VfB Stuttgart gegen TSG 1899 Hoffenheim Julian Nagelsmann will endlich in Stuttgart gewinnen

Von Tobias Schächter 

Zweimal ist Startrainer Julian Nagelsmann bisher beim VfB Stuttgart angetreten, zweimal ging der Coach der TSG Hoffenheim leer aus. Vor dem Duell an diesem Samstag verspürt der 31-Jährige eine besondere Motivation.

Stuttgart war bislang kein gutes Pflaster für den Coach der TSG Hoffenheim. Foto: Baumann
Stuttgart war bislang kein gutes Pflaster für den Coach der TSG Hoffenheim. Foto: Baumann

Sinsheim - An diesem Samstag (15.30 Uhr) hat Julian Nagelsmann die letzte Chance. Noch nie gewann der noch immer bemerkenswert junge Trainer der TSG Hoffenheim mit den Profis beim VfB Stuttgart. Also startet der 31-Jährige einen dritten und letzten Versuch. Es wird ein brisantes Duell: Der VfB braucht jeden Punkt im Kampf um den Klassenverbleib, die TSG will zum dritten Mal hintereinander in den Europapokal einziehen. Und: Noch neun Spiele – dann ist Nagelsmanns Zeit in Hoffenheim zu Ende. Nichts täte er lieber, als sich selbst mit einer erneuten Erfolgsbilanz noch einmal zu toppen.

In dreieinhalb Jahren rettete der stets mutige Trainer die TSG zunächst vor dem Abstieg und führte sie danach erst in die Europa- und dann in die Champions League. Nach dem Vorrunden-Aus in der Königsklasse liegt in dieser Rückrunde die ganze Kraft des ehrgeizigen Nagelsmann darauf, seinen Club noch einmal in den Europapokal zu führen. Die Champions-League scheint für den Tabellenachten bei aktuell neun Punkten Rückstand zwar diesmal unerreichbar. Doch die fünf Zähler Distanz auf Rang sechs sind aufzuholen – unterstreichen aber auch die Wichtigkeit des Spiels in Stuttgart. Ganz unabhängig von Nagelsmanns persönlicher Bilanz gegen den VfB.

Die Remis-Könige der Liga

Die Hoffenheimer dürfen sich keine weiteren Punktverluste leisten, viel zu oft schon haben sie es in dieser Runde nicht geschafft, Spiele entweder frühzeitig zu entscheiden oder Führungen über die Zeit zu retten. Auch zehrt das Verletzungspech notorisch an der Substanz. 1899 Hoffenheim spielt gut, aber nicht so gut, dass man nur von unglücklichen Umständen für das aktuelle Mittelmaß sprechen könnte. Nagelsmann gibt ehrlich zu: „Wir sind in dieser Saison nicht vom Glück verfolgt – aber auch nicht vom Pech.“ Die zehn Unentschieden – so viele wie keine andere Mannschaft der Liga – nerven trotzdem.

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Nagelsmann hat seinen Wechsel im Sommer zu RB Leipzig schon vor der Saison angekündigt. Es ist nicht erkennbar, dass dies der Mannschaft oder dem Trainer bislang geschadet hat. Und egal, wie dieses Runde nun ausgeht, Nagelsmann hinterlässt eine Erfolgsgeschichte, die nur schwer wiederholbar scheint. Die Erwartungen sind gestiegen, diese zu moderieren wird für den Nachfolger nicht einfach. Zumal der kommunikative Nagelsmann mit seiner offenen Art sich selbst und die TSG immer wieder in die Schlagzeilen bringt, seine Einlassungen finden regelmäßig bundesweite Beachtung.

Wer tritt Nagelsmanns Nachfolge an?

Die Nachfolge hätten die Clubbosse gerne schon geregelt. Doch der früh gefundene Wunschkandidat Marco Rose von RB Salzburg zögert schon lange mit der Zusage. RB-Mäzen Dietrich Mateschitz erklärte jüngst, man wolle Rose „unbedingt halten“. Die Hoffenheimer sollen Rose nun eine Frist gesetzt haben. Sagt er ab, gilt Tim Walter von Holstein Kiel als erste Alternative. Mit dem ehemaligen Juniorentrainer des Karlsruher SC gab es bereits Gespräche. Wer auch immer Nagelsmann folgt, tritt ein schweres Erbe an. Zumal die TSG trotz der Erfolge weiter nicht als Endstation Sehnsucht für viele Profis gilt.

In den letzten Jahren wurden die Wechsel zahlreicher Stars immer wieder herausragend und mit finanziellem Gewinn kompensiert. Auch ohne Roberto Firmino, Kevin Volland, Sandro Wagner und Mark Uth ging es in Hoffenheim immer bergauf. Aber das hatte vor allem mit dem außergewöhnlichen Julian Nagelsmann zu tun.