Vor dem Schulstart im Rems-Murr-Kreis Die Lehrer-Reserve ist jetzt schon verplant

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Auch wenn offenbar genügend Stellen bewilligt worden sind, fehlt es vor dem Schulstart am Montag im Rems-Murr-Kreis bereits an Personal. Das hat mehrere Gründe.

Einige Schulen im Rems-Murr-Kreis suchen händeringend nach qualifizierten Lehrern. Foto: dpa//ulian Stratenschulte
Einige Schulen im Rems-Murr-Kreis suchen händeringend nach qualifizierten Lehrern. Foto: dpa//ulian Stratenschulte

Rems-Murr-Kreis - „Stand jetzt sind wir gut aufgestellt“, sagt Sabine Hagenmüller-Gehring. Es ist Freitag, 10.45 Uhr, die Leiterin des Staatlichen Schulamts in Backnang steht kurz davor, in der Seeguthalle im Weissacher Tal eine Gruppe von rund 60 Junglehrern in ihrem Job zu vereidigen. Doch dann fügt sie hinzu: „Wie es am Montag tatsächlich aussehen wird, kann ich natürlich nicht sagen.“

Ein schwieriges Puzzle

Die Corona-Pandemie hat das ohnehin schwierige Puzzle einer kreisweit vergleichbaren Unterrichtsversorgung noch um einige Stücke reicher und damit komplizierter gemacht. Bis der Stapel an Verordnungen aus dem Kultusministerium ausgedruckt gewesen sei, den sie vor rund zwei Wochen erhalten habe, habe es eine ganze Weile gedauert, räumt die Schulamts­chefin ein. Das Ministerium hat trotz des Infektionsrisikos Präsenzunterricht für alle Schüler verordnet, nicht jeder Lehrer ist dafür aber verfügbar. Rund vier Prozent seien per Attest im Rems-Murr-Kreis davon ausgenommen, schätzt das Staatliche Schulamt.

Videokonferenz-Zimmer in Rudersberg

Wie diese Kräfte genutzt würden, regelten die Schulen – ebenso wie die Umsetzung des Infektionsschutzes – individuell. Im Rudersberger Schulzentrum etwa sei eigens ein Raum eingerichtet worden, in dem Homescooling-Lehrer per Videokonferenzen zu den Klassen zugeschaltet würden, berichtet der stellvertretende Schulamtsleiter Roland Jeck. In einer Grundschule sei eine solche Lösung natürlich nicht denkbar.

Der Start in das neue Schuljahr sei bereits ein gleitender, „wenn nicht gar fliegender“ gewesen, sagt Sabine Hagenmüller-Gehring. So waren bereits seit Ende August rund 1900 Schüler in „Lernbrücken“ gefördert worden. 200 Lehrer seien im Einsatz gewesen, um Defizite aufzuarbeiten, die durch den Corona-Shutdown entstanden seien.

Dennoch blickt man mit einiger Spannung auf den kommenden Montag. Denn dann erst werde sich zeigen, wer tatsächlich zur Verfügung stehe oder wer sich vielleicht in Quarantäne abmelden müsse. Auf dem Papier seien alle Schulen personell so ausgestattet, dass die Mindestvorgabe – 75 Prozent des sogenannten Kerncurriculums – gut erfüllt werden könne. Und auch die vom Land gewährten Lehrerstellen seien für den Pflichtunterricht und darüber hinaus absolut ausreichend.

56 neue Stellen konnten nicht besetzt werden

In der Praxis wird alles dennoch mehr als knapp, weil gut ausgebildete Lehrer gerade Mangelware sind. Von zuletzt 152 neu ausgeschriebenen Stellen in den Werkreal-, Real–, Gemeinschafts- und Sonderschulen im Rems-Murr-Kreis habe man 56 nicht besetzen können, konstatiert Helmut Bauer, der Leiter des Fachbereichs Unterrichtsversorgung. Die Folge sei, dass die für Krankheiten, Schwangerschaften, Versetzungen oder andere Ausfälle vorgesehene Reserve zum Schulstart voll verplant sei. „Wenn jetzt etwas passiert, können wir das nicht mehr auffangen“, sagt Sabine Hagenmüller-Gehring.

Besonders schwierig sei die Situation bei den Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren mit Förderschwerpunkt Lernen. „Das sind zurzeit unsere absoluten Sorgenkinder“, sagt Hagenmüller-Gehring. Auf die in diesem Bereich ausgeschriebenen Stellen habe es nur ganz wenige Bewerbungen gegeben.

Insgesamt seien die Schulen gewissenhaft und bestmöglich auf den Start vorbereitet, sagt Hagenmüller-Gehring. Sie sieht die Bildungseinrichtungen auch materiell gut ausgerüstet, wenngleich es etwa bei der Ausstattung für die Digitalisierung vereinzelt zu Lieferschwierigkeiten gekommen sei. Es gebe noch einige Unwägbarkeiten, aber eines sei sicher: „Das neue Schuljahr wird erneut ein besonderes Schuljahr sein.“




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