Von Tuttlingen nach Freiburg Stühlerücken in der Uniklinik

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Der ehemaliger Aesculap-Chef Hanns-Peter Knaebel ist neuer Aufsichtsrat an der Uniklinik Freiburg. Für den Leitenden Ärztlichen Direktor Jörd Rüdiger Siewert wird ein Nachfolger gesucht – der aller Voraussicht nach von außen kommen wird.

Die Freiburger Uniklinik besetzt ihre Spitzenpositionen neu.Hanns-Peter Knaebel ist neu im Aufsichtsrat der Uniklinik. Foto: dpa
Die Freiburger Uniklinik besetzt ihre Spitzenpositionen neu.Hanns-Peter Knaebel ist neu im Aufsichtsrat der Uniklinik. Foto: dpa

Freiburg - Die Universitätsklinik Freiburg, zweitgrößte Klinik Deutschlands, besetzt Spitzenpositionen neu. Gesucht wird ein neuer Vorstand. Neu in den Aufsichtsrat eingezogen ist vor kurzem der ehemalige Chef der medizintechnischen Firma Aesculap, Hanns-Peter Knaebel (48). Der promovierte Mediziner hatte seinen Posten bei Aesculap nach acht Jahren im April 2017 überraschend niedergelegt. Über die Hintergründe gab es Mutmaßungen, aber keine gesicherten Erkenntnisse.

Der gebürtige Stuttgarter hat in Ulm, Tübingen und an der Yale University in den USA Medizin studiert. Er begann 1995 seine ärztliche Tätigkeit an der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg, absolvierte berufsbegleitend ein Wirtschaftsstudium an der Universität Salzburg/Österreich und habilitierte an der Medizinischen Fakultät Heidelberg. 2007 wechselte er zu Aesculap in Tuttlingen und stieg dort zum Vorstand auf. In Heidelberg ist Knaebel außerordentlicher Professor und Mitglied des Universitätsrates.

Im Spätsommer wurde bekannt, dass Knaebel am 1. Januar 2018 beim Kunststoffunternehmen Röchling mit Sitz in Mannheim den Posten des Vorstandsvorsitzenden übernehmen und dort die Medizintechniksparte leiten wird. Wohl etwa zur gleichen Zeit hat das baden-württembergische Wissenschaftsministerium bei Knaebel angeklopft. „Ich bin seit vielen Jahren der Universität Freiburg und dem Universitätsklinikum durch verschiedene wissenschaftliche Kooperationen verbunden und weiß daher, welch großartige Arbeit dort geleistet wird“, erklärte Knaebel dazu auf Anfrage. Daher habe er „gerne zugesagt“, den Aufsichtsrat zu unterstützen.

Eine Mitteilung an die Öffentlichkeit erging bisher nicht

Knaebel ist auch Kuratoriumsvorsitzender von „Viamedica“, der „Stiftung für gute Medizin“, die der Freiburger Professor Franz Daschner gegründet hat. Zum 1. Oktober dieses Jahres wurde Knaebel vom Wissenschaftsministerium offiziell zum Aufsichtsrat bestellt, eine Mitteilung an die Öffentlichkeit erging aber bis heute nicht. Der Vorsitzende des Gremiums, Ministerialrat Clemens Benz, Abteilungsleiter im Ministerium von Theresia Bauer (Grüne), findet das nicht ungewöhnlich. Er freut sich, dass es gelungen sei, eine Persönlichkeit zu finden, „die beide Welten, die medizinische und die wirtschaftliche in sich vereint“.

Hanns-Peter Knaebel Foto: Privat
Die ausgewiesene Sachkompetenz im Kontrollgremium begrüßt auch der Personalrat. „Wir erhoffen uns natürlich auch einen kritischen Blick auf die Verhältnisse im Klinikwesen“, sagt der Personalratsvorsitzende Helmut Pötzsch. Die rund 13 000 Beschäftigten stellen im Kontrollgremium der Uniklinik nur einen Vertreter. Außer dem Wissenschaftsministerium ist auch das Finanzministerium des Landes mit einem Sitz präsent. Dazu kommen der Rektor der Universität, ein Uniprofessor aus Freiburg, ein externer Wissenschaftler und eine Vertreterin aus einem regionalen Unternehmen. Mit bisher sieben Mitgliedern war der Freiburger Aufsichtsrat unterbesetzt. Knaebel ist nun das dritte von vier möglichen externen Mitgliedern. „Wir wollen mittelfristig noch weitere externe Verstärkung gewinnen“, betont der Vorsitzende Benz. Das müsste dann ein Wissenschaftler sein.

Einen Nachfolger für den Ärztlichen Direktor Siewert gibt es noch nicht

Auch der Vorstandsvorsitzende und Leitende Ärztliche Direktor Jörg Rüdiger Siewert begrüßt es, „dass der Aufsichtsrat durch ein so kompetentes Mitglied erweitert wurde“. Er kenne Knaebel aus Gesprächen, die er mit ihm als Aesculap-Chef geführt habe und freue sich „auf eine weitere gute Zusammenarbeit“. Doch lange wird die nicht dauern. Denn der Aufsichtsrat ist dabei, einen Nachfolger für Siewert zu finden. Ausgeschrieben wurde die Stelle nicht, eine Personalagentur hatte den Auftrag, mögliche Kandidaten anzusprechen. Angeblich will der Aufsichtsrat vier von ihnen im nächsten Monat in Augenschein nehmen. „Wir sind auf einem guten Weg, bald eine Lösung zu finden“, sagt der Aufsichtsratsvorsitzende Benz.

Der jetzt 77 Jahre alte, international renommierte Chirurg Siewert war 2010 zunächst kommissarisch von Heidelberg nach Freiburg gekommen, um die Situation nach dem Rücktritt seines Vorgängers Wolfgang Holzgreve zu befrieden. Im Jahr 2015 verlängerte das Wissenschaftsministerium Siewerts Vertrag zur Überraschung vieler um weitere drei Jahre bis Oktober 2018. Internes Gegrummel, ob es nicht längst Zeit sei für einen Jüngeren an der Spitze einer solchen großen Einrichtung, prallte an der unbestrittenen Autorität des Grandseigneurs ab.

Ambitionen von Freiburger Direktoren auf den Chefposten wurden nicht publik. Es wird wohl auf jeden Fall einen externen Nachfolger für Siewert geben. Ob der neue Vorstand einen ebenso hoch dotierten Vertrag wie Siewert – Jahresgehalt 400 000 Euro plus 100 000 Euro Bonus – bekommen wird, ist nicht bekannt. Für einen Aufsichtsrat summieren sich Vergütung und Entgelt auf 4000 Euro im Jahr.