Vorschlag der LBBW Dieselprivileg abschaffen, Elektro-Ladestationen bauen

Der Verkauf von Elektroautos zieht an, der Ausbau von Ladestationen wird damit dringlicher. Foto:  
Der Verkauf von Elektroautos zieht an, der Ausbau von Ladestationen wird damit dringlicher. Foto:  

Die Autoanalysten der Landesbank Baden-Württemberg plädieren in einer Studie dafür, Autos mit Diesel- und Benzinmotor steuerlich gleichzustellen – und mit den Mehrerlösen die Elektromobilität zu fördern.

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Matthias Schmidt (mas)

Stuttgart - Die jüngsten Verkaufserfolge bei Elektroautos verdeutlichen, dass Deutschland mehr Ladestationen braucht. Die Research-Abteilung der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) plädiert in einer Studie dafür, die steuerlichen Vorteile von Dieselautos gegenüber den Benzinern abzuschaffen und mit den Mehreinnahmen von rund 1,4 Milliarden Euro pro Jahr die öffentliche Ladeinfrastruktur auszubauen.

„Das langfristig geplante Ziel von einer Million Ladesäulen bis 2030 entspricht der Installation von 2000 Ladepunkten pro Woche und wäre gut aus den Mitteln der Angleichung der Energiesteuer auf Diesel finanzierbar“, schreiben die Autoren der Studie, die LBBW-Analysten Gerhard Wolf und Frank Biller. Derzeit wird Diesel an der Tankstelle geringer besteuert als Benzin, die Kfz-Steuer hingegen ist höher. Würde beides vereinheitlicht, müssten Dieselfahrer unterm Strich 1,4 Milliarden mehr an den Staat abführen.

Die Autoindustrie fordert einen Ladenetzgipfel

Im Oktober wurden in Deutschland 48 000 Autos mit Elektroantrieb (Batterie und Hybrid) verkauft. Der Anteil an den Neuzulassungen hat sich – dank hoher Kaufprämien – gegenüber Mai auf neun Prozent mehr als verdoppelt. Um die Klimaziele der EU zu erreichen und Strafzahlungen der Hersteller abzuwenden, müssten es bis 2025 monatlich aber rund 78 000 und bis 2030 rund 115 000 E-Autos sein, so die LBBW-Analysten. Auch der Autoindustrieverband VDA ruft lautstark nach mehr Tempo beim Ausbau der Ladestationen – und fordert einen Ladenetzgipfel mit Bund, Ländern und verschiedenen Branchen noch vor Weihnachten.

Um die Dringlichkeit zu unterstreichen nannte die VDA-Präsidentin Hildegard Müller in einem Interview des „Redaktionsnetzwerks Deutschland“ den neuen Berliner Flughafen BER als Negativbeispiel. Dort gebe es bei 18 000 Parkplätzen nur 20 Ladestationen. „Das kann nicht deren Ernst sein“, sagte Müller. An dem von ihr angeregten Ladenetz-Gipfel sollten neben Bund, Ländern und Kommunen auch die Gebäudewirtschaft, Mineralölfirmen, Parkhausbetreiber und Flughäfen teilnehmen. Zu den wichtigen Themen gehörten beschleunigte Planungsverfahren und erleichterte Genehmigungen für Ladestationen an Tankstellen, der Ausbau des Ökostroms und eine Befreiung des Ladestroms von der EEG-Umlage. „Ladestrom muss billiger sein als Diesel“, sagte Müller.

Verbot von Verbrennern: LBBW-Analysten plädieren für EU-weite Regelung

Die LBBW-Studie thematisiert neben der Ladeproblematik einen weiteren Aspekt der Verkehrswende: die Diskussion um ein Verbot der Neuzulassung von Autos mit Verbrennungsmotoren. Die Autoren warnen vor nationalen Alleingängen, die dazu führen könnten, dass andere EU-Länder ihre Klimaziele verfehlen. „Sollten die Hersteller in ihrem bisher gewohnten Muster agieren, würde eine E-Auto-Quote von 100 Prozent in einem Land dazu führen, dass in anderen Ländern ein höherer Anteil an Verbrennern verkauft würde“, schreiben Gerhard Wolf und Frank Biller. Dies könnte wiederum dazu führen, dass nationale Anstrengungen zur CO2-Reduzierung konterkariert würden. Die Autoren plädieren deshalb für ein EU-weit einheitliches Vorgehen.

Unsere Empfehlung für Sie