Seltenes Jubiläum Weil im Schönbucher wird 100 Jahre alt

Gerhard Till ist auch mit 100 Jahren voller Lebensmut und immer interessiert am aktuellen Weltgeschehen. Foto: Holger Schmidt
Gerhard Till ist auch mit 100 Jahren voller Lebensmut und immer interessiert am aktuellen Weltgeschehen. Foto: Holger Schmidt

Heute feiert der Weil im Schönbucher Gerhard Till seinen 100. Geburtstag.

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Weil im Schönbuch - „Ich wundere mich, dass ich das geschafft habe“, staunt Gerhard Till. Denn heute macht der am 6. Mai 1921 im damals deutschen Sudetenland geborene Weil im Schönbucher die 100 Jahre voll. Ihm gratuliert von ganzem Herzen nicht nur das Personal im Pflegeheim „Haus Martinus“, wo er seit drei Jahren wohnt und bestens versorgt ist, sondern auch die große Familie mit vier Kindern, acht Enkeln und fünf Urenkeln.

„Ich hab im Leben so viel Glück gehabt“, ist der Jubilar dankbar, das hohe runde Wiegenfest bei vor allem guter geistiger Gesundheit zu erreichen. „Man muss immer am Ball bleiben“, verrät er das Rezept dafür und erzählt, dass er trotz dem altersbedingten notwendigen Rollstuhl regelmäßig an der gemeinsamen Gymnastik im „Haus Martinus“ teilnimmt. Diese körperliche Fitness half ihm wohl auch dabei, im Dezember vergangenen Jahres eine Coronainfektion symptomfrei zu überstehen.

Sein Leben hing im Jahr 1945 am seidenen Faden

Am seidenen Faden hing sein Leben dagegen im Frühjahr 1945. Der junge Mann, der eigentlich Förster werden wollte und dann die elterliche Landwirtschaft übernehmen sollte, hatte sich im Zweiten Weltkrieg nämlich freiwillig zur Luftwaffe gemeldet. Als Pilot einer Heinkel He 111 geriet er in den letzten Kriegswochen in feindliches Feuer, wurde über den Seelower Höhen westlich der Oder abgeschossen und konnte sich schwer verwundet nur mit allerletzter Kraft zum eigenen Verbandsplatz durchschlagen. Ein Granatsplitter in der Lunge erinnert ihn seitdem daran, wie vergänglich alles irdische Dasein doch ist.

Mit dem Lazarettzug gelangte Gerhard Till schließlich 1945 nach Weil im Schönbuch, wohin schon seine Eltern geflüchtet waren. Nach seiner Arbeit im amerikanischen Panzerreparaturwerk auf dem heutigen Flugfeld fand er Anstellung beim Sindelfinger Autobauer Daimler, wo er bis zur Rente tätig war. 1954 heiratete er seine Frau Hildegard, eine echte Weilemerin, mit der er bis zu ihrem Tod 2019 fast 65 Jahre zusammen war. 1954, 1955, 1961 und 1970 wurden die vier Kinder Martin, Gudrun, Joachim und Nachzügler Markus geboren. Heute gehören zudem acht Enkelkinder und fünf Urenkel zur groß gewordenen Familie und ein sechstes Urenkelkind ist bereits unterwegs.

In seiner Freizeit spielte Gerhard Till beim TC Weil im Schönbuch Tennis und ging noch als über 90-Jähriger regelmäßig in die Böblinger Mineraltherme. Seine eigentliche Lebensaufgabe neben Arbeit und Familie aber war der eigene 20 Ar messende Garten, in dem er täglich ein bis zwei Stunden verbrachte und alles was ging, an Gemüse herausholte. „Alles Bio“, meint seine Tochter schmunzelnd. Erst nach dem Tod seiner Frau zog er endgültig ins „Haus Martinus“ um. „Ich bin hier gut versorgt“, sagt er strahlend bei Sonnenschein im Garten, „die Anlage ist sehr schön.“ Seine Wünsche zum 100. Geburtstag? „Einen ganz normalen Tag“, meint er nur.




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