Wächterampel für Corona-Einschränkungen Firma aus Aichwald entwickelt Kontrolle für Kundenströme

Von Philipp Braitinger 

Die Firma Fiessler Elektronik aus Aichwald hat eine Ampel konstruiert, die Kundenströme kontrollieren soll. Es gibt bereits Interessenten aus dem In- und Ausland.

Die  Wächterampel aus Aichwald erspart das mühsame Foto: Horst Rudel
Die Wächterampel aus Aichwald erspart das mühsame Foto: Horst Rudel

Aichwald - Dank Türsteher und Zugangskontrolle kommt seit einigen Wochen nicht nur beim Lebensmitteleinkauf echtes Club-Feeling auf. Viele Händler müssen zur Eindämmung des Coronavirus’ die Anzahl der Kunden in ihren Geschäften beschränken. Das zusätzliche Personal am Eingang kommt die Läden, Museen, Büchereien oder Banken mit zunehmender Dauer der vorgeschriebenen Maßnahmen immer teurer zu stehen.

Die Firma Fiessler Elektronik aus Aichwald, ein Hersteller für Sicherheitstechnik für Industriemaschinen, möchte demnächst ein Einlasssystem ausliefern, das Kundenströme vollautomatisch kontrolliert. „Es ersetzt die mühsame Handzählerei, das zahlt sich schnell aus“, verspricht der kaufmännische Geschäftsführer Götz Fiessler.

Auch Bibliotheken haben die Technik schon eingesetzt

Ganz neu ist die Technik freilich nicht. „Wir haben das schon relativ lange im Portfolio“, sagt er. Bereits in den 1990er-Jahren sei ein ähnlicher Artikel in einem großen Möbelhaus eingesetzt worden, erinnert er sich. Damals sei es allerdings darum gegangen, dass das Möbelhaus die Kundenströme in seinen Gängen und Räumen zu Marketingzwecken messen wollte. Auch Bibliotheken hätten die Technik bereits in der Vergangenheit zur Erstellung ihrer Besucherstatistiken eingesetzt. Und die Gropius-Passage in Berlin habe damit ebenfalls Besucherströme gemessen, um die Mieten für die einzelnen Geschäfte in dem Einkaufscenter angemessen bestimmen zu können.

Die Idee, die Zählanlage mit einer Ampel zur Einlasskontrolle während der Coronazeit einzusetzen, habe sein Bruder und Co-Geschäftsführer Lutz Fiessler gehabt, der schwerpunktmäßig für die Technik zuständig ist, erklärt der kaufmännische Chef, Götz Fiessler. Für die Abnehmer sei die Ampel einfach zu benutzen. „Es ist ein Plug-and-Play-System“, sagt er.

Die Anlage lässt sich auch mit einer Einlasssperre verbinden

An den Türen müssen die Säulen im Boden befestigt und mit einer Stromquelle verbunden werden. Anschließend zählt die Ampel, wie viele Menschen hinein und wieder hinaus gehen. Wird eine zuvor bestimmte Anzahl an Besuchern erreicht, zeigt ein rotes Lichtsignal am Eingang an, dass weitere Kunden nun warten sollten. Wer dennoch eintritt, löst ein Warnsignal aus. Wer die Anlage mit der Türe verbindet, kann sogar eine automatische Einlasssperre an der Türe programmieren.

Wenn genügend Leute das Geschäft wieder verlassen haben, springt das Lichtsignal auf grün und weitere Kunden können eintreten. „Es soll so einfach wie möglich sein“, sagt Fiessler. Auch die Programmierung ist unkompliziert: die Anlage kann mit einer App gesteuert werden. Die Kosten für die Zählanlage beziffert der Geschäftsführer auf 799 Euro.

Ampel soll einen Teil des Umsatzeinbruchs wettmachen

Die ersten Wächterampeln mit der Typenbezeichnung RAZL-2CO sind bereits bestellt. Neben dem Bürgerbüro in Plochingen haben auch große Lebensmittelketten im In- und Ausland Interesse bekundet. „Wir müssen die Anlage schnell vertreiben“, weiß Fiessler. Denn sollten die Einlassbeschränkungen aufgehoben werden, wird der Vertrieb schwieriger. Allerdings könne das Produkt nicht allein zur Einlasskontrolle genutzt werden. Auch jenseits der Coronakrise sei ein Betrieb für manche Nutzer sinnvoll. „Man bekommt etwas über die Kundenfrequenz heraus“, erklärt der Geschäftsführer.

Mit der Wächterampel hofft das Familienunternehmen, wenigstens einen Teil des Umsatzeinbruchs der vergangenen Wochen wettzumachen. Wie weite Teile der Industrie leidet auch Fiessler Elektronik unter einem Auftragseinbruch, berichtet Fiessler. Seit Mai sei die Firma mit ihren 50 Mitarbeitern in Kurzarbeit.

Dass die Wächterampel, die in spätestens 14 Tagen erstmals ausgeliefert werden soll, an der grundsätzlichen Situation des Unternehmens etwas ändert, glaubt der Geschäftsführer indes nicht. „Mir wäre es lieber, wir müssten keine Ampeln verkaufen und das Leben würde stattdessen wieder normal verlaufen“, sagt er.




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