Weil im Schönbuch Von Menschen, Mulch und Molchen

Von  

Mit großem Einsatz kämpfen der Naturschützer Leif Schall und der Biologe Thomas Bamann um den Lebensraum der Kammmolche. Eines der wenigen Verbreitungsgebiete des Molchs in Deutschland ist immer wieder bedroht.

Unter einem fauligen Stamm finden Leif Schall (links) und Thomas Bamann etliche Molche in ihren Winterquartieren. Foto:  
Unter einem fauligen Stamm finden Leif Schall (links) und Thomas Bamann etliche Molche in ihren Winterquartieren. Foto:  

Weil im Schönbuch - Ach Schei. . .“, der Biologe Thomas Bamann ist sauer. Stinksauer sogar, und die Enttäuschung ist dem 37-Jährigen deutlich ins Gesicht geschrieben. Im Teich am Neuweiler Grubenhau in Weil im Schönbuch gibt es wieder Goldfische. Die gefräßigen Zierfische werden meist von Aquarienfreunden aus falsch verstandener Tierliebe ausgesetzt und zerstören die Biotope, weil sie die Larven der einheimischen Amphibien auffressen. Sein Kollege, der Biotopbeauftragte Leif Schall will es nicht wahrhaben. Er umrundet den Tümpel, um die Fische mit eigenen Augen zu sehen, der 41-Jährige will ganz sicher sein. Dabei sammelt er noch Plastikmüll auf.

Spaziergänger haben die Zierfische deutlich gesehen, mehr als zehn Exemplare, die sich im Schilf getummelt hätten, sagen sie. Das heißt, nicht nur der Einsatz des Regierungspräsidiums und des Naturschutzbundes (Nabu) für den in Deutschland beinahe ausgestorbenen Kammmolch ist nahezu sinnlos gewesen. Auch der Einsatz der Freiwilligen Feuerwehr von Weil im Schönbuch, die mit fast zwanzig Mann und schwerem Gerät den See ausgepumpt hat, war umsonst. Damals hatte das Einsatzteam im leeren Teich die Goldfische vom Schlammboden aufgesammelt Etwa 1500 der ungebetenen Gäste aus Asien haben sie gezählt. Warum die Tiere sich jetzt im See wieder vermehrt haben, weiß man nicht. Vielleicht haben die Helfer damals Goldfische übersehen, vielleicht wurden neue ausgesetzt. Das heißt für die Kammmolche, dass ihre Nachkommen zum Tode verurteilt sind. Fast wie Hohn klingt jetzt der Text auf einer Tafel am Ufer, die auf das seltene Tier hinweist.

Je mehr Sonne, desto besser

Die Kammmolche stehen auf der Roten Liste der gefährdeten Tierarten. Sie bevölkerten einst die Überschwemmungsgebiete der ungebändigten Flüsse in Deutschland. Ungebändigte Flüsse gibt es in Deutschland aber nicht mehr und Überschwemmungsgebiete kaum noch. Deswegen sind die Molche in Tümpel und Weiher ausgewichen, die keinen Fischbesatz haben. Doch ein Tümpel allein ist dem Kammmolch nicht genug.

Er braucht rund um die Tümpel auch noch sonnige Wiesen. Je mehr Sonne, desto besser. Ohne die Hilfe der Naturschützer könnten sich die Tierey nicht halten, weil die Tümpel im Schönbuch durch einfallendes Laub und den Uferbewuchs zu schnell zuwachsen und damit zu stark beschattet werden.

Ein anderer Ort im Schönbuch, der geheim bleiben muss: Vier Tümpel hat der Forst hier künstlich angelegt, Rohrkolben ragen auf, Kiefern, Lärchen und Buchen stehen in weiter Fläche um die Ufer. Hier haben Leif Schall und Thomas Bamann vor einigen Jahren mit ihrer Rettungsaktion angefangen, als sie bei einer Biotopkartierung zufällig zwei erwachsene Tiere gefunden haben. Nachwuchs hatten die beiden Molche längst keinen mehr, denn die Kälte ließ ihre Larven sterben. Die beiden Männer beschlossen, die Population wieder hochzuziehen. Ohne Hilfe von außen wäre das nicht möglich gewesen. Der Forst war hier mit schwerem Gerät und hat den Uferbewuchs untergemulcht. Eine schlammige Fläche aus Erde, Laub und Holzstücken breitet sich aus.

Thomas Bamann greift im Mulch nach einem fauligen Ast und hebt ihn hoch. Darunter wimmelt es. Er nimmt eine Handvoll Molche heraus, kleine zierliche Bergmolche krabbeln, ein Fadenmolch ist darunter mit dem charakteristischen Faden an der Schwanzspitze, ein Kammmolch ist heute nicht dabei. Dennoch: wenn man sieht, wie sich die Tiere mit ihren kleinen Pfötchen in die Fingerkuppen krallen, dann kann man die Faszination der beiden Naturschützer verstehen. Sie setzten die Tiere ins Wasser, wo sie ohnehin bald aus ihren Winterquartieren eingewandert wären. Bamann hat Biologie in Hohenheim studiert und ist auf Artenschutz spezialisiert. Schall hat den Nabu-Posten von seinem Vater geerbt. Jetzt sitzen die Beiden an einem Wetterhäuschen auf der Bank, gönnen sich ein Feierabend-Bier und sprechen über die vermaledeiten Goldfische. Vielleicht können sie das Biotop Neuweiler Grubenhau doch noch retten, wenn sie in zwei Jahren den Teich erneut abpumpen. Ob die Feuerwehr mitmacht, das wissen sie nicht. Aber klar ist, aufgeben werden sie nicht.




Unsere Empfehlung für Sie