Weissach Breite Front gegen große Staudämme

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Einstimmig hat der Gemeinderat die Pläne des Zweckverbandes verworfen, in Weissach ein großes Staubecken mit 28 000 Kubikmeter Wasser im Strudelbachtal zu bauen. Eine große Protestbewegung hat sich in der Gemeinde gebildet.

So schön ist das Strudelbachtal zwischen Weissach und Flacht – viele wollen hier keinen Staudamm sehen. Foto: factum/Bach
So schön ist das Strudelbachtal zwischen Weissach und Flacht – viele wollen hier keinen Staudamm sehen. Foto: factum/Bach

Weissach - Auf kaum ein Thema ist Andreas Pröllochs in den vergangenen Wochen so oft angesprochen worden, wie auf den großen Hochwasserdamm zwischen Weissach und Flacht. „Ich nehme mir beim Einkaufen inzwischen immer eine halbe Stunde mehr Zeit“, erzählt der Fraktionschef der Bürgerliste im Gemeinderat. Kein Wunder, der Unmut in der Gemeinde ist groß, vor allem seit die Holzgerüste im Strudelbachtal allen vor Augen führen, was geplant ist.

Und so hat sich die Stimmung in Weissach gedreht. Das ist unverkennbar am Montagabend im Gemeinderat. Gut 30 Zuschauer sind in der Sitzung. Sie spenden allen Beifall, die sich gegen den sieben Meter hohen Staudamm aussprechen. Allen voran Andreas Pröllochs, der mit Hilfe des Bürgerlisten-Rates Tobias Zipperlein ein detailliertes Gegenkonzept ausgearbeitet hat (siehe Grafik unten). „Wir wollen alles dran setzen, diese massiven Bauwerke zu verhindern“, erklärt Pröllochs.

Seine Kernthese: Hochwasser in Weissach entsteht nicht, weil der Strudelbach überläuft. Sondern vor allem, weil viel Wasser von Porsche aus dem Gewann Fahrnet in die Ortsmitte kommt und dann der Kanal überlastet ist. Daher hat die Bürgerliste sich sieben Stellen ausgesucht, wo Feldwege zu kleinen Dämmen werden könnten. Oder wo sanfte Vorhaben wie Mulden oder kleine Dämme das Wasser aufnehmen.

Auch der Vorschlag der Lokalen Agenda wurde aufgegriffen, einen dauerhaften See zwischen Weissach und Flacht zu schaffen. „Uns geht es nicht um Blockade“, betont Pröllochs, „wir wollen das Wasser durch verschiedene kleine Maßnahmen so reduzieren, dass es zeitversetzt abfließt.“

Inzwischen ist sogar eine Unterschriftenaktion im Ort angelaufen. Pröllochs war offenbar wirklich viel unterwegs. So ist er alle sieben Stellen mit Landwirten abgefahren und hat mit ihnen gesprochen. „Es gab natürlich anfangs Distanz, weil es um bewirtschaftete Flächen geht“, erklärt der Fraktionschef der Bürgerliste. Daher müsse man über faire Entschädigungen nachdenken, wenn die Ernte ausfallen würde.

Im Gemeinderat findet Pröllochs einhellig Zustimmung. „Eine sehr gute Ausarbeitung, die von uns in allen Bereichen unterstützt wird“, erklärt etwa Volker Kühnemann, der Fraktionschef der Freien Wähler. Zwar könne der Widerstand aus Weissach gegen den Damm die Planungen verzögern. Doch es sei schon so viele Jahre nichts passiert, da komme es auf eines oder zwei weitere nicht so an.

Auch Horst Klink (Unabhängige Liste) betont: „Warum sollten wir das Wasser des Strudelbachs stauen, wo doch das viele Wasser vom Fahrnet kommt?“ Man wolle sich gegen den Zweckverband Strudelbachtal, dem neben Weissach auch Vaihingen/Enz und Eberdingen angehören, auf die Hinterfüße stellen. Gerhard Mann, der Sprecher der Unabhängigen Liste, schlägt gar vor, einen eigenen Kanal am Ort vorbei zu bauen, damit das Wasser nicht in die Weissacher Ortsmitte kommt.

Andreas Pröllochs gibt dagegen allerdings zu bedenken: „Wir müssen auch Eberdingen Entlastung anbieten. Wenn das Wasser nur an Weissach vorbei fließt, kommt es trotzdem in Eberdingen an.“

Etwas Wasser in die Suppe kippt dann der Planer Rüdiger Koch, der für den Zweckverband das Hochwasser-Konzept entwickelt hat – inklusive der Staudämme.

„Wir brauchen 28 000 Kubikmeter Volumen“, betont er, „das wird schwierig.“ Das meiste Wasser komme von Flacht, nur ein kleiner Teil vom Porsche-Zentrum. Ein paar Feldwege anzuheben reiche nicht.

Sein Büro hat auch Alternativen geplant, etwa das Becken direkt vor die Strudelbachhalle zu stellen. Doch es gebe an vielen Stellen Schutzgebiete.

Karl Schäfer (Freie Wähler) widerspricht: „Die Praxis sagt uns etwas ganz anderes. Diese Bauwerke wird es nicht geben, so lange dieser Gemeinderat da ist.“ Beifall gibt es dafür, auch für Horst Klink, der die Modellrechnungen des Planers anzweifelt: „Sie können viel erzählen“, sagt er in Richtung Rüdiger Koch, „aber Sie müssen die Befürchtungen der Bürger ernst nehmen.“

Der Bürgermeister Daniel Töpfer hält sich in der Debatte weitgehend bedeckt. Nur zu einem Punkt nimmt er Stellung: ein mögliches zweites Staubecken bei der Weissacher Ölmühle werde nicht kommen, das habe auch sein Kollege und Verbandsvorsitzender Gerd Maisch betont.

Einstimmig verabschiedet der Gemeinderat daher das Gegenkonzept der Bürgerliste – und schreibt extra noch in die Sitzungsvorlage herein, dass die beiden Staudämme in Weissach abgelehnt werden.

Und die Räte gehen noch einen Schritt weiter: Entgegen dem ausdrücklichen Rat von Daniel Töpfer und FWV-Sprecher Volker Kühnemann, die beide in der Verbandsversammlung als Weissacher Vertreter sitzen, lehnen sie die Landschaftsplanung für das Staubecken in Weissach ab. „Wir müssen hier ein Zeichen setzen“, betont Gerhard Mann von der Unabhängigen Liste.

Das wird gesetzt. Auf den Bürgermeister Daniel Töpfer, der künftig auch Vize-Verbandschef ist, kommen jetzt schwierige Verhandlungen mit seinen Kollegen aus Eberdingen und Vaihingen zu.