Wahl in Taiwan Gefangen im Status Quo

Von Finn Mayer-Kuckuk 

In Taiwan wird künftig erstmals in seiner Geschichte von einer Frau regiert: Tsai Ing-wen will gegenüber China selbstbewusster auftreten. Doch die Realität wird sie bald eines Besseren belehren, schreibt Finn Mayer-Kuckuk.

Tsai Ing-wen hat die Wahl in Taiwan gewonnen. Foto: AFP
Tsai Ing-wen hat die Wahl in Taiwan gewonnen. Foto: AFP

Taipeh - Taiwans neue Präsidentin Tsai Ing-wen war gerade erst gewählt, da hat ihr die kommunistische Regierung Chinas bereits einen Warnschuss vor den Bug gesetzt: Mehr Unabhängigkeit werde sie nicht dulden. Präsident Xi Jinping verhält sich selbstbewusster und aggressiver als seine Vorgänger. Widerstand aus Taiwan wird er als Gelegenheit nehmen, die Macht seines Landes zu zeigen. Er könnte die Instrumente der dominierenden Volkswirtschaft einsetzen, um Taiwan zu schaden. So krude Mittel wie das Militär braucht er gar nicht, um die Insel auf Kurs zu bringen. Taiwan hat sich längst in ökonomische Abhängigkeit vom Festland begeben. Eine Verletzung des mühsam erarbeiteten Gleichgewichts aus vorsichtigen Sprachregeln und Symbolpolitik durch Tsai würde erhebliches Aufsehen erregen.

Wenn sie den Schwebezustand zerstört, in dem die beiden verfeindeten Chinas sich befinden, dann hätte sie Geschichte gemacht – aber nicht unbedingt zum Besten ihres Landes. Damit ist klar, dass die Realität der Amtsgeschäfte Tsai schon bald einholen wird. Statt China vor den Kopf zu stoßen, wird sie Vorsicht walten lassen. Am Ende bleibt ihr als kluge und verantwortungsvolle Politikerin – und das ist sie – nichts anderes übrig, als ihre Wähler etwas zu enttäuschen und den Status quo aufrechtzuerhalten.




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