VfB Stuttgart Gentner gewinnt, Kuzmanovic verliert

Gut möglich, dass Christian Gentner noch lange beim VfB bleiben wird. Foto: dapd 35 Bilder
Gut möglich, dass Christian Gentner noch lange beim VfB bleiben wird. Foto: dapd

Christian Gentner hat sich beim VfB Stuttgart eindrucksvoll zurückgemeldet. Zdravko Kuzmanovic ist dagegen "sehr angefressen". 

Sport: Thomas Haid (T.H.)
WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Stuttgart - Es sind keine sehr schönen Wochen, die der VfB Stuttgart gerade erlebt. Nach nur einem Sieg in den vergangenen sieben Spielen ist der Kontakt zur Spitzengruppe der Bundesliga abgerissen. Das Mittelmaß regiert. Bei einer Niederlage am Samstag in Wolfsburg müsste der Blick sogar nach hinten gerichtet werden. Aber obwohl die Mannschaft das Feld zuletzt öfter als Verlierer verlassen hat, gibt es einen Gewinner: Christian Gentner (26). Sein Weg verläuft ohnehin antizyklisch, denn als der VfB zu Saisonbeginn zu den Gewinnern zählte, war er der Verlierer.

Nach dem 1:2 am siebten Spieltag gegen den Hamburger SV war Gentner außen vor und scheinbar ohne große Perspektive. Bis zum 14. Spieltag wurde er nur noch dreimal eingewechselt und brachte es dabei in der Summe auf eine Spielzeit von kümmerlichen neun Minuten. Seinen Platz im defensiven Mittelfeld besetzte Zdravko Kuzmanovic, aber nicht nur deshalb hat Gentner schwere Zeiten durchgemacht.

Bescheidener Gentner

Ein Teil der Zuschauer erkor ihn zum Sündenbock und begrüßte ihn schon mit Pfiffen, wenn er an der Seitenlinie stand, um sich auf seinen Kurzeinsatz vorzubereiten. Eine Erklärung dafür fand keiner beim VfB, zumal der in Nürtingen geborene Gentner ein Eigengewächs ist und sich immer mit dem Club identifizierte. Viele zweifelten an ihm, aber er selbst nicht. "Ich habe immer gewusst, was ich kann", sagt Gentner.

Der Trainer Bruno Labbadia und der Manager Fredi Bobic lobten sein Engagement im Training und sagten ihm, dass sie sehr wohl erkennen würden, wie nah er an der Mannschaft dran sei. Aber es spielte Kuzmanovic. Andere Spieler hätten sich vielleicht beklagt und mit einem Vereinswechsel gedroht, aber nicht Gentner. "So weit war ich nicht, weil ich es normal finde, dass es im Profigeschäft auch einmal solche Phasen gibt."

So weit, dass er das Gespräch mit Labbadia suchte, war er dagegen. Er brauche Geduld, bekam er zu hören. Also machte er sich wieder an die Arbeit. "Ich habe trotzdem versucht, der Mannschaft zu helfen - und wenn es nur darum ging, das Trainingsniveau hochzuhalten", sagt Gentner.

Dann kam der 27. November mit der Partie bei Werder Bremen. Kuzmanovic hatte einen ganz schlechten Tag erwischt, so dass Labbadia in der Halbzeitpause reagierte. Gentner kam, sah - und der VfB siegte nicht. Er verlor, aber er persönlich war ein Gewinner. "Auf diese Chance hatte ich lange gewartet", sagt er, "die Situation war unbefriedigend für mich. Deshalb konnte es nur besser werden."

"Ich habe mich hier immer wohlgefühlt."

Es wurde besser, sogar besser denn je. Beim 2:2 im nächsten Spiel gegen Köln erzielte Gentner beide Tore und danach beim 1:2 gegen den FC Bayern traf er ebenfalls wieder. Die letzten drei Treffer des VfB gehen also auf sein Konto. "Eine solche Serie ist mir noch nie gelungen", sagt er.

So kann es ruhig weitergehen, denkt er sich vor dem Spiel beim VfL Wolfsburg, mit dem er 2009 die Meisterschaft holte. Jetzt ist er aber wieder daheim beim VfB, wo sein Vertrag noch bis 2013 datiert ist. Verlängerung vermutlich möglich. "Es wurden zwar noch keine Gespräche geführt, doch dass mir der Verein am Herzen liegt, ist ja kein Geheimnis. Ich habe mich hier immer sehr wohlgefühlt", sagt Gentner, der es sich auch vorstellen könnte, nach der Karriere eine Funktion auf dem Wasen zu übernehmen. Schließlich muss nicht immer alles antizyklisch laufen. Denn richtig perfekt wäre die Lage für Gentner erst, wenn es nicht nur ihm gutgehen würde, sondern auch dem VfB.




Unsere Empfehlung für Sie