitere Bewährungschance. Aufgrund einer Grippe stand er gegen Freiburg nicht im Kader. Alternativ könnte sich Huub Stevens in der zweiten Mannschaft umschauen. Dort würde der VfB-Trainer allerdings jenen Mann finden, den er mangels Klasse schon vor vielen Wochen nach unten abkommandiert hat: Konstantin Rausch. Der 25-Jährige kam im Sommer 2013 von Hannover 96 zum VfB – und scheiterte ebenfalls bei dem Vorhaben, ein würdiger Erbe von Ludovic Magnin zu werden.




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