Waiblingen Frösteln bei der Feierabendtour

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Kaltstart in die neue Zweiradsaison: der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club bietet bis Ende September jeden Freitag zwei geführte Ausfahrten an – „tranquilo“ für gemütliche Biker und „sportive“ für schnellere.

Die Feierabendtouren des ADFC starten immer freitags um 18 Uhr. Foto: Horst Rudel
Die Feierabendtouren des ADFC starten immer freitags um 18 Uhr. Foto: Horst Rudel

Waiblingen - Die meisten sind Wiederholungstäter. Sie kommen mitunter schon seit Jahren zu den zwei Feierabendtouren, die der Kreisverband des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) immer von Anfang April bis Ende September jeden Freitag veranstaltet. Egal, ob es regnet, stürmt oder glühend heiß ist. Immer freitags von 18 Uhr an wird etwa zwei Stunden lang in die Pedale getreten. „tranquilo“ heißt die gemütlichere Tourenvariante, „sportive“ die für schnellere Biker.

Doch so einen Saisonauftakt habe er noch nicht erlebt, sagt Thomas Grau an diesem eiskalten ersten Freitag im April 2013. Abwarten, wie viele Biker kommen. Dass wegen der widrigen Bedingungen gar niemand auftauche, das sei völlig ausgeschlossen, sagt der Optimist Grau, der beim ADFC die Freitagstouren koordiniert und mitunter auch leitet.

Der Tourenleiter hat noch nie ein Auto gehabt

Grau ist ein hartgesottener Biker. Der 47-jährige Schreinermeister aus Waiblingen, der bei der Paulinenpflege Winnenden als Ausbilder arbeitet, hat noch nie ein Auto besessen. Seine Frau Johanna Ziwich und er erledigen nahezu alle Fahrten und Besorgungen mit dem Bike, manchmal mit einem Tandem. Grau strampelt jeden Morgen zur Arbeit, größere Einkäufe werden mit einem Anhänger transportiert. Und im Urlaub radelt das Paar auch fast immer, gerne in Deutschland, aber auch in Frankreich und in Großbritannien. Schlechtes Wetter gibt es für Radfahrer wie Thomas Grau nicht, nur die falsche Kleidung. Wenn die Straßen vereist sind, dann zieht Grau halt Spikes auf die Felgen seines Rads.

Es ist kurz vor 18 Uhr. Und hinter dem Waiblinger Bürgerzentrum haben sich tatsächlich bereits gut zwei Dutzend Radfahrer versammelt. Mitradeln darf jeder, eine Mitgliedschaft im ADFC ist nicht nötig. Alle sind dick eingepackt, sie tragen winddichte Jacken, Handschuhe, Sturmhauben unter den Helmen und mitunter sogar Neopren-Überschule. Man kennt sich, tauscht Erfahrungen aus, gibt Tipps. Einer sagte: „Heute hab ich mich wirklich überwinden müssen.“ Aber die Freitage von April an sind fest fürs Radfahren reserviert. Wiederholungstäter eben.

Doch es sind auch ein paar Neulinge dabei. Einer kommt kurz vor knapp im Affenzahn angesaust und ruft: ­„Nehmt ihr mich noch mit?“ Schnelle Antwort ­des ADFC-Vorsitzenden und Leiters der ­gemütlicheren Tourvariante „tranquilo“, Dietbert Scharner: „Na klar.“ Dann stellt sich Marbod Lemke vor. Er ist erst vor kurzer Zeit aus dem Ruhrgebiet nach Waiblingen gezogen, arbeite jetzt bei der Firma Stihl, ­habe von der Feierabendtour ­erst an diesem Nachmittag gehört und tatsächlich soeben erst Feierabend gemacht. „Eine echte Feierabendtour also“, sagt Herr Lemke und grinst breit unter seinem Helm ­hervor.

Für den Stopp im Biergarten ist es leider zu kalt

Ein paar wenige Hinweise für die Novizen: Dietbert Scharner und Thomas Grau weisen darauf hin, dass jeder „auf eigene Gefahr“ radle, dass selbstverständlich die Straßenverkehrsordnung zu beachten sei und dass der ADFC Helme zwar empfehle, eine Pflicht aber ablehne. Man achte aufeinander, und der Langsamste bestimme das Tempo. Dann kann es losgehen.

Die tranquilo-Gruppe radelt an der Rems entlang nach Großheppach und dann fast ausschließlich auf befestigten Feldwegen weiter nach Beutelsbach und nach Strümpfelbach, dann über Stetten und Rommelshausen und schließlich zurück zum Bürgerzentrum. Für den Saisonauftakt hat der Tourenleiter eine gut 20 Kilometer lange Strecke mit lediglich 150 Höhenmetern ausgesucht. Auf den Feldern kurz vor Stetten kommt der Gruppe die sportivo-Truppe entgegen. Normalerweise treffen sich die Feierabend-Radler nach der Rundfahrt in Waiblingen, dann gehen sie gemeinsam noch in einen Biergarten. Aber dieser Programmpunkt fällt aus – es ist viel zu kalt. Die Biker legen sich lieber daheim in die Badewanne. Vielleicht ist das Wetter ja am kommenden Freitag besser.