Weil der Stadt Ein „Quantensprung“ für 1,3 Millionen Euro

Von Ute Jenschur 

Offene Türen nach dem Umbau im alten Merklinger Rathaus: Das Bürgeramt ist jetzt barrierefrei erreichbar.

Viele Merklinger schauen sich im umgebauten alten Rathaus bei Saft und Gebäck um, unter ihnen auch Bürgermeister Schreiber (links). Foto: factum/Bach
Viele Merklinger schauen sich im umgebauten alten Rathaus bei Saft und Gebäck um, unter ihnen auch Bürgermeister Schreiber (links). Foto: factum/Bach

Weil der Stadt - Der ehemalige Feuerwehrkommandant Karl Mauthe kann es kaum glauben. Seine alte Feuerwache erkennt er nicht wieder. Bis 2002, vor dem Umzug in das neue Gerätehaus, waren hier zwei Feuerwehrautos untergestellt, in der Zeit danach wurde der Raum als Archiv genutzt. Jetzt ist das Bürgeramt ins alte Rathaus eingezogen. Der Umbau wurde mit einem Tag der offenen Tür gefeiert.

Mauthe ist begeistert: „Ich konnte mir gar nicht vorstellen, wie es nach dem Umbau aussehen wird. Der Unterschied ist riesig. Alles ist jetzt so hell, freundlich und komplett anders als vorher.“ Helle Bodenfliesen, weiße Wände, im Hintergrund die alten hölzernen Tragstützen des Hauses, der Tresen kombiniert die Farbe Grau mit hellen Holzverkleidungen. Eine moderne, nicht zu aufdringliche Farbgestaltung.

Bürgeramt, Standesamt und Friedhofsamt sind jetzt im Erdgeschoss

Das Wichtigste aber für die Einwohner: Bürgeramt, Standesamt und Friedhofsamt sind jetzt im Erdgeschoss untergebracht. Zwar gibt es noch die fünf alten Treppenstufen vor dem Haupteingang, aber der neue Nebeneingang zu den ebenfalls neuen Parkplätzen ist barrierefrei, die Tür öffnet automatisch. „Wenn schon barrierefrei, warum gibt es nach dem aufwendigen Umbau keinen Aufzug?“, fragt eine Besucherin den Bürgermeister bei der offiziellen Eröffnung. „Diesem Wunsch stand der Denkmalschutz entgegen. Das war leider nicht möglich“, erklärt Thilo Schreiber. Aber niemand muss jetzt mehr die steile Stiege nach oben nehmen, außer man will standesamtlich heiraten oder muss zum Bauamt, das weiterhin im ersten und zweiten Stock untergebracht ist. Immerhin hat die neue Treppe jetzt flachere und gleichmäßige Stufen. Als „Quantensprung“ bezeichnet Schreiber das umgebaute Rathaus.

Zwei Jahre hat die Sanierung gedauert. Die Kosten dürften am Ende bei rund 1,3 Millionen Euro liegen, inklusive der neuen Außenanlagen. Deutlich mehr als ursprünglich geplant. „Die genaue Abrechnung wird jetzt noch erstellt und dem Gemeinderat in Kürze vorgelegt“, kündigt der neue Erste Beigeordnete Jürgen Katz an.

Die lange Bauzeit ist zum einen einem Architektenwechsel geschuldet. Zum zweiten lief der Umbau während des laufenden Betriebs des Rathauses, noch dazu wechselten die Sachbearbeiter seitens der Denkmalschutzbehörde dreimal in dieser Zeit, was die Arbeiten laut Katz nicht erleichtert hat.

Eine bauliche Überraschungen haben das Projekt verteuert

In den letzten beiden Jahren sind die Preise auf dem Bausektor deutlich gestiegen. Noch dazu bot das 1601 erbaute historische Rathaus im fränkischen Fachwerkstil auch einige bauliche Überraschungen. Fundament und Zwischendecken waren in Großteilen verfault, statisch nicht mehr sicher. Stahlträger mussten eingezogen werden, um die Konstruktion zu erhalten, außerdem neue tragende Wände. Sichtbar sind die neuen Träger fast nicht, eine der Stützen steht zwischen den beiden Holzständern direkt hinter dem Empfangstresen, ist weiß verkleidet und daher unauffällig. Die Obergeschosse wurden nicht saniert, immerhin wurden vorsorglich bereits neue IT-Leitungen verlegt, die zu einem späteren Zeitpunkt aktiviert werden können.

Auch die Sprechzeiten des Bürgeramtes wurden verbessert und an die Weiler Öffnungszeiten angepasst. Das Bürgeramt Merklingen ist montags von 8 bis 12 Uhr offen, am Dienstag von 8 bis 12 und von 13 bis 16 Uhr, sowie am Donnerstag von 8 bis 12.30 Uhr und von 14 bis 18.30 Uhr.




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