VfB Stuttgart Matchwinner Kravets

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Mit seinem Kopfballtor hat der eingewechselte VfB-Stürmer Artem Kravets das Spiel gegen den HSV entschieden. Dass der ebenfalls Alexandru Maxim die Vorlage lieferte, zeigt: die zweite Reihe macht Druck. Bald soll er noch größer werden.

Artem Kravets schießt gegen Hamburg das entscheidende Tor. Foto: Baumann 11 Bilder
Artem Kravets schießt gegen Hamburg das entscheidende Tor. Foto: Baumann

Stuttgart - Artem Kravets sieht auch am Tag danach nicht aus wie ein strahlender Sieger. Ernst ist sein Blick, kurz seine Antwort, als der Stürmer aus der Ukraine davon berichten soll, wie er sich denn jetzt so fühle nach dem turbulenten Heimspiel gegen Hamburg am Abend vorher. „Es war ein wichtiger Sieg für das Team“, sagt er, „wer die Tore schießt, ist nicht wichtig.“

Dabei hätte die Leihgabe von Dynamo Kiew allen Grund, sich ausgiebig feiern zu lassen. In seinem ersten Heimspiel für den VfB erzielte er sein erstes Tor, das nicht nur ein sehr schönes war, sondern auch noch ein extrem wichtiges. Sein prächtiger Kopfball flog in der 88. Minute zum 2:1 ins HSV-Tor, nachdem Alexandru Maxim ebenso prächtig von rechts geflankt hatte.

Gentner beschwört den neuen Konkurrenzkampf

Dass es in Kravets und Maxim zwei Einwechselspieler waren, die das Spiel am Ende entschieden haben, sehen sie beim VfB als weiteren Beleg dafür, dass sich die Dinge in die gewünschte Richtung entwickeln. Regelmäßig hatten die verschiedenen Trainer in den vergangenen Jahren beklagt, dass der Kader nicht die erforderliche Breite habe, dass es keinen richtigen Konkurrenzkampf gebe und demnach auch nicht das nötige Leistungsklima. „Jetzt haben wir eine neue Situation“, sagt der VfB-Kapitän Christian Gentner. „Jedem, der auf dem Platz steht, ist klar: die anderen sind nur minimal hintendran und machen Druck. Es tut gut zu wissen, dass im Spiel jederzeit nachgelegt werden kann. Das fördert den Leistungsgedanken.“

Für den Teamgeist, findet der Manager Robin Dutt, sei es „überragend, wenn zwei Einwechselspieler für die Entscheidung sorgen“. Es sei endlich gelungen, die bislang fehlende „Konkurrenz herzustellen“, die dazu geführt habe, dass es nun „ein paar Härtefälle auf der Bank“ gebe. Der Rechtsverteidiger Florian Klein etwa, der mit den Österreichern im Sommer zur EM will, ist bis auf Weiteres von dem Neuzugang Kevin Großkreutz verdrängt worden. Toni Sunjic und Timo Baumgartl müssen sich in der Innenverteidigung derzeit hinter Georg Niedermeier und Daniel Schwaab anstellen – der neue Abwehrspieler, der noch verpflichtet werden soll, soll es dem Bosnier und dem Eigengewächs noch schwerer machen, in die Mannschaft zurückzukehren.

Noch größer wird bald der Konkurrenzkampf im Stuttgarter Angriff, in dem normalerweise nur eine Planstelle in der ersten Elf zur Verfügung steht. „Wenn Martin Harnik und Daniel Ginczek wieder fit sind“, sagt Manager Dutt, „dann wird der Trainer schlaflose Nächte haben.“

Im Sturm wird das Gedränge bald besonders groß

Bis dahin ist die Situation im VfB-Angriff noch übersichtlich. Doch gibt es in Artem Kravets zumindest schon einmal einen ernst zu nehmenden Konkurrenten für Timo Werner, der auch mangels Alternativen seit November als einzige Spitze gesetzt war. Werner hat in dieser Zeit einen enormen Schritt nach vorne gemacht – dass er aber weiter dazulernen muss, war gegen den HSV wieder deutlich zu sehen. Der Stürmer machte kein schlechtes Spiel, er arbeitete fleißig, war an vielen gefährlichen Situationen beteiligt – vergab jedoch eine Reihe bester Torchancen. „Es wird die Zeit kommen, in der ich solche Chancen nutze“, sagt Werner: „Mit 19 kann man das noch lernen, das ist mein Plus.“

Sieben Jahre älter ist Artem Kravets, der zudem über Länderspiel- und Champions-League-Erfahrung verfügt. „Jeder hat gesehen, welche große Qualität er hat“, sagt der VfB-Spielmacher Daniel Didavi. Möglichst bald will Kravets nach seinem Siegtor gegen Hamburg weitere Nachweise liefern – „ich hoffe, das war nur der Anfang“. Nur bis Sommer läuft sein Leihvertrag, bis dahin muss sich der Mittelstürmer unentbehrlich gemacht haben. Genau das ist sein Ziel: „Die Bundesliga war immer mein Traum“, sagt der Ukrainer, „ich will hier noch eine lange Zeit spielen.“




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