VHS Unteres Remstal stellt neues Programm vor Kurse gegen die Angst vor dem Kochtopf

Von Annette Clauß 

Sie ist eine passionierte Köchin – und liebt den Kontakt zu Menschen. In den Kursen, die Heide Hundt-Dekelver seit kurzem an der Volkshochschule Unteres Remstal gibt, weckt sie die Lust am Ausprobieren neuer Rezepte.

Seid kreativ, sagt Heide Hundt-Dekelver –  dann macht Kochen Spaß. Foto: Gottfried Stoppel
Seid kreativ, sagt Heide Hundt-Dekelver – dann macht Kochen Spaß. Foto: Gottfried Stoppel

Waiblingen - „Seid mutig“ – das ist das Erfolgsrezept, das Heide Hundt-Dekelver den Frauen und Männern in ihren Kochkursen mit auf den Weg in die heimische Küche gibt. „Ich will, dass die Teilnehmer kreativ sind, denn dann macht das Kochen erst richtig Spaß“, sagt die 66-jährige Endersbacherin, die seit einigen Monaten in der Volkshochschule Unteres Remstal Kurse rund ums Essen gibt.

In diesen ermuntert sie ihre Kochschülerinnen und -schüler, sich nicht nur sklavisch an Rezepte zu halten, sondern auch mal etwas auszuprobieren oder abzuändern. „Es nützt mir nichts, wenn ich ein leckeres Rezept kenne, meine Kinder aber keinen Brokkoli mögen“, sagt Heide Hundt-Dekelver, „deshalb gebe ich bei meinen Rezepten immer Variationen an.“ Das ist auch deshalb sinnvoll, weil sie Wert auf saisonale und regionale Zutaten legt – sei es beim Kurs „One Pot Kochen“, bei „Schnelle Fischgerichte“ oder beim Osterbrunch für Familie und Freunde.

Zweite Karriere als VHS-Dozentin

Weil Heide Hundt-Dekelver möchte, dass die Kursteilnehmer einen „schönen, entspannten Abend ohne Stress und Hektik“ mit ihr haben, legt sie stets eine Frühschicht vor ihren Kursen ein: „Ich gehe zwei Stunden vorher in die Küche und erledige schon mal die unangenehmen Arbeiten“, sagt sie.

Die gründliche Vorbereitung und die übersichtlichen Rezeptblätter, die Heide Hundt-Dekelver in ihren Kursen verteilt, sie sind ein Hinweis darauf, wo die leidenschaftliche Köchin vor ihrem nicht allzu beschaulichen Ruhestand ihr Geld verdient hat: Viele Jahre war sie als Lehrerin tätig, hat an Schulen im Rems-Murr-Kreis Biologie und Haushaltswissenschaften unterrichtet. Das plus eine Ausbildung als Hauswirtschaftsleiterin sowie eine Mutter, die sehr gut kochte, waren die Basis für ihre zweite Berufslaufbahn, die sie vor einiger Zeit als Dozentin an die Volkshochschule geführt hat.

„Nach dem Ende meiner Schulkarriere habe ich mich gefragt, was ich nun machen will“, erzählt Heide Hundt-Dekelver. Zuhause sitzen, das war keine Option für die tatkräftige Endersbacherin, die den Kontakt zu anderen Menschen liebt. „Ich habe mir überlegt, was ich gut kann“, sagt sie. Kochen war das Ergebnis – und davon profitieren jetzt ihre Kursteilnehmer.

Hilfreiche Tipps und Tricks

Letzteren will die Dozentin in den Kursen viele neue Ideen mitgeben – und mit hilfreichen Tipps und Tricks den Rücken stärken, damit sie die Angst vor dem Kochtopf verlieren. Und ein Gespür für Lebensmittel an sich entwickeln, beispielsweise, ob diese noch verwendbar sind oder nicht. „In meinem Haushalt wird kaum etwas weggeworfen“, sagt Heide Hundt-Dekelver, für die ein überschrittenes Mindesthaltbarkeitsdatum noch längst kein Grund ist, einen Becher Joghurt wegzuwerfen. Ihren Teilnehmern rät sie: „Benutzt eure Sinne: schaut, riecht und probiert vorsichtig.“

In den gerade mal zwei Semestern, die sie für die VHS Unteres Remstal tätig ist, hat sich Heide Hundt-Dekelver schon einen kleinen Fanclub erarbeitet. Dabei hatte sie anfangs Zweifel, ob ihre Kochkurse überhaupt auf Interesse stoßen würden. „Man findet ja heute alles im Internet“, sagt sie – warum sollten Leute da noch zu Kochkursen kommen? Doch gemeinsam zu kochen und zu essen macht eben mehr Spaß, außerdem hat sie festgestellt: „Rezepte aus dem Internet funktionieren öfters nicht richtig.“

Viele Pfade führen durch den Dschungel

Waiblingen - Die Volkshochschule (VHS) Unteres Remstal hat ein neues Programm – und Paraguay insgesamt 47 zusätzliche Bäume. Denn ihr frisch ausliegendes Kursheft hat die Bildungseinrichtung erstmals klimafreundlich produziert, sprich: als Ausgleich für den bei der Produktion entstandenen CO2-Ausstoß sind Bäume im Regenwald gepflanzt worden.

Da passt es ganz gut, dass das aktuelle Programm den Titel „Die Welt wird bunter – Wege durch den Dschungel“ trägt. „Die Welt bietet heute weniger Orientierung und nicht alle kommen gleichermaßen damit zurecht“, sagt Stefanie Köhler, die VHS-Leiterin. Da sollen verschiedene Kurse Hilfe bieten, beispielsweise „Social Media und Recherche“ als Wegweiser durch den Informationsdschungel oder „Ebay: erfolgreich kaufen und verkaufen“.

Französisch in der Mittagspause

Bei „Französisch lernen mit dem Internet“ erfahren Teilnehmer, wie und wo sie ihre Sprachkenntnisse selbstständig vertiefen können, beispielsweise in der Sommerpause, wenn keine VHS-Kurse laufen. Wem angesichts der ständig neuen Fitnessangebote die Wahl schwer fällt, der kann sich für den „Fun-Mix am Samstag“ anmelden. „Fünf Kursleitende machen dabei an jeweils einem Samstag ein Training mit einem Schwerpunkt“, sagt Yvonne Hahn. Die Bandbreite reicht von A wie Animal Moves bis Z wie Zumba-Fitness.

Die zum jüngsten Semester in Waiblingen und Fellbach neu eingeführte Remstalakademie sei ein voller Erfolg, sagt VHS-Leiterin Stefanie Köhler. Bei dem Programm erfahren Wissensdurstige Woche für Woche, was Experten zu ihren Fachthemen zu sagen haben. In diesem Semester geht es um einen Vergleich der Weltreligionen, eine Reise durch die Epochen der Weltliteratur, eine Einführung in die Oper oder Bio-Intelligenz. „Für die Kurse in Waiblingen und Fellbach gibt es Wartelisten“, berichtet die VHS-Leiterin. Im neuen Semester wird das Angebot auch auf alle Mitgliedskommunen ausgedehnt, auch in Weinstadt, Kernen und Korb gibt es nun eine Remstalakademie.

Im Kommen seien „kurze, kleine Formate“ wie Englisch oder Französisch in der Mittagspause, ein morgendliches Outdoortraining in der Talaue, After-Work-Kurse und Wochenendseminare. Für junge Teilnehmer hat die VHS erneut ein Extraheft produziert, das die Angebote für den Nachwuchs bündelt – von der Backwerkstatt über den Häkelkurs bis zur Exkursion als „Bachforscher“.