Warnung vor Kreditausfällen Sparkassen sorgen sich um Unternehmenskunden

Die Sparkassen im Land haben Kredit- und Einlagevolumen gesteigert. Foto: dpa/Bernd Weissbrod
Die Sparkassen im Land haben Kredit- und Einlagevolumen gesteigert. Foto: dpa/Bernd Weissbrod

Die Geldinstitute in Baden-Württemberg erreichen immer mehr Hilferufe von verzweifelten Geschäftsleuten. Sparkassenpräsident Schneider nennt die Lage „dramatisch“, sieht die Institute im Land nach einer Aufstockung der Risikovorsorge aber gut gewappnet.

Korrespondenten: Barbara Schäder (bsa)
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Frankfurt/Stuttgart - Die baden-württembergischen Sparkassen erwarten in diesem Jahr einen deutlichen Anstieg der Kreditausfälle. Der Lockdown bringe immer mehr Unternehmen in Existenznot, sagte der Präsident des Sparkassenverbands Baden-Württemberg, Peter Schneider, in seiner Jahrespressekonferenz.

„Die Lage einiger Geschäftskunden, die in den vergangenen zwölf Monaten zum Teil fast ein halbes Jahr schließen mussten oder nicht tätig werden konnten, wird von Tag zu Tag dramatischer.“ 2020 habe es noch weniger Kreditausfälle gegeben als zunächst befürchtet, aber „da wird 2021 mehr kommen“, warnte Schneider.

60 000 Kredite wurden vorübergehend gestundet

Seit Beginn der Corona-Krise haben die 50 Sparkassen im Land 60 000 Privat- und Firmenkunden Kredite gestundet, das heißt: Die Ratenzahlungen wurden für einen Zeitraum von drei bis neun Monaten ausgesetzt. Die Summe der aufgeschobenen Zahlungen belief sich auf 1,4 Milliarden Euro. Insgesamt haben die Sparkassen Darlehen im Volumen von mehr als 143 Milliarden Euro in den Büchern: „Weit über 95 Prozent unserer Kunden bedienen ganz normal ihre Kredite“, betonte Schneider.

Für Kreditausfälle wurden im vergangenen Jahr 220 Millionen Euro an Rückstellungen gebildet. Das ist allerdings nur ein Drittel des Betrags, der 2009 – also in der Rezession nach der Finanzkrise – für die Risikovorsorge aufgewandt wurde.

Mit Blick auf die sich abzeichnende Verlängerung des Lockdowns forderte Schneider weitere Hilfen für geschlossene Betriebe sowie Solo-Selbstständige, die aktuell keine Aufträge bekommen: „Da helfen neue Kredite nicht mehr weiter, sondern nur noch rasch ausgezahlte staatliche Unterstützung.“

Über 6000 Förderdarlehen beantragt

2020 reichten die baden-württembergischen Sparkassen für ihre Kunden bei den Förderbanken KfW und L-Bank über 6200 Anträge auf Coronahilfskredite im Volumen von zwei Milliarden Euro ein. Insgesamt stieg das Kreditvolumen um fast sieben Milliarden Euro – ein Plus von fünf Prozent. Dass die Konditionen für die Kreditvergabe verschärft würden, könne er für die Sparkassen nicht bestätigen, erklärte Schneider: „Wir begleiten die Unternehmen, so gut es geht.“ Klar sei aber auch: „Ein Kredit muss eine positive Rückzahlungsperspektive haben.“

Noch stärker als das Kreditvolumenstiegen die Kundeneinlagen: Sie erhöhten sich um acht Prozent auf 159 Milliarden Euro. „Auf der einen Seite kämpfen Kunden um das Überleben ihres Geschäfts, auf der anderen Seite haben vor allem Privatkunden mehr Geld denn je“, sagte der Sparkassenpräsident. Schließlich fielen Reisen und viele andere Freizeitaktivitäten weg, zudem hielten Privat- wie Unternehmenskunden auch aus Gründen der Vorsicht ihr Geld zusammen.

Sparkassenpräsident wirbt um Verständnis für Minuszinsen

Vor diesem Hintergrund verteidigte Schneider auch den Trend zu Negativzinsen, die viele Sparkassen mittlerweile nicht nur von Unternehmen, sondern auch von Privatkunden mit hohen Guthaben verlangen. Seit Sparkassen und Banken für ihre eigenen Einlagen bei der Europäischen Zentralbank Minuszinsen zahlen müssen, sei „Geld zur heißen Kartoffel geworden“, klagte der Sparkassenpräsident. „Ich bitte um Verständnis, dass wir nicht beliebig viel nehmen können, wenn wir selbst dafür bezahlen müssen.“

Weil Bankeinlagen kaum noch Zinsen abwerfen, wächst auch bei den Sparkassenkunden das Interesse an Aktien und anderen Wertpapieren. 2020 überstiegen die Zukäufe die Verkäufe um einen Betrag von 2,9 Milliarden Euro. Für die Institute bedeutete dies höhere Gebühreneinnahmen – was den Rückgang der Zinserträge allerdings nicht kompensieren konnte. Unterm Strich sank das Ergebnis der Gruppe gegenüber 2019 um 150 Millionen auf 854 Millionen Euro.

Die Sparkassen müssen daher selber sparen: 2020 wurden landesweit 126 Geschäftsstellen geschlossen, 103 davon wurden durch Selbstbedienungsfilialen ersetzt. Dennoch gewannen die Institute Kunden hinzu, die Zahl der Girokonten stieg um 60000.

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