Weisser Büffel in Wangen Als Cowboy heißt er Rio

Präsident Dieter Rinker (zweiter von links) gründete den Country Club Weisser Büffel 2003 mit 17 anderen Western-Fans. Foto: privat
Präsident Dieter Rinker (zweiter von links) gründete den Country Club Weisser Büffel 2003 mit 17 anderen Western-Fans. Foto: privat

Der Country Club Weisser Büffel bringtden Wilden Westen nach Wangen. Die Mitglieder leben in ihrer Freizeit wie im Amerika vor 200 Jahren.

Bad Cannstatt: Maira Schmidt (mai)
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Wangen - Wildschweinfelle zieren die Wände. An der Decke baumelt ein überdimensionaler Westernhut. Und neben einer beachtlichen Whiskey-Sammlung lächeln einen Cowboys und Indianer von zahlreichen Fotos an. Der Keller von Dieter Rinker gleicht einem Museum für amerikanische Heimatkunde. Der 68-jährige Dachdecker mit eigenem Betrieb hat die untere Etage seines Hauses zum Clubraum umfunktioniert.

Wenn die Mitglieder des Wangener Country Clubs Weisser Büffel nicht gerade in ihrer Stammkneipe, dem „Ulmer Spatz“, sind, treffen sie sich im Keller ihres Präsidenten. Als „Hobbyisten“ bezeichnen sich die rund 90 Western-Fans. In ihrer Freizeit leben sie wie die europäischen Auswanderer, die es zu Beginn des 19. Jahrhunderts in die Vereinigten Staaten verschlug. Sie tragen traditionelle Kleider, haben Planwagen und Pferde.

Rund 1000 Euro kostet die Ausrüstung

Ein Mitglied, Johannes Botz, hat sogar eine Ranch, die er dem Club zur Verfügung stellt. Westernwander-Reitschule heißt sie und liegt in Mühlhausen. Zehn Pferde und ein Esel sind dort untergebracht. Bei Volksfesten oder Faschingsumzügen kann man die Weissen Büffel in ihren Western-Outfits bewundern. Jeans sind nicht erlaubt, alles muss echt „old style“ sein, eben wie im Amerika vor 200 Jahren. Rund 1000 Euro lassen sich die Western-Fans ihre möglichst authentische Ausrüstung kosten.

Ein paar Mal im Jahr reist der Verein in ein Westernlager, mal geht es nach Sersheim, mal nach Freiburg oder in die Westernstadt Pullman-City im Bayerischen Wald. Ein Urlaub der etwas anderen Art: Denn statt Luxus und Verwöhnprogramm gibt es im Lager strenge Regeln. Auf die Annehmlichkeiten der modernen Welt müssen die Western-Fans dort verzichten.

Oft gibt es weder fließendes Wasser noch Strom. Geschlafen wird auf dem Boden und zum Waschen geht es einmal in der Woche in den Zuber. Das Chili con Carne wird über dem offenen Feuer gegart und von Metall-Tellern gegessen. Statt Animationsprogramm können sich die Besucher die historisch detailgetreu nachgestellten Kämpfe zwischen den Nord- und Südstaatlern anschauen. „Authentischer geht es nicht mehr“, sagt Rinker, der in seinem Cowboy-Leben nicht Dieter, sondern Rio heißt.

Trotzdem blickt der Verein auf eine lange Geschichte zurück

Kein Fernseher, kein Handy, das ist für Vereins-Vize Günther Dautel Erholung pur. Im Westernlager gehe es zu wie in einer großen Familie. Ob Handwerker, Architekt oder Zahnarzt, „dort sind alle gleich.“ Kleinere kulturelle Besonderheiten gibt es natürlich trotzdem. Präsident Rinker erzählt von einem Indianer, der über dem Feuer in seinem Tipi Schweinebraten mit Knödeln und Blattkraut köchelte. So ganz konnte der gebürtige Bayer dann doch nicht auf die Traditionen seiner modernen Heimat verzichten.

Obwohl den „Hobbyisten“ im Lager einiges abverlangt wird, sie auf viele Annehmlichkeiten verzichten müssen und diese Freizeitbeschäftigung nicht unbedingt ein günstiges Hobby ist, mangelt es dem Country Club im Gegensatz zu vielen anderen Vereinen nicht an neuen Mitgliedern. Im Gegenteil: „Wir nehmen nicht jeden“, sagt Rinker.

Wer bei ihnen mitmachen wolle, müsse sich zunächst etwa ein halbes Jahr lang bewähren. Bei Veranstaltungen und Ausflügen müssten potenzielle Mitglieder zeigen, dass es ihnen mit dem Western-Leben ernst ist. „Ohne Überzeugung geht das nicht“, sagt Präsident Rinker, der den Country Club Weisser Büffel erst im Jahr 2003 zusammen mit 17 anderen Western-Fans gegründet hat.

Trotzdem blickt der Verein auf eine lange Geschichte zurück. „1959 haben wir den Elvis-Club gegründet, daraus hat sich der Country Club entwickelt“, erzählt der 68-Jährige. Viele wüssten nicht, dass der King of Rock’n’Roll zu Beginn seiner erfolgreichen Karriere Country-Songs gesungen habe. Ein Blick ins Nachbarzimmer beweist, dass Rinker keine halben Sachen macht. Während der erste Kellerraum an ein Museum für amerikanische Heimatkunde erinnert, wurden hier die Wände mit Elvis-Bildern tapeziert.

Country Club Weisser Büffel

Anschrift Süßener Straße 36, 70327 Stuttgart

Telefon 0711/420 000

Mail info@weisser-büffel.de

Homepage www.weisser-büffel.de

Vorsitzender Dieter Rinker Gründungsjahr 2003 Mitgliederzahl 90

Mehr Informationen finden Sie auf der Homepage der Stadt Stuttgart.

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