Mit einem Kunstprojekt unter dem Motto „Nationen stricken sich zusammen“ will der Ausländerbeirat von Weinstadt das Zusammengehörigkeitsgefühl in der Stadt stärken, auch zwischen den einzelnen Teilorten.

Weinstadt - Eine bestrickende Idee hat Ulrike Eichenhofer, um den Internationalen Stricktreff in Weinstadt bekannt zu machen. Eichenhofer leitet das neue Projekt des Ausländerbeirates der Stadt, das Einwohner – gleich, welcher Nationalität und aus welchem Teilort sie sind – näher zusammenrücken lassen soll. Zu dessen Start umgarnt die gebürtige Lorcherin, die viele Jahre in Südafrika gelebt hat, ihre neue Wahlheimatstadt, in die sie vergangenen Dezember gezogen ist. Mit dem Oberbürgermeister Jürgen Oswald ist ihr das schon gelungen. So darf mit Erlaubnis der Verwaltung in den kommenden Monaten der öffentliche Raum eingestrickt werden.

Guerilla-Stricker machen auch vor Panzern nicht halt

Urban Knitting oder Guerilla Knitting heißt der Trend, der in zahlreichen deutschen Städten und internationalen Metropolen, wie etwa London und Washington, bereits verbreitet ist und den Eichenhofer nun nach Weinstadt importiert. Wie die Projektleiterin auf Fotos zeigt, kann auf diese Weise so gut wie alles mit einem Strickkleid überzogen werden – egal ob Bäume, Hydranten, Parkbänke, Poller, Telefonzellen oder Skulpturen. Mal geschieht es einfach nur zu Verschönerungszwecken, mal als politische Aussage, wenn beispielsweise Guerilla-Stricker einem Panzer einen rosaroten Überwurf verpassen.

Doch eigentlich ist es egal, was ein Strickkleidchen trägt, eines bewirkt der Anblick immer: Man muss schmunzeln. So sei es ihr auch gegangen, als sie das erste Mal auf Strickkunst im öffentlichen Raum gestoßen sei. „Das war vor einigen Jahren in Berlin. Dort war ein Brückengeländer bestrickt. Das fand ich einfach irre“, erzählt Eichenhofer. Damals sei so etwas noch wenig geschätzt worden. Es habe kaum einen Tag gedauert, schon sei die Strickkunst wieder entfernt gewesen. Den Weinstädter Wollwerken soll es nicht so ergehen. Bis zur Kirbe im Oktober soll eines um das andere plötzlich über Nacht im öffentlichen Raum auftauchen und die Strickereien gemeinsam eine Art Ausstellung bilden. Diese darf dann noch zwei bis drei Wochen in ihrer vollen Pracht bestaunt werden, bevor sie abgehängt wird.

Anstoß für eine interkulturelle Kommunikation

Aber die bunten Strickleibchen sollen nicht nur Passanten lächeln lassen. „Wir als Ausländerbeirat wollen damit eine interkulturelle Kommunikation bewirken“, sagt die Vorsitzende Hülya Seckin, „und wie geht das besser als über Kunst?“ Die Ausrede „ich kann nicht stricken“ lassen die Macherinnen übrigens nicht gelten. „Wer es nicht kann, der häkelt oder wir zeigen es ihm“, sagt Ulrike Eichenhofer.

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