Walldorfer Softwareriese Bei Boni für SAP-Mitarbeiter zählt die Kundenzufriedenheit

Von Daniel Gräfe 

Das neue Duo an der Spitze von SAP will die Kundschaft stärker an den Konzern binden. Neben der Software sind davon auch die Mitarbeiter betroffen.

Jennifer Morgan und Christian Klein sind die neuen Chefs von SAP. Das Führungsduo, das sich gut versteht, stellte in Walldorf zum ersten Mal die Zahlen für das vergangene Geschäftsjahr vor. Foto: dpa/Uwe Anspach
Jennifer Morgan und Christian Klein sind die neuen Chefs von SAP. Das Führungsduo, das sich gut versteht, stellte in Walldorf zum ersten Mal die Zahlen für das vergangene Geschäftsjahr vor. Foto: dpa/Uwe Anspach

Walldorf - Nach Jahren der Zukäufe will SAP stärker aus eigener Kraft wachsen und die erworbenen Firmen besser in seine Software-Lösungen integrieren. Das kündigten die neuen SAP-Chefs Jennifer Morgan und Christian Klein an, als sie am Dienstag in Walldorf erstmals zusammen die Jahreszahlen für 2019 präsentierten. In puncto Umsatz lief es bei Europas größtem Softwarekonzern gut. Die Erlöse stiegen im Vorjahresvergleich um zwölf Prozent auf 27,55 Milliarden Euro.

Vor allem das Cloudgeschäft treibt das Wachstum an. Hier können Firmen unter anderem Software, Rechenleistung oder Speicherkapazitäten bei SAP online mieten, ohne selbst dafür die Infrastruktur zu schaffen. Das spart ihnen Kosten bei der Hardware, aber auch Zeit und Geld beim Betreiben ihrer Geschäfte. Seit rund zehn Jahren investiert SAP Milliarden in den Aufbau dieser flexiblen Abo-Modelle, auch um sich gegen im Internet groß gewordene US-Konkurrenten zu behaupten. Der Umsatz im Cloud-Bereich stieg um 39 Prozent auf 6,9 Milliarden Euro. Dabei liefen die Geschäfte in China, Japan, Deutschland, den Niederlanden, aber auch in lateinamerikanischen Ländern wie Brasilien besonders gut. Das Wachstumstempo will SAP annähernd halten – bis 2023 sollen sich die Cloud-Erlöse mehr als verdreifachen. Der Umsatz soll dann 35 Milliarden Euro betragen.

SAP will auch mit Künstlicher Intelligenz bei den Kunden punkten

Dagegen nahm das traditionelle Geschäfte mit den Software-Lizenzen und der Wartung der Geschäftssoftware vor Ort nur leicht um zwei beziehungsweise fünf Prozent zu. Mit einem Umsatz von 16,1 Milliarden Euro ist es noch immer die Basis des weltgrößten Anbieters von Geschäftssoftware. Laut Christian Klein nutzen noch mehr als zwei Drittel der Kunden die traditionellen Programme. SAP will die verschiedenen Softwarelösungen auf Basis seiner Plattform S/4 Hana weiter verzahnen und auch mit dem vermehrten Einsatz künstlicher Intelligenz punkten. Gerade in Umbruchzeiten, in denen Unternehmen nach neuen Geschäftsmodellen suchten, könnten sie die Hilfestellung von SAP nutzen. Auch deshalb habe man das eigene Angebot durch Zukäufe verstärkt.

Mehr zum Thema lesen Sie: SAPs neue Bodenständigkeit kommt gut bei den Kunden an

Allerdings stand die mangelnde Integration der milliardenschweren Zukäufe in den vergangenen Jahren – darunter das Reisekostenmanagement Concur, die Personalwesen-Software Fieldglass und die Plattform zur Kundenanalyse Qualtrics – in der Kritik. Unter anderem hatte die einflussreiche deutsche SAP-Anwendergruppe DSAG bemängelt, SAP habe die Zukäufe zu lange nicht integriert. Die Kunden bräuchten aber „Informationen und den Support aus einer Hand“.

Co-Chef Christian Klein geht auf die Kunden zu

Klein versprach, dass man das Portfolio „harmonisieren“ werde und bereits Maßnahmen ergriffen habe. Künftig seien alle Einzellösungen integriert. Man werde die Produkte weiter vereinfachen. „Wir haben den Moment auf unserer Seite“, so Klein. „Wir müssen unsere Kunden erfolgreich machen.“ Klein und Morgan kündigten an, dass die SAP-Mitarbeiter in diesem Jahr stärker an der Kundenbindung gemessen würden. „Fast alle unsere Mitarbeiter werden bald in ihren Bonusplänen ein Ziel vorfinden, das besagt: Akzeptanz bei Kunden vorantreiben. Wir werden dann messen, wie das im Einzelnen klappt“, sagte Klein. Zufriedene Kunden seien die Basis für den künftigen Erfolg.

Beim Nettogewinn schnitt SAP im vergangenen Jahr wie erwartet schlecht ab. Er schrumpfte um 17 Prozent auf 3,4 Milliarden Euro. Grund seien die Aktienboni für die Mitarbeiter und die hohen Ausgaben für den Personalumbau, sagte Finanzvorstand Luka Mucic. 4000 Mitarbeiter weltweit haben die Programme zu Abfindungen und Vorruhestand im vergangenem Jahr und Anfang dieses Jahres genutzt, in Deutschland haben 1400 der rund 22 000 Beschäftigen das Unternehmen verlassen. Damit verjüngt SAP die Belegschaft und verschiebt Stellen aus dem traditionellen Lizenzgeschäft in Wachstumsbereiche wie Cloud-Computing, Künstliche Intelligenz und Internetsicherheit. Unter dem Strich ist die Zahl der Mitarbeiter 2019 in Deutschland um 600 und weltweit um knapp 4000 gewachsen. Klein betonte auch, dass man trotz der Abgänge das Wissen im Konzern behalten konnte – „auch bei den jüngeren Mitarbeitern“. Das Engagement der Mitarbeiter sei nach wie vor sehr gut, das habe die jüngste Mitarbeiterbefragung gezeigt.

Der SAP-Betriebsratsvorsitzende Ralf Zeiger zeigte sich mit dem Ausgang der Restrukturierungen grundsätzlich zufrieden. Klein sei „bodenständig und detailkundig“. Allerdings hätte auch im Zuge des Abgangs der 1400 Mitarbeiter in Deutschland mehr Wissen im Unternehmen gehalten werden können, betonte er. „Das hätte man besser planen können. Eine konzertierte Aktion wäre wünschenswert gewesen.“

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