Nach drei Jahren coronabedingter Pause boten die Winzer aus der Weiler Partnerstadt Riquewihrer ihre Tropfen an, von Gewürztraminer über Crémant bis Pinot Noir.

„Zwar feiern wir heute nicht zum 25. Mal die Weintage mit unseren Freunden aus der Partnerstadt, die 1998 zum ersten Mal stattfanden, aber dennoch ist in diesem Jahr ihr 25. Jubiläum“, sagt Bürgermeister Christian Walter in der gemeinsamen Begrüßung mit dem stellvertretenden Bürgermeister Vincent Scherrer aus Riquewihr. Für den Schultes der Keplerstadt sind es die ersten deutsch-französischen Weintage, ein gelungener Kultur- und Weinaustausch, wie er betont. Denn neben dem Wein sind es die vielfältigen Beziehungen zwischen den beiden Städten, die dieses Wochenende prägen.

 

Von Gewürztraminer bis Pinot Noir

Bereits vor der Festhalle bewegen sich die beiden Länderflaggen von Deutschland und Frankreich stetig im Abendwind. Am Eingang zur Halle begrüßen die Elsässer ihre Gäste mit den Worten „Bonjour, chers amis“, hallo liebe Freunde. Es gibt nur noch wenige freie Plätze und an den Tischen wird geredet, gelacht, getrunken und gegessen. Auch Gugelhupf, den traditionellen Sauerteigkuchen mit Rosinen und Mandeln, oft verfeinert mit einem Schuss Gewürztraminer, haben die Franzosen mitgebracht. Unter die Weinliebhaber, die schon jahrelang zur Veranstaltung kommen, mischen sich auch einige Jüngere, die den Wein aus dem Elsass probieren wollen.

Sechs Winzer bieten zwei Tage lang ihre Weine an, darunter Crémant, Riesling, Gewürztraminer und Pinot Noir, einer der wenigen Rotweine, die zum Verkosten angeboten werden. Wer am Eingang ein Probierglas für zwei Euro erwirbt, kann damit von Stand zu Stand gehen und nach einem Probeschluck entscheiden, ob er gleich einen der Grands Crus nimmt, von dem 0,1 Liter einen Euro mehr kosten.

Grands Crus zeichnen sich durch die Eigenschaften des besonderen Mikroklimas aus, in denen sie wachsen. Um die charakteristische Besonderheit dieser Lagen zu schützen gelten für sie strenge Regelungen und Vorschriften. Neben großen Winzerbetrieben, wie dem Weingut Dopff, das gleich den ersten Stand neben dem Eingang hat, gibt es auch kleinere Winzer, die bereits viele Jahre nach Weil der Stadt kommen.

Der erste Crémant wurde in Riquewihr hergestellt

Das Familienanwesen Dopff liegt auch in Riquewihr am Ortseingang und wird bereits von der 13. Generation geführt. Betty, die heute gemeinsam mit einem Kollegen den Stand betreut, erzählt, dass die Familie seit 1574 vom Wein lebt und Anfang 1900 den ersten Crémant im Elsass hergestellt hat, abgeleitet vom Verfahren der Flaschengärung aus der Champagne. So gibt es am Stand gleich sieben verschiedene Crémants zu probieren, wobei der Wild Brut besonders angenehm durch den Gaumen perlt.

Zahlreiche Hektar weniger hat das Weingut Bernhard Bronner, wo Daniel Rentz beim Ausschenken hilft. Der Winzer hat fast von Anfang an die Riquewihrer Weintage erlebt. Heute schenkt er allerdings nicht seinen eigenen Wein aus, denn er verkauft inzwischen seine Trauben an größere Weingüter oder an Genossenschaften. „Die Weintage sind immer etwas Besonderes. Ich komme fünf, sechsmal pro Jahr nach Weil der Stadt“, erklärt der Elsässer, weniger wegen des Weins als vielmehr zu Besuch bei Freunden. Seit Jahren pflegt er eine innige Freundschaft mit dem Vorstand des Angelsportvereins Weil der Stadt, der am Tisch in unmittelbarer Nähe des Probierstandes sitzt und immer wieder mit dem Winzer plaudert.

„In den ersten Jahren haben wir meist bei Weil der Städter Familien übernachtet, denn es gab wenig Hotels“, erinnert er sich zurück. Schön sei auch gewesen, dass immer die Freundschaft im Vordergrund gestanden hat - gelebt und gefeiert – passend zum diesjährigen Jubiläum des Deutsch-Französischen Freundschaftsvertrags, aber doch auch basierend auf dem Wein-Event, den der ehemalige Bürgermeister Hans-Josef Straub vor einem Vierteljahrhundert ins Leben gerufen hat.