Vom SSV Ulm 1846 bis zum VfB Stuttgart II Vor dem Regionalliga-Start: Württemberg-Quintett im Check

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An diesem Dienstag startet die Fußball-Regionalliga mit zwei vorgezogenen Spielen in die neue Saison. Der SSV Ulm 1846 gehört neben der SV Elversberg zu den Topfavoriten. Wir nehmen alle fünf württembergischen Cubs unter die Lupe.

Ulms Trainer Holger Bachthaler: Wie weit sind die Spatzen noch von der dritten Liga entfernt? Foto: Baumann 13 Bilder
Ulms Trainer Holger Bachthaler: Wie weit sind die Spatzen noch von der dritten Liga entfernt? Foto: Baumann

Stuttgart - Mit der Rekordzahl von 22 Clubs startet die Fußball-Regionalliga Südwest in die neue Runde. Drei Spiele des zweiten Spieltags finden wegen der DFB-Pokal-Teilnahme der Pokalsieger SSV Ulm 1846 (Württembergischer Fußball-Verband), TSV Steinbach Haiger (Hessischer Fußball-Verband) und SV Elversberg (Saarländischer Fußball-Verband) bereits an diesem Dienstag und Mittwoch statt. Der offiziell erste Spieltag startet dann am Samstag um 12.30 Uhr mit der Partie des VfB Stuttgart II gegen Mitaufsteiger KSV Hessen Kassel.

Die Favoriten

Bei den Trainern der Regionalligisten steht Vorjahres-Vizemeister SV Elversberg am höchsten im Kurs. Die Mannschaft des früheren Kickers-Trainers Horst Steffen konnte vor allem mit den drittligaerprobten Kevin Conrad (Waldhof Mannheim), Luca Schnellbacher (Preußen Münster) und Nico Karger (1860 München) viel Erfahrung an Land ziehen. Neben Elversberg gehört der SSV Ulm 1846 zu den Topfavoriten. Auch dem Vorjahres-Dritten TSV Steinbach Haiger werden Aufstiegschancen eingeräumt. Die Hessen konnten in Ex-VfB-II-Spieler Fabian Eisele vom Drittliga-Aufsteiger 1. FC Saarbrücken einen routinierten Stürmer dazu gewinnen. Außenseiterchancen werden Kickers Offenbach und dem FC 08 Homburg eingeräumt.

Die fünf württembergischen Clubs

SSV Ulm 1846: „Wir haben in den nächsten Jahren schon das Ziel, in die dritte Liga aufzusteigen. In dieser Saison sollten wir aber noch nicht vom Gewinn der Meisterschaft sprechen“, stapelt Trainer Holger Bachthaler vor dem Auftakt an diesem Dienstag (18 Uhr) bei Rot-Weiß Koblenz etwas tief. Der Coach hatte zuletzt unverschuldet für etwas Unruhe gesorgt: Erst war der 45-Jährige als Cheftrainer bei der SpVgg Unterhaching im Gespräch, dann als Co-Trainer von Julian Nagelsmann bei RB Leipzig. Keine Frage: Bachthaler will nach oben – am liebsten mit den Ulmer Spatzen. Damit das möglichst schnell geht, wurde in Anton Fink (32) vom Zweitligisten Karlsruher SC so etwas ein Toregarant verpflichtet. Auch Mittelfeldspieler Lukas Kiefer (27), der bisherige Kapitän des VfB Stuttgart II, bringt viel Erfahrung mit. In der Vorbereitung zeigte der SSV eine beachtliche Frühform, so gelang etwa ein 6:0 über die SG Sonnenhof Großaspach oder ein 8:0 gegen den FV Illertissen. Fast schon zur Gewohnheit gehört der Gewinn des WFV-Pokals. Im Finale gegen Ligarivale TSG Balingen gab es ein 3:0 – der Titel-Hattrick war damit perfekt. Im DFB-Pokal geht es am 12. September (18.30 Uhr) gegen Erzgebirge Aue.

Prognose: Die Ulmer sind ein heißer Tipp für den Aufstieg.

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SG Sonnenhof Großaspach: Nach sechs Jahren in der dritten Liga erwischte es die Mannschaft von Trainer Hans-Jürgen Boysen. „Wir müssen die Regionalliga erst einmal kennenlernen und schauen, wie stark sie ist, aber unter den ersten sechs, sieben Clubs wollen wir schon landen“, sagt Sportdirektor Joannis Koukoutrigas. Und Trainer Boysen ergänzt vor dem Start an diesem Samstag (14 Uhr) bei FK Pirmasens: „Wir haben nach dem Abstieg aus der dritten Liga einen großen Umbruch vollzogen. Aus dem bisherigen Kader sind nur sechs Spieler geblieben. Für uns steht daher über allem, schnell als Team zusammenzufinden.“ Einen Dämpfer gab es aber bereits: Im WFV-Pokal kam in der dritten Runde bei Oberligist SGV Freiberg das Aus.

Prognose: Die SG landet im vorderen Mittelfeld.

