Nostalgie pur: „Geister der Weihnacht“ ist von der Augsburger Puppenkiste fürs Kino sehr lebendig in Szene gesetzt worden. An allen vier Adventswochenenden lässt sich der ganze Zauber des Marionettentheaters auf der Leinwand erleben.

Stuttgart - „Weihnachten, ein Fest für Narren und Nichtstuer“, schimpft der hartherzige Ebenezer Scrooge. Denn an Feiertagen lässt sich kein Geld verdienen, eine grausige Vorstellung für diesen gierigen Geschäftsmann. Er ist das weltbekannt fiese Zentrum von Charles Dickens’ Klassiker „Eine Weihnachtsgeschichte“, den sich die Augsburger Puppenkiste als Advents-Kinoproduktion vorgenommen hat. Will heißen: an allen vier Adventswochenden gibt es „Geister der Weihnacht“ jeweils samstags und sonntags auch in Stuttgart auf der Leinwand zu sehen.

Weil sich die ursprüngliche Erzählung eher an Erwachsene richtet, auch wenn sie oft als Kinderbuch veröffentlicht wurde, hat die Drehbuchautorin Judith Gardner eine Rahmenhandlung ersonnen, die für Kleine alles Unheimliche dämpft. Der fröhliche, herzensgute Timi, der körperlich beeinträchtigte Sohn des einst geschundenen Buchhalters von Scrooge, bekommt von der inneren Umkehr des früher hartherzigen Chefs erzählt. Als Rückblende ist die Geschichte für Kinder viel leichter zu verdauen: Jetzt ist ja alles gut.

Geist aus der Nachttischlampe

Drei Geister suchen Scrooge bekanntlich heim – und das in der Nacht vor Weihnachten. Als liebenswert und sehr weise erscheinen sie, wenn sie Scrooge nachdrücklich die Weihnachtsfeste seiner Vergangenheit sowie die noch möglichen der Gegenwart und Zukunft vor Augen führen. Vor allem der erste Geist, aus seiner Nachtischlampe hervorpoppend und gesprochen von der Schauspielerin Martina Gedeck, entzückt. Seit unfassbar langen siebzig Jahren gibt es die Augsburger Puppenkiste schon. Für heutige Sehgewohnheiten erzählen die Regisseure Julian Köberer und Klaus Marschall relativ langsam. Aber so findet sich Zeit, die abwechslungsreichen Kulissen zu bewundern, die die Kamera – so wie die fein gestalteten Puppen – mit geschickten Nahaufnahmen perfekt ins Bild setzt. Oft vergisst man als Zuschauer den eigentlich beschränkten Puppenbühnenraum, weil sich die Szenen so fantasievoll entwickeln.

Zunehmende Helligkeit

Selbst wenn den Settings gelegentlich etwas Schauerliches anhaftet, geht es nie um Effekte, sondern eher um immer mehr Licht. Die zunehmende Helligkeit symbolisiert ganz im Sinn der frohen Botschaft die Liebe zum Nächsten, die in jedem jederzeit wachsen kann.

Die Presse durfte den Film vorab sehen – und Kinder mitbringen. Ein neunjähriges Mädel freute sich über die sichtbaren Fäden der Marionetten. Und ihre Freundin ergänzte: „Der Film bringt einen so schön in Weihnachtsstimmung“. Das empfindet man als Erwachsener ganz genauso.

Geister der Weihnacht. Deutschland 2018. Regie: Julian Köberer, Frank Marshall. Mit den Stimmen von Thomas Rauscher, Martina Gedeck, Martin Gruber. 64 Minuten. Ohne Altersbeschränkung.