Wahlnachlese im Kreis Göppingen Marquardt hofft auf Entspannung

Von unserer Redaktion 

Der Wähler hat gesprochen und vieles lichtet sich: In Adelberg könnte das Regieren für die Bürgermeisterin leichter werden. Dafür wird es in Wiesensteig anstrengender. In Heiningen haben die Frauen gewonnen, und in Göppingen geht ein Pirat schon wieder von Bord.

Die Adelberger Bürgermeisterin Carmen Marquardt stand zwar gar nicht zur Wahl. Sie dürfte sich über das Ergebnis aber besonders gefreut haben. Foto: privat
Die Adelberger Bürgermeisterin Carmen Marquardt stand zwar gar nicht zur Wahl. Sie dürfte sich über das Ergebnis aber besonders gefreut haben. Foto: privat

Adelberg - In Adelberg stehen die Zeichen auf Neubeginn, in Wiesensteig werden Befürworter des Projekts Baumwipfelpfad abgestraft, und in Heiningen lässt die Frauenliste alle anderen hinter sich. Und der frisch gewählte Pirat aus Göppingen tritt schon wieder ab.

Misstrauisch bis auf die Knochen gegenüber der Bürgermeisterin Carmen Marquardt, so hat sich der Gemeinderat in Adelberg bis zuletzt präsentiert. Nun stehen die Zeichen auf Neubeginn. Die Liste von Peter Regelmann, der sich zuletzt als einziger Gemeinderat nicht der Fundamentalopposition gegen Marquardt angeschlossen hatte, kam auf Platz eins. Auf den beiden anderen Listen schafften Unterstützer, aber auch ausgewiesene Kritiker der Bürgermeisterin den Einzug. „Ich gehe davon aus, dass wir alle miteinander sachlich gut zusammenarbeiten werden“, kommentierte Carmen Marquardt das Ergebnis. Sie sehe es positiv, dass auch widerstreitende Positionen im Gremium vertreten seien. So wurde Ahmet Papila neu gewählt, der im vorigen Jahr für den Verkauf des Wellenbads Montemaris im Sinne von Marquardt einen Bürgerentscheid mit auf den Weg gebracht hatte. Die wiedergewählte Sabine Beisswenger hingegen stand an der Spitze der Gegner eines Verkaufs. Das tue einer sachlichen Auseinandersetzung keinen Abbruch, sagt Carmen Marquardt. Eine letzte Sitzung wird sie mit den scheidenden Räten noch haben. Das alte Gremium wird verabschiedet, die neuen Räte werden eingesetzt.

Wipfelpfadgegner ziehen ins Rathaus ein

 Auch in Wiesensteig verändert sich die politische Landschaft. Die Bürger für Wiesensteig, bei denen sich die Aktivisten gegen den Bau eines Baumwipfelpfads organisiert haben, landeten aus dem Stand heraus mit 37,3 Prozent der Stimmen auf Platz eins. Zwei arrivierte Stadträte, Helmut Poloczek und Thomas Straub, die sich für das am Ende gescheiterte Projekt ausgesprochen hatten, verloren ihre Sitze. Insgesamt dominieren aber die beiden alteingesessenen Kandidatenlisten. Die offene und die freie Liste verfügen zusammen über acht Sitze im neuen Gemeinderat. Die Bürger für Wiesensteig haben vier. Der bekannteste Gegner des Baumwipfelpfads, der ehemalige Vorsitzende des Gewerbevereins Andreas Pohl, scheiterte knapp.

Der schnellste Rücktritt

So schnell ist wohl selten ein Stadtrat zurückgetreten. Kaum waren die letzten Stimmen ausgezählt, kündigte der erste Pirat im Gemeinderat in Göppingen, Rainer Bendig, auf seiner Homepage an, sein Mandat nicht antreten zu wollen. Er habe extra vermieden, auf Platz eins der Kandidatenliste aufgestellt zu werden, und wolle nun zu Gunsten des Spitzenkandidaten Michael Freche verzichten, erklärte der Programmierer aus Jebenhausen, der auf Platz zwei gestanden hatte und auch in der Stadt plakatiert gewesen war.

So einfach ist ein solcher Verzicht allerdings nicht. Gewählt ist gewählt, heißt es eigentlich. Nur aus einem wichtigen Grund oder nach zehn Jahren im Amt darf man sich zurückziehen, heißt es in der Gemeindeordnung. Bendig könnte dennoch um sein Amt als Stadtrat herumkommen. Er plane einen Umzug nach Süßen, deutet er auf seiner Homepage an. Dann könnte er natürlich nicht mehr im Göppinger Gemeinderat sitzen.

Frauen hier, Männer dort

Nicht die CDU, die SPD oder die Freien Wähler sind in Heiningen künftig die stärkste Fraktion, sondern die Frauenliste. Die seit 1994 im Gemeinderat vertretene Gruppierung konnte satte sechs Prozent hinzugewinnen und stellt nun fünf Gemeinderätinnen. Die Männer halten dennoch die absolute Mehrheit. Denn weder bei CDU und SPD noch bei den Unabhängigen oder den Freien Wählern hat es eine Frau in das 18-köpfige Gremium geschafft. Das Verhältnis liegt bei 13 zu fünf.