Was Hoeneß im Gefängnis erwartet „Das wird ein Schock“

Von Wiebke Ramm 

Gaby Buß betreut seit 14 Jahren Strafgefangene in Bayern. Im StZ-Interview erklärt sie, was auf Uli Hoeneß in der Haft jetzt zukommt und warum er nicht einmal ein Buch mit in die JVA mitnehmen darf.

In so einer Zelle wird Uli Hoeneß die nächsten Jahre wohnen. Foto: AFP
In so einer Zelle wird Uli Hoeneß die nächsten Jahre wohnen. Foto: AFP
Gaby Buß (54) betreut seit 14 Jahren Strafgefangene. Sie ist Vorsitzende der Landesarbeitsgemeinschaft ehrenamtlicher Mitarbeiter im Strafvollzug Bayern und weiß, was auf Uli Hoeneß jetzt zukommt.
Frau Buß, kann sich ein Mensch auf den Moment vorbereiten, in dem hinter ihm das erste Mal die Zellentür ins Schloss fällt?
Nein, ich denke nicht. Am Anfang ist es ein Schock. Der Mensch verliert alles, er verliert seine Freiheit, seine Individualität. Er wird erfasst, nummeriert und erlebt sich abgeschnitten von der Außenwelt. Auch für Herrn Hoeneß wird das ein Schock.
Was geht in einem Verurteilten in den letzten Tagen in Freiheit vor?
Die Gedanken kreisen in der Regel nur noch um das drohende Eingesperrtsein. Viele geraten in Panik. Übersteht die Familie, die Zeit der Haft? Bleiben Freundschaften erhalten? Das ist eine Situation, die große Angst macht.
Was sollte in Hoeneß’ Gepäck nicht fehlen ?
Ihm wird ja ohnehin alles abgenommen. Mitnehmen kann er bis auf Toilettenartikel zunächst eigentlich gar nichts. Erst nach und nach kann er Anträge stellen und darum bitten, sich zum Beispiel einen Fernseher kaufen oder mieten zu dürfen.
Er kann nicht einmal ein Buch mitnehmen?
Nein, Bücher kann er in der Gefängnisbücherei ausleihen. Oder er einen Antrag stellen, sich ein Buch schicken zu lassen. Das muss dann aber eingeschweißt vom Verlag kommen. Auch Angehörige dürfen ihm kein Buch mitbringen.
Und warum nicht?
Im Buch könnte ja ein Code versteckt sein.
In Landsberg werden viele Freizeitaktivitäten angeboten: von Schach bis Didgeridoo spielen. Hilft das, die Zeit erträglich zu gestalten?
Meine Erfahrung ist, dass es nicht immer leicht ist, die Gefangenen überhaupt zu irgendetwas zu motivieren. Viele geben sich auf. Die meisten bemühen sich vor allem darum, Arbeit zu bekommen. Das bringt Abwechslung und lässt die Zeit schneller vergehen. Und es gibt Geld.
Hilft es im Gefängnis, wenn man Geld hat?
Nein, das hilft nicht viel. Denn auch das ist geregelt. Es gibt einen Höchstbetrag, den ein Gefangener ausgeben darf. In der Regel liegt er bei knapp 70 Euro im Monat.
Was glauben Sie, wie wird Hoeneß von den Mithäftlingen aufgenommen?
Ich glaube, er wird einen Promi-Bonus haben. Dass er vom FC Bayern München kommt, wird bei den Männern sicher gut ankommen. Die meisten haben ja doch ein Faible für Fußball.




Unsere Empfehlung für Sie