Weil der Stadt Die allerletzte Erweiterungsmöglichkeit für Gewerbe

Von Florian Mader 

Um fünf Hektar soll das Industriegebiet vergrößert werden, die Hälfte davon bekommt der Baumarkt.

Um etwa fünf Hektar will die Stadt ihr Gewerbegebiet erweitern. Foto: Holger Leicht / StZ-Grafik: zap
Um etwa fünf Hektar will die Stadt ihr Gewerbegebiet erweitern. Foto: Holger Leicht / StZ-Grafik: zap

Weil der Stadt - Ständig trudeln im Weiler Rathaus neue Anfragen nach Gewerbeflächen ein. Mit der Lupe hat sich daher der Bauamtsleiter Arnd Jocher auf die Suche nach solchen Flächen gemacht. „Wir haben diverse Flächen untersucht“, berichtet er am Dienstagabend dem Gemeinderat. „Unser Ergebnis ist: Wir haben keine größeren Flächen mehr auf unserer Gemarkung.“ Wo in Weil der Stadt noch kein Haus und keine Firma steht, dort ist Landschaftsschutzgebiet oder Wald.

Die einzige Fläche, auf der man noch Gewerbe unterbringen könnte, ist der Bereich „Hochstraße“. Er grenzt an das bestehende Weil der Städter Industriegebiet und könnte um knapp fünf Hektar in Richtung Merklingen erweitert werden. Aber soll die ­Gewerbefläche in der idyllischen Heckengäu-Stadt zwischen den vielen Hügeln überhaupt wachsen? Das war die Grundsatzfrage, die der Gemeinderat zu entscheiden hatte. „Bald müssen wir uns wie Renningen eine Mediathek anschaffen, um unsere schöne Landschaft im Fernsehen anzuschauen, wenn wir immer mehr ­zupflastern“, schimpft etwa der grüne Fraktionschef Alfred Kappler. „Wir haben genügend Gewerbe.“

„Gewerbesteuer ist kein Allheilmittel“

Er verweist auf Renningen, das zwar die doppelte Gewerbefläche hat, im vergangenen Jahr aber etwa nur gleich viel Gewerbesteuern eingenommen habe. „Wenn die Konjunktur schlecht ist, kann die Gewerbesteuer wegfallen – sie ist kein Allheilmittel“, erklärt Kappler seinen Ratskollegen.

Und dem Standort Hochstraße könne er schon gar nicht zustimmen. Dort seien nicht nur die besten Ackerböden in ganz Weil der Stadt, auch das benachbarte ­Naturschutzgebiet Merklinger Ried sei bedroht.

Das wollen die anderen ­Gemeinderats-Fraktionen so nicht stehen lassen. Als Wirtschaftsromantik bezeichnet der CDU-Fraktionsvorsitzende Martin Buhl die grüne Position. „Wir leben hier in der Region Stuttgart, einer der wirtschaftsstärksten Regionen in ganz Europa“, findet er. Die Leute bräuchten Arbeit und Geld, und die 4,6 Hektar in der Hochstraße seien nun wirklich nur eine ­minimalst kleine Fläche.

Baumarkt­be­trei­ber will weitermachen

Den Anstoß für die Entwicklung des ­Ge­biets Hochstraße hat ein Baumarkt­be­trei­ber gegeben, der den derzeit leer stehenden Markt erweitern möchte. Er soll etwa die Hälfte des Gebiets bekommen, auf der anderen Hälfte will die Stadt ein bis zwei Firmen ansiedeln. Um das Gebiet zu erreichen, soll an die Landesstraße in Richtung Merklingen ein Kreisverkehr kommen, der mit der Siemensstraße verbunden wird.

„Wir alle wollen den Baumarkt, daher müssen wir dem zustimmen“, findet der CDU-Stadtrat Peter Mutschler. Und schließlich erhebt in der Ratsdebatte auch der Bürgermeister das Wort und verteidigt die Erweiterungspläne. „Zwischen Rutesheim und Renningen sind wir Waisenknaben, was die Gewerbeflächen angeht“, sagt Thilo Schreiber und verweist auf die erhofften Einnahmen aus den Gewerbesteuern. „Ich muss diese Stadt hier auch ­finanzieren, ansonsten müssen wir ein ­Museumsdorf draus machen.“ Fünf Hektar in einer 20 000 Einwohner-Stadt seien doch nicht der Rede wert.

Damit kann er die Mehrheit der Ratsleute überzeugen, 17 Räte stimmen für die Erweiterung, lediglich die fünf grünen ­Gemeinderäte sind dagegen.