Weiter kein Golf und Tennis in Baden-Württemberg Die Einzelsportler im Südwesten müssen sich gedulden

Von Tim Wohlbold 

In den ersten Bundesländern dürfen Tennis-, Golf- und Reitvereine in den kommenden Tagen und Wochen ihre Tore wieder öffnen. In Baden-Württemberg ist das vorerst noch keine Option.

Die Golfclubs in Baden-Württemberg dürfen vorerst noch nicht wieder öffnen. Foto: imago/Ulmer
Die Golfclubs in Baden-Württemberg dürfen vorerst noch nicht wieder öffnen. Foto: imago/Ulmer

Stuttgart - Als im Zuge der ersten Lockerungsmaßnahmen des Coronavirus-Lockdowns am Mittwoch der Freizeitsport kein Thema war, zeigten sich viele Hobby- und Breitensportler enttäuscht. Insbesondere in Sportarten wie Tennis, Golf, Reiten und diversen Wassersportarten hatte man auf Lockerungen des Sportstättenverbots gehofft. Denn während nach und nach Ausnahmen für den Spitzen- und Profisport umgesetzt wurden, sind die Sportanlagen für Breitensportler weiterhin gesperrt. An Trainings- oder gar Spielbetrieb ist seit Wochen nicht zu denken – alles, um die weitere Verbreitung des Coronavirus einzudämmen.

Erste Bundesländer lockern die Maßnahmen

Am Freitag dann ein Hoffnungsschimmer für die Einzelsportler. Erste Bundesländer wie Rheinland-Pfalz und Mecklenburg-Vorpommern reagierten auf die sich verbesserten Infektionszahlen und erlauben ab kommenden Montag wieder die Benutzung der Sportanlagen im Rudern, Segeln, Tennis, Luftsport, Leichtathletik, Golf oder Reiten – auch und gerade im Breitensportbereich.

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In Schleswig-Holstein wird Outdoor-Sport mit wenigen Akteuren ab dem 4. Mai wieder erlaubt. Tennis, Golf, Reiten und Wassersport sollen dann wieder möglich sein. „Das Infektionsgeschehen darf sich nicht wieder beschleunigen. Das bleibt unser oberstes Ziel“, sagte die schleswig-holsteinische Finanzministerin Monika Heinold. Die Grünen-Politikerin ist positiv gestimmt: „Wenn wir mit den Lockerungen sorgsam umgehen, kann es funktionieren.“

Sportministerin Eisenmann hält sich bedeckt

In Baden-Württemberg ist derweil von solch konkreten Plänen noch nichts zu hören. Bis mindestens 4. Mai bleibt das Betreiben von Sportstätten untersagt. Sportministerin Susanne Eisenmann sagte auf Anfrage unserer Zeitung: „Wir fahren das öffentliche Leben nur langsam, schrittweise und unter strengen Abstands- und Hygienevorgaben im Sinne des Infektionsschutzes wieder hoch.“ Schließlich gehe es darum, „eine neue, zu schnelle Infektionswelle zu verhindern“. Eine konkrete Perspektive für die Einzelsportarten wollte die CDU-Politikerin noch nicht garantieren, sagte aber: „Für die Zeit ab dem 4. Mai haben wir die Individualsportarten im Freien natürlich im Blick und erarbeiten Perspektiven in diesem Bereich.“

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Beim Baden-Württembergischen Golfverband (BWGV) zeigte man sich enttäuscht ob der Aussage der Ministerin. „Wir hatten auf eine Lockerung des Verbots oder zumindest auf eine klare Perspektive gehofft“, sagte BWGV-Geschäftsführer Rainer Gehring. Er sei sich sicher, dass auch die Golfclubs im Südwesten die Hygiene-Maßnahmen einhalten könnten und äußerte kein Verständnis dafür, dass die hiesige Landesregierungen dieses Vertrauen offenbar nicht habe.

Ärger und Unverständnis beim Golfverband

Zuvor hatte bereits der Präsident des Deutschen Golfverbandes (DGV) Claus M. Cobold von „Unverständnis und großer Enttäuschung“ gesprochen, dass die Bundesregierung keine Ausnahmen bei Sportarten wie Tennis, Golf oder Reiten machen wollte.

Der Deutsche Tennis-Bund (DTB) wirbt für eine Öffnung der Tennisplätze im ganzen Bundesgebiet. In einem öffentlichen Schreiben des Verbandes heißt es: „Tennis kann, gerade in der jetzigen Jahreszeit, als Individualsport im Freien ausgeübt werden. Eine Kontaminierung durch das Spielgerät ist nicht möglich.“ Zudem warnte der Dachverband, dass eine längerfristige Sperrung der Tennisplätze „gewachsene Strukturen zerstören und die Existenz vieler Vereine in Frage stellen“ würde. Sowohl der Württembergische Tennis-Bund als auch der Badische Tennisverband unterstützten zuvor die Forderungen ihres Dachverbandes auf eine baldige bundesweite Lockerung.

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Farshid Shami, Landestrainer beim Schwimmverband Württemberg, ärgert sich über den Regel-Flickenteppich in Deutschland: „Auch im Sinne der Wettbewerbsgleichheit sollten die Verbote in Baden-Württemberg umgehend gelockert werden.“

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