Weil der Stadt „Die Gemeinschaft ist zu spüren“

Von Florian Mader 

Ein Mond mit Flecken und eine verträumte Nonne sind dafür verantwortlich, dass am Donnerstag Feiertag ist. Für die Katholiken immer noch ein Grund zum Jubeln.

Seit mehr als 700 Jahren pilgern Gläubige an Fronleichnam durch die Straßen – so wie hier 2007 in Weil der Stadt. Foto: factum/Archiv
Seit mehr als 700 Jahren pilgern Gläubige an Fronleichnam durch die Straßen – so wie hier 2007 in Weil der Stadt. Foto: factum/Archiv

Weil der Stadt - Große Demonstrationen sind für Donnerstag angekündigt. Zu Hunderten werden sie dann durch die Straßen laufen, angeführt von einem kleinen Stück Brot. „Eine wunderbare Demonstration für den Glauben ist das“, erklärt Anton Gruber, „und alles ganz ohne Polizeischutz.“ Er ist der katholische Stadtpfarrer in Weil der Stadt und wird das kleine Stück Brot durch die Straßen der Altstadt tragen.

Denn das Brot steht an Fronleichnam im Mittelpunkt. Seit mehr als 700 Jahren schon. 1209 hatte eine Nonne eine Vision: Die heilige Juliana von Lüttich hatte vom Mond geträumt, der allerdings einen Fleck hatte. „Und dieser Fleck“, so soll es Christus ihr erklärt haben, „ist ein Fest, das im Kirchenkalender noch fehlt“. Papst Urban IV. führte deshalb 1264 das „Hochfest des Leibes und Blutes Christi“ ein. Justus Pohlmann beeindruckt das noch immer. „Ja, da spürt man die Gemeinschaft, wenn man mit so vielen Menschen zusammen pilgert“, hat er festgestellt. Er ist in Merklingen Ministrant und fährt deshalb am Donnerstag zusammen mit fünf „Mini“-Freunden nach Weil der Stadt zum großen Freiluft-Gottesdienst beim Königstor – „ganz freiwillig“, betont der 18-Jährige und muss schmunzeln.

„Alle jubeln, freuen sich und strahlen.“

Die Minis marschieren bei der Prozession ganz vorne, dann kommt der Pfarrer mit der Brot-Hostie, der Musikverein, dann die Gläubigen mit den Blumen. „Und alle jubeln, freuen sich, strahlen, dass Jesus im Brot in die Welt gekommen ist“, sagt Pfarrer Anton Gruber. Sie freuen sich über das, was eigentlich am Gründonnerstag geschehen ist. „Weil da aber alle um Jesu Tod wissen, kommt am Gründonnerstag keine Feststimmung auf.“ Deshalb gibt es Fronleichnam, und daher ist dieser Tag immer am Donnerstag.

Und der wird in einer katholischen Hochburg wie Weil der Stadt kräftig gefeiert – seit Jahrhunderten. 500 Jahre alt ist die gotische Turm-Monstranz, in der Pfarrer Gruber die Brot-Hostie tragen wird. „Darin kommt Gott zu uns“, sagt Pfarrer Gruber. Und ganz am Ende? „Da spendiert der Pfarrer uns bestimmt wieder ein Eis“, verrät Ministrant Justus.

Gottesdienste:

Weil der Stadt: 9 Uhr auf der Wiese beim Königstor, anschließend Prozession

Leonberg: 10 Uhr, St. Johannes-Kirche

Höfingen: 10 Uhr, St. Michaels-Kirche

Weissach: 10 Uhr vor dem Rosa-Körner-Stift

Renningen: 10.30 Uhr beim Altenzentrum

Wimsheim: 10 Uhr, Erlöserkirche




Unsere Empfehlung für Sie