Vorbild Wien SPD will Stuttgart mit Fernkälte abkühlen

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Das Mammutthema Klima wird auch im Stuttgarter Rathaus immer wichtiger und bringt ganz grundsätzliche, wild wirkende Überlegungen auf den Tisch. Die SPD will jetzt ein Fernkältenetz nach Wiener Vorbild prüfen lassen.

Die Wassertemperatur in einem Stuttgarter Freibad Ende Juni. Die SPD will die Stadt mit einem ehrgeizigen Vorhaben abkühlen. Foto: 7aktuell.de/
Die Wassertemperatur in einem Stuttgarter Freibad Ende Juni. Die SPD will die Stadt mit einem ehrgeizigen Vorhaben abkühlen. Foto: 7aktuell.de/

Stuttgart - In Wien rollen die E-Roller – das sieht jeder. Aber auch im Verborgenen leistet die Hauptstadt Österreichs Pionierarbeit, was Klimaschutz und die Bewältigung der Folgen des Klimawandels angeht. Dort kühlt nämlich ein Fernkältenetz die Stadt an heißen Tagen runter, das wie ein Fernwärmenetz funktioniert, nur eben mit Kälte. Die Stuttgarter SPD will jetzt prüfen lassen, ob so ein Fernkältenetz auch für den Kessel infrage kommt.

Das Prinzip des Fernkältenetzes beschreibt die SPD in ihrem Antrag so: Die Kälte wird zentral außerhalb der Innenstadt erzeugt und über Leitungen an die Gebäude gebracht. Zur Erzeugung der Kälteenergie nutzt man die Energie, die beim Verbrennen von Müll und in Kraftwerken entsteht. So lasse sich umweltschonend aus Abwärme Kühlenergie bilden. Bis zu 74 Prozent Energie würden hierbei eingespart.

„Eine Idee wäre, das bereits bestehende Fernwärmenetz auch für die Fernkälte zu nutzen“, sagt der Stadtrat und SPD-Kreischef Dejan Perc. Schließlich hätten die Netze zur Wärmeverteilung im Sommer nur eine geringe Auslastung. Einen weiteren Vorteil in der Lösung sieht Perc darin, dass Aggregatoren an den Häusern in der Innenstadt und damit die „Verschandelungen von Fassaden“ wegfallen würden.

Neuer Klima-Ausschuss wie gemacht für das Thema

Den Vorstoß, der die Energiepolitik in Stuttgart nachhaltig verändern könnte, begründet die SPD mit dem Klimawandel, der sich auch in Stuttgart bemerkbar mache. Die negativen Auswirkungen auf die Umwelt nehmen demnach zu. „Temperaturen jenseits der 30 oder gar 35 Grad in einer Stadt in Kessellage werden zukünftig nicht nur eine Ausnahmeerscheinung bleiben“, schreibt die SPD.

Dejan Perc ist zuversichtlich, dass es mit dem Thema zügig vorangeht. Seine Hoffnungen ruhen hier auf dem neu gebildeten Klima-Ausschuss, der monatlich tagen und sich ausschließlich mit Umweltthemen auseinandersetzen und der Wichtigkeit dieser Tribut zollen soll.

Im ersten Schritt soll die Verwaltung aber zunächst die Machbarkeit und die Kosten klären und gegebenenfalls Alternativen vorschlagen, wie Stuttgart ohne energiefressende Klimaanlagen abgekühlt werden kann. Wie bislang kann es aus Sicht der SPD jedenfalls nicht weitergehen.

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