Weissach Ein Antreiber und Netzwerker

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Wolfgang Gohl gilt als die graue Eminenz der Kommunalpolitik. In 40 Jahren im Gemeinderat hat er viel erreicht, ist aber auch umstritten. Bald wird er 70 – Zeit für ein ausführliches Porträt über den Träger der Bürgermedaille.

  Foto: factum/Bach
  Foto: factum/Bach

Weissach - Da steht er nun auf seinem Balkon über den Dächern von Flacht. Wolfgang Gohl wird im März 70 Jahre alt, fast sein ganzes Leben hat er in Flacht verbracht. Wenn er auf den Ort schaut, kann er einige seiner Projekte erblicken: Das Otto-Mörike-Stift etwa oder das Marktzentrum mit Edeka und Ärztehaus. Nach fast 40 Jahren im Gemeinderat hat sich Gohl 2014 zurückgezogen – als Vorsitzender der Freien Wähler gilt er aber immer noch als graue Eminenz.

Der 69-Jährige war immer ein Macher, der Dinge vorangetrieben und seine Netzwerke gepflegt hat. Manches war und ist umstritten, mit der früheren Bürgermeisterin Ursula Kreutel hat er sich sogar einen veritablen Machtkampf geliefert. Unbestritten ist aber, dass Wolfgang Gohl in Flacht und Weissach vieles ermöglicht hat, was in anderen Orten vergleichbarer Größe so nicht denkbar gewesen wäre.

Geboren ist Wolfgang Gohl 1946 in Stuttgart-Möhringen, seine Großmutter mütterlicherseits kam aber aus Weissach. Mit 14 Jahren zogen er und seine Familie wieder in die Heimat, genauer gesagt nach Flacht. 1966 hat er auf dem Albert-Schweitzer-Gymnasium in Leonberg Abitur gemacht, war im CVJM engagiert, hat Fußball gespielt. „Man muss immer dabei sein“, sagt er nun als bald dreifacher Großvater schmunzelnd in seinem Flachter Haus. Ein Motto, das gut sinnbildlich für sein Leben stehen könnte.

Er studierte Agrarökonomie und begann dann eine Karriere im Württembergischen Genossenschaftsverband, der die Raiffeisenbanken und Warengemeinschaften der Landwirte prüfte und beriet.

Ein wichtiger Posten war der als Geschäftsführer der Axel-Frischmilch-Werbung. „Ich habe die Marke entwickelt und vorangebracht“, sagt Gohl nicht ohne Stolz. Der Fix-und-Foxi-Zeichner Rolf Kauka entwarf das sympathische Comic-Rind, über Funk und Fernsehen wurde die Milch in Schläuchen und Tetrapaks propagiert. Bis heute ist der Flachter übrigens Manager der Marketingkampagne.

Doch eine Aufgabe war auch, die zahlungsunfähigen Milchwerke Ludwigsburg zu liquidieren. „Das war viel Arbeit und menschlich schwierig“, erinnert er sich. Zahlreiche Bauern hatten viel Geld in das Milchwerk investiert – und viel Herzblut. Anschließend wurde er geschäftsführender Vorstand der Milchzentrale Nordbaden in Mannheim, und Vorstand der Intermilch. Der Strukturwandel der Branche forderte weiteren Tribut, 1996 stieg Gohl aus und machte sich als Projekt-Steuerer und Immobilienverwalter selbstständig.

Und nun beginnt ein gleichsam erfolgreiches wie umstrittenes Kapitel, das auch mit seinem kommunalpolitischen Engagement zusammenhängt. Seit 1975 saß Gohl im Gemeinderat, war 15 Jahre Vize-Bürgermeister, gründete 1986 den Ortsverband der Freien Wähler und war 30 Jahre lang auch deren Fraktionschef. Als in Weissach unter Bürgermeister Roland Portmann die Porsche-Millionen flossen, ergriff er die Chance, als Projekt-Steuerer viele Großprojekte zu managen, die beiden Seniorenheime zu bauen und gab den Anstoß, die kommunale Wohnungsbaugenossenschaft Kommbau zu gründen, die Bauprojekte für die Gemeinde erledigt hat.

Die Kritiker im Gemeinderat und später auch das Landratsamt und die Gemeindeprüfungsanstalt haben vor allem die Auftragsvergaben der Kommbau gerügt und Verstöße gegen die Landesbauordnung erkannt, der Vorwurf der Mauschelei stand im Raum. Gohl hält das Verfahren auch heute noch für korrekt: „Es war alles zum Wohl der Gemeinde.“ Bei den Bauvergaben habe man über die Kommbau nachverhandeln können: „Dadurch wurden die Projekte günstiger und wir haben Skonto bekommen.“ Auch heute kann Gohl daran nichts Unrechtes erkennen, auch wenn häufig heimische Baufirmen zum Zug kamen und die Behörden diese Praxis immer wieder als unzulässig moniert haben.

Nicht umstritten war hingegen ein anderes Großprojekt: das Marktzentrum in Flacht. Ende der 90er-Jahre wollte man einen Supermarkt im Ort haben – doch Lebensmittelketten wie Edeka und Spar verlangen viel Fläche. „Die gab es aber nicht“, sagt Gohl. Er hat die Grundstückseigner vereint und am Ortsausgang im Jahr 2000 einen Edeka-Markt angesiedelt, dazu kamen das Ärztehaus und ein Getränkemarkt – ein Dienstleistungszentrum entstand.

So hat Wolfgang Gohl in seinem politischen Leben viele Schlachten geschlagen. Die erste Ende der 60er-Jahre, als die Landesregierung zwischen Weissach und Mönsheim einen Großflughafen ansiedeln wollte. Später engagierte sich Gohl, der Weissacher Eltern und seit 1970 eine Flachter Ehefrau hat, für den Zusammenschluss der beiden Ortschaften. „Nur eine Lösung des Verkehrsproblems für Porsche habe ich nicht erreicht“, räumt er ein.

Viele Bürgermeister hat Gohl kommen und gehen sehen, mit Ursula Kreutel konnte oder wollte er am Ende nicht mehr zusammenarbeiten. Mit dem aktuellen Amtsinhaber Daniel Töpfer ist er zufrieden: „Er arbeitet die Dinge auf.“

Aus der ersten Reihe hat sich Gohl zurückgezogen. Die beiden Kinder sind 40 und 37 Jahre alt, zwei Enkel gibt es bereits, ein drittes ist im Anmarsch. So kann sich der 69-Jährige seinen Hobbys widmen – Skifahren, Tennis, Camping am Bodensee, und der Imkerei. Aber so ganz raushalten wird er sich wohl nicht – mit Wolfgang Gohl ist immer noch zu rechnen.




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