Weiter Streit um Roman Polanski Debatte um César-Nominierungen für „J’accuse“

Von red/dpa 

„J’accuse“ scheint ein gelungener Film zu sein. Gleich zwölffach ist er für den César nominiert, für Frankreichs wichtigsten Filmpreis. Aber der Regisseur ist Roman Polanski. Und gegen den gibt es Vergewaltigungsvorwürfe.

Immer wieder kommt es in Frankreich zu Protesten gegen Roman Polanski. Die César-Nominierungen   heizen den Streit weiter an. Foto: AFP/Christophe Archambault
Immer wieder kommt es in Frankreich zu Protesten gegen Roman Polanski. Die César-Nominierungen heizen den Streit weiter an. Foto: AFP/Christophe Archambault

Paris - Versprecher oder Absicht? Gleich zwölf Mal ist Roman Polanskis „J’accuse“ für den begehrten französischen César-Filmpreis nominiert worden. Als Komikerin Florence Foresti am Mittwoch die Nominierungen für Bestes adaptiertes Drehbuch vorlas, sagte sie „Roman Polanski pour „Je suis accusé““, was im Deutschen so viel heißt wie: „Roman Polanski für „Ich bin beschuldigt“.“ Foresti korrigierte sich schnell - der Versprecher, der möglicherweise gar keiner war, schlug jedoch große Wellen.

Denn Mitte November war es bei einer Premiere des Polanski-Films in Paris zu Protesten gekommen. Nach neuen Vergewaltigungsvorwürfen gegen den polnisch-französischen Regisseur blockierten mehrere Frauen den Zugang zu einem Kino. Die Fotografin und Schauspielerin Valentine Monnier hatte Polanski in einem Medienbericht beschuldigt, sie 1975 vergewaltigt zu haben. Polanskis Anwalt wies das zurück.

Heftige Reaktionen

Roman Polanskis Film handelt von dem Offizier Alfred Dreyfus, der 1894 in Paris zu Unrecht wegen angeblichen Landesverrats verurteilt wurde. Die Dreyfus-Affäre war einer der größten Justizirrtümer Frankreichs.

Die Nominierung des Films hat in Frankreich unter anderem im Netz heftige Reaktionen ausgelöst. Der Präsident der Académie des César, Alain Terzian, betonte, dass die Césars kein Gremium seien, das moralische Positionen einnehmen sollte. In Frankreich hatte es in den vergangenen Wochen immer wieder Missbrauchsvorwürfe gegen verschiedene Künstler gegeben - eine neue Metoo-Debatte wurde angestoßen.

Die Politik greift nicht ein

Kulturminister Franck Riester betonte, dass die César-Akademie in ihren Entscheidungen frei sei. „Es ist nicht meine Aufgabe, in das Nominierungsverfahren einzugreifen“, hieß es in einer Mitteilung. Er werde die Freiheit der Schöpfung mit der gleichen Entschlossenheit verteidigen, wie er alle Formen sexueller Gewalt bekämpfe, so Riester. Talent sei kein mildernder Umstand.

„J’accuse“ steht in diesem Jahr an der Spitze der Nominierungen und ist in wichtigen Kategorien wie „Bester Film“, „Bester Regisseur“ und „Bester Schauspieler“ für Jean Dujardin nominiert. Die César-Zeremonie findet am 28. Februar statt. Mit jeweils elf Nominierungen gehen Ladj Lys „Les Misérables“ und Nicolas Bedos’ „La Belle Epoque“ ins Rennen.