Der Wald ist ein Gesundheitsquell. Waldbaden-Coach Melanie Buck aus Leinfelden-Echterdingen erklärt, wovon der menschliche Körper profitiert.

Filderzeitung: Judith A. Sägesser (ana)

Leinfelden - Bäume geben ihr etwas. Das hat Melanie Buck in stressigen Zeiten gemerkt. Wenn die Online-Redakteurin nach Bildschirm-Zeiten in den Wald gegangen ist, war sie danach wie aufgetankt, erzählt sie. Sie hat das registriert, aber sich nie weitere Gedanken darüber gemacht. Übers Waldbaden ist die heute 38-Jährige gestolpert, als sie mit ihrem Vater, dem regional bekannten Wanderbuch-Autor Dieter Buck, ein Wanderbuch für Kinder geschrieben hat, sagt sie.

Heute nennt sie sich Treehuggerin, direkt übersetzt: Baum-Umarmerin. Und sie kann inzwischen die These, dass Bäume den Menschen gut tun, mit mehr als einem Gefühl begründen. Die Frau aus Leinfelden hat eine Fortbildung gemacht und bietet inzwischen selbst Waldbaden-Kurse an. Sie hat viel dazu gelesen, und sie klingt nach wie vor begeistert von dem, wie das alles so vonstatten geht zwischen Menschen und Bäumen.

Jeder hat schon mal im Wald gebadet

Dabei will Melanie Buck mit Vorurteilen gleich aufräumen: Waldbaden ist nicht esoterisch, sondern letztlich zählt jeder Waldspaziergang dazu. „Fast jeder hat schon mal im Wald gebadet“, sagt sie. Grundvoraussetzung sei, sich im Wald aufzuhalten – damit der Wald auf den Menschen wirkt. Aber eben nicht nur auf den Geist, sondern auch konkret auf den Körper. Auch Forst BW hat an verschiedenen Stellen im Wald derzeit Banner hängen, die dafür werben, dass sich der Wald positiv auf die Gesundheit auswirkt.

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Aus der Sicht von Melanie Buck sind es zwei Dinge, die der Wald den Menschen bietet: eine heimelige Atmosphäre, um vom Schnelllebigen des Alltags runterzukommen. Zum anderen ist es aber auch die gute Waldluft. In Japan habe es dazu bereits in den 1970er Jahren Studien gegeben, sagt Melanie Buck. Heute ist das dort sogar ein eigener Forschungszweig. Die Erkenntnisse findet sie faszinierend.

Mensch versteht Sprache der Bäume

Die Bäume scheiden gasförmige Botenstoffe in die Luft aus, um Fressfeinde abzuwehren und andere Bäume „zu warnen“. Diese heißen Terpenoide. „Die Luft im Wald ist erfüllt von sehr, sehr vielen Botenstoffen.“ Es sei eine Sprache der Bäume, sagt sie.

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Und offenbar verständigen sich in dieser Sprache nicht nur Bäume untereinander, auch der Mensch scheint darauf anzusprechen, die Botschaft zu entschlüsseln. Denn das Immunsystem entwickele nachgewiesenermaßen mehr natürliche Killerzellen, sogenannte NK-Zellen. Zudem würden die Killerzellen, die bereits vorhanden seien, aktiver. Oder anders ausgedrückt: Das Immunsystem wird geboostert. Ein Tag im Wald würde die Zahl der NK-Zellen im Körper um bis zu 40 Prozent erhöhen, sagt Melanie Buck. Selbst eine Woche später sei die Zahl der Zellen noch nachweisbar erhöht. Zudem habe man festgestellt, dass sich die Waldluft wirklich tanken lasse. Man könne sich das zusammenstückeln über die Woche: montags zwei Stunden, mittwochs anderthalb, und so weiter.

Bluthochdruck geht runter, Stresshormone nehmen ab

Und als wäre das noch nicht genug, hat der Wald noch mehr für die menschliche Gesundheit parat. Ist man im Wald unterwegs, werde der Parasympathikus aktiviert, sagt Melanie Buck. Studien hätten gezeigt: Der Blutdruck geht runter, Stresshormone nehmen ab. Man kann sich erklären, dass dies der entspannenden Atmosphäre, dem schummrigen Licht, geschuldet ist. „Man fühlt sich zu Hause im Wald.“ Im Sommer übrigens mehr als im Winter.

Weil ihr das Thema mit dem Wald als Gesundheitsquell so gut gefällt, hat sich Melanie Buck entschieden, neben ihrem Job als Bloggerin und Online-Redakteurin, Waldbader zu coachen. Weil sie möglichst viele anderen Menschen mit ihrem Waldfieber anstecken will. „Man geht in den Wald und profitiert, man muss gar nichts machen“, sagt sie. Wegen Corona war es aber auch ihr nicht möglich, Kurse vor Ort anzubieten. Und das ist ja gerade in diesem Fall fast unerlässlich. Deshalb hat sich Melanie Buck in der Coronazeit hybrides Waldbaden ausgedacht: Es gibt virtuelle Treffen mit Impulsen und Austausch. Um die Übungen auszuprobieren, gehen die Teilnehmer allein in den Wald. Das pausiert derzeit, aber die Leinfeldenerin will im Frühjahr wieder starten.

Zwei einfache Übungen

Übung 1
geht einfach: den Weg für einen Moment verlassen und in den Wald hineingehen und einfach laufen, wohin es einen zieht. An einem wohligen Ort verweilen, die Augen schließen und bewusst atmen.

Übung 2
eignet sich für Leute, die sich hibbelig und gestresst fühlen. Man kann sie auf einem Waldweg machen, auch ohne Schuhe. Aufrecht stehen, einen Punkt in der Ferne fixieren und langsam loslaufen. Sich auf jeden Schritt konzentrieren und den Boden fühlen. Halb so schnell laufen, auch wenn es sich komisch anfühlt. Erneut halb so schnell laufen. Das entschleunigt. ana

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