Wahlanalyse des Stuttgarter Ergebnisses Grüne vorn, CDU erodiert

Bei der Wahlparty der Christdemokraten: Das Glas ist eher halb leer. Foto: Lichtgut/Julian Rettig
Bei der Wahlparty der Christdemokraten: Das Glas ist eher halb leer. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Die Grünen dominieren vor allem die Innenstadt, die SPD überholt die Union. Die Parteien am rechten und linken Rand lassen Federn.

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Stuttgart - Die Grünen sind die stärkste Kraft in Stuttgart, die SPD holt sich Rang zwei zurück, die CDU fährt ähnlich hohe Verluste ein wie vor vier Jahren und halbiert damit ihr Ergebnis von der Wahl 2013, als sie mit 38,3 Prozent noch einsam an der Spitze lag. Im Vergleich zum Resultat im Bund hat die CDU Stuttgart (20,7 Prozent) deutlich schlechter abgeschnitten. Die FDP kann sich behaupten, die AfD verliert fast ein Viertel ihrer Stimmen, liegt weit unter Bundesniveau. Die Linke verliert dramatisch. Das ist die Bilanz der Zweitstimmen in Stuttgart.

CDU im freien Fall

Der Einbruch der CDU vor vier Jahren (minus 9,3 Prozentpunkte) brachte nur wegen des Gewinns beider Direktmandate etwas Linderung. Dieses Mal bleibt nun nur noch der Erfolg von Maximilian Mörseburg im nördlichen Wahlkreis, während der Kreisvorsitzende Stefan Kaufmann nach drei erfolgreichen Wahlsonntagen im Süden dieses Mal klar gegen Cem Özdemir unterlag – mit dem Verlust eines Drittels der Erststimmen keine Überraschung. 2017 hatte die CDU Stuttgart ihre Hochburgen in Obertürkheim, Sillenbuch und Münster mit Ergebnissen über 30 Prozent. Davon ist nicht viel übrig geblieben. Kaufmanns Heimatbezirk Sillenbuch ist mit 26,4 Prozent die Nummer eins. Auch dort, wo die Partei eh schon traditionell am schlechtesten abschneidet – in den Innenstadtbezirken Mitte, Süd und West –, ging es noch einmal steil bergab. In Mitte kommt die CDU nicht einmal auf 15 Prozent.

Für die Grünen ging es weiter nach oben: von 15,8 Prozent im Jahr 2013 auf 17,6 Prozent vor vier Jahren und nun auf 25,1 Prozent – der Unterschied zum Bundesergebnis mit zehn Prozent ist eklatant. Die Partei sichert sich vor allem in der Innenstadt, wo gut die Hälfte aller Wahlberechtigten lebt, den Erfolg mit Ergebnissen jenseits von 30 Prozent (West: 35 Prozent). Dort, wo sie sonst keinen Fuß auf den Boden bringt – in Mühlhausen, Münster, Stammheim oder Hedelfingen, wo man fleißig die AfD mit Zweitstimmen versorgt, hat sie ihre Anteile von etwa zehn auf bis zu 20 Prozent erhöht.

Wiedergeburt der SPD

Über die SPD dachte man lange Zeit, tiefer könne sie nicht sinken. Mithilfe des Kandidaten Martin Schulz ging es 2017 runter auf 15,7 Prozent, bei der OB-Wahl im Jahr 2020 stieg der SPD-Bewerber Martin Körner als Erster aus. Und nun die Wiedergeburt mit einem Plus von 5,5 Prozentpunkten dank Olaf Scholz. Die Ergebnisse in Mitte, Nord und Süd von etwa 19 Prozent – üblicherweise sind das die schlechtesten Bezirke für die Genossen – hätten vor vier Jahren für die Spitzenplätze gereicht. Hochburgen finden sich entlang des Neckars: Mühlhausen und Münster, Hedelfingen sowie Bad Cannstatt.

Die FDP hat ihr Sensationsergebnis von vor vier Jahren (15,2 Prozent, ein Plus von 7,7 Punkten) mit 16 Prozent getoppt. In Birkach und Nord erreichte sie die einst vom Ex-Vorsitzenden Guido Westerwelle ausgegebene Zielmarke von 19 Prozent. Die Linke hat in der Innenstadt rund fünf Prozentpunkte verloren, vor allem in den südlichen Stadtteilen bekam sie keinen Fuß auf den Boden. Das gilt auch für die AfD, die 2017 auf 8,8 Prozent gekommen war, aber wie in anderen großen Städten deutlich unter dem Bundesergebnis geblieben war. Diesmal wurden es 5,6 Prozent, selbst in der Hochburg Mühlhausen – 2017 wählten dort 16 Prozent die Rechtspartei – waren es nur 11,1 Prozent.




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