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VfR Aalen: Das Schicksal des frühen Ausscheidens im Pokal-Wettbewerb verbindet den VfR Aalen mit der SG Sonnenhof – die Mannschaft von Coach Roland Seitz erwischte es mit 0:1 beim TSV Essingen, dem ambitionierten Nachbarn aus der Verbandsliga. Entsprechend vorsichtig hört sich die Prognose des erfahrenen VfR-Trainers Roland Seitz an: „Wir mussten wirtschaftlich ein wenig abspecken. Daher geht es in der neuen Saison für uns einzig und allein um den Klassenverbleib. Unser Ziel ist es, dass wir eine ruhige Saison spielen.“ Bei sechs Absteigern wird dies vermutlich kein Selbstläufer. Immerhin: Zuletzt konnte in Mittelfeld-Allrounder Sandro Abruscia (30) vom SSV Ulm ein routinierter Mann verpflichtet werden, der auch mal ein Spiel entscheiden kann. Der VfR startet an diesem Mittwoch (19 Uhr) mit der vorgezogenen Heimpartie gegen den TSV Steinbach Haiger.

Prognose: Für den VfR gilt es in dieser Saison, sich zu konsolidieren, der Klassenverbleib wird kein Selbstläufer, wird aber erreicht.

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VfB Stuttgart II: Die Mannschaft agiert variabel in verschiedenen Grundordnungen und spielte sich in den Vorbereitungsspielen viele Torchancen heraus. Soweit zwei der positiven Aspekte in Bezug auf die U21 des VfB. Was der neue Trainer Frank Fahrenhorst noch moniert, ist die bisweilen auftretende Naivität beim Verteidigen. „Da müssen wir konsequenter agieren“, fordert der ehemalige Schalker. In Marc Stein (35), Neuzugang Richard Weil (32) und Marcel Sökler (29), den zuletzt eine Rippenprellung bremste, steht ihm für jeden Mannschaftsteil ein erfahrener Spieler zur Verfügung. „Es ist wichtig, solche Säulen zu haben, die die Jungen führen und vorangehen“, betont Fahrenhorst. Neuerdings steht ihm in dem bei den Profis aussortierten Ex-Nationalspieler Holger Badstuber (31) ein weiterer Ü-23-Spieler zur Verfügung. Nur drei dürfen laut Reglement gemeinsam auf dem Platz stehen. Wie der Coach das lösen will? „Nach dem Leistungsprinzip, wer gut trainiert, der spielt.“ Unterdessen wird VfB-II-Stürmer Eric Hottmann von Drittligist MSV Duisburg umworben. Der MSV sucht Ersatz für Petar Sliskovic, der zu Türkgücü München wechselt, und würde den 20-Jährigen gerne ausleihen.

Prognose: Für den VfB II zählen andere Dinge als nur der Mannschaftserfolg, das Potenzial für den Klassenverbleib ist da, leicht wird es aber nicht.

TSG Balingen: Nur der Corona-bedingte Saisonabbruch verhinderte den Abstieg der TSG in die Oberliga. Schon allein deshalb kann das Team von der Zollernalb ziemlich befreit aufspielen. „Wir haben uns das Ziel gesetzt, uns stetig verbessern zu wollen. Der Klassenverbleib wäre dabei ein riesiger Erfolg“, sagt Trainer Martin Braun, der ohnehin zu den ruhigeren Vertretern seiner Branche gehört. Eine Stuttgarter Vergangenheit haben die Neuzugänge Plator Gashi, Tim Wöhrle (beide früher Kickers) und Felix Heim (VfB U19). Auch Leander Vochatzer und Marco Gaiser haben – genauso wie Coach Braun – eine Vergangenheit bei den Blauen in Degerloch. Los geht es für die TSG am kommenden Samstag (14 Uhr) mit dem württembergischen Derby gegen den VfR Aalen.

Prognose: Die TSG wird eine bessere Rolle spielen, als in der vergangenen Saison, der Klassenverbleib wäre bei sechs Absteigern dennoch eine Überraschung.

Vorgezogene Spiele vom zweiten Spieltag

Rot-Weiss Koblenz – SSV Ulm 1846 (Di, 18 Uhr), SV Elversberg – FC Gießen (Di, 18.30 Uhr), VfR Aalen – TSV Steinbach Haiger (Mi, 19 Uhr).

Erster Spieltag

VfB Stuttgart II – KSV Hessen Kassel (Sa, 12.30 Uhr), FK Pirmasens – SG Sonnenhof Großaspach, FC Gießen FC – 08 Homburg, SSV Ulm 1846 – SV Elversberg, FC Bayern Alzenau – RW Koblenz, TSV Steinbach Haiger – FC Astoria Walldorf, TSG Balingen – VfR Aalen, TSG Hoffenheim II – 1. FSV Mainz 05 II, Kickers Offenbach – Bahlinger SC (alle Sa, 14 Uhr), TSV Schott Mainz – Eintracht Stadtallendorf (So, 14 Uhr).

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