Was ist Zeit? Eine Spurensuche Andere Länder, andere Zeiten

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Ein Gang durch den Kosmos der Zeitvorstellungen vermittelt einen Eindruck von der Vielfalt menschlichen Zeiterlebens. Während in Deutschland Zeit bares Geld ist, lässt man in Afrika und Indien die Zeit stillstehen.

Die Uhr gibt den Takt unseres Lebens vor. Foto: dpa 18 Bilder
Die Uhr gibt den Takt unseres Lebens vor. Foto: dpa

Stuttgart - Zeit ist kostbar, Zeit ist Geld. Zeit brauchen wir und haben wir nicht. Wenn ein anderer sich Zeit für uns nimmt, sind wir dankbar. Wenn jemand unsere Zeit stiehlt, werden wir ärgerlich. Wertvolle Zeit ist schnell verloren und schwer wieder aufzuholen. Der rechte Umgang mit der Zeit gehört zur Kunst des Lebens.

Beschleunigen oder entschleunigen?

Die Moderne ist eine Zeit der Beschleunigung. Immer mehr Menschen müssen sich in immer kürzeren Fristen auf Neuerungen und Veränderungen einstellen: im Verkehr und Beruf, in der Freizeit und Familie, sogar in der Kirche. Das Tempo der Veränderungen steigt. Umso wichtiger ist es, den rechten Umgang mit der Zeit zu lernen: Wann muss man schnell reagieren, wann langsam tun? Wann wird es Zeit, sich zu verändern? Wann braucht es Zeiten der Ruhe und Stille?

Der Takt der Uhr bestimmt unser ganzes Dasein. Aufstehen, Arbeiten, Essen, Freizeit, Schlafen – jede Minute ist durchgeplant. Niemand hat Zeit zu verschenken, jeder Moment muss so effektiv und produktiv wie möglich genutzt werden. „Time ist money“ – „Zeit ist Geld“: Dieser Satz, den Benjamin Franklin, einer der Gründungsväter der USA, 1748 in seinem Buch „Ratschläge für junge Kaufleute“ prägte, beschreibt den Umgang mit einem kostbaren Gut, das sich nicht festhalten lässt und wie Sand durch die Finger rinnt.

Zeit – eine kulturabhängige Größe

Zeit ist keine unwandelbare anthropologische Konstante, sondern kulturabhängig. So unterschiedlich wie Gesellschaften und ihre Lebensbedingungen sind auch die Zeitvorstellungen. Ein gestresster Mitteleuropäer nimmt Zeit ganz anders wahr als ein Nigerianer, Brasilianer oder Aborigine.

Während in Deutschland Warten verpönt ist und Pünktlichkeit als Tugend gilt, sind Geduld und Warten in afrikanischen Staaten fester Bestandteil des Alltags. Manche Kulturen haben für die verschiedenen Zeitperioden nicht einmal ein Wort. Hindus und Buddhisten erleben die Zeit nicht als linearen Fortschritt, sondern als ewigen Zyklus des Werdens und Ver­gehens.