Weiterführung in Böblingen Brückenbau für den Radschnellweg

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Am Böblinger Ende des Radschnellwegs werden die Fahrradfahrer ausgebremst – von einer viel befahrenen Kreisstraße. Für sie soll eine Brücke gebaut werden. Der Entwurf stammt von den Machern des Schönbuchturms.

Der Brückenentwurf stammt vom selben Büro wie der Schönbuchturm. Foto:  
Der Brückenentwurf stammt vom selben Büro wie der Schönbuchturm. Foto:  

Böblingen - Das Tempo auf dem Radschnellweg ist offenbar tatsächlich hoch: „Der Erfolg holt uns ein“, konstatiert jedenfalls Landrat Roland Bernhard. Seit der Eröffnung der Strecke von Stuttgart nach Böblingen durch den Wald wurden dort fast 140 000 Fahrradfahrer gezählt. Laut Roland Bernhard sind es werktäglich mehr als 2000 Menschen, die umweltfreundlich zur Arbeit pendeln. „Das wird noch einmal rapide ansteigen“, ist er sicher, wenn die Autobahn 81 in zwei Jahren zur Baustelle wird. Bislang wird der Erfolg jedoch von der Kreisstraße zwischen Böblingen und Schönaich ausgebremst. Im Umwelt- und Verkehrsausschuss haben die Kreisräte deshalb den Weg frei gemacht für eine Brücke.

Mit Kosten von fast 2,3 Millionen Euro rechnet das Landratsamt für das Bauwerk. Das Stuttgarter Ingenieurbüro Schlaich, Berger und Partner hat einen Entwurf vorgelegt, der eine elegant geschwungene Überquerung mit der geringst möglichen Steigung vorsieht. Das Unternehmen hat auch schon den Schönbuchturm entworfen sowie die Fußgänger- und Radfahrerbrücke über den Langen See im Böblinger und Sindelfinger Stadtteil Flugfeld.

Prominente Lösung statt Mauseloch

„Wir haben lange diskutiert, ob es obendrüber oder untendurch gehen soll“, sagte der Landrat im Ausschuss. Er plädierte für die „prominente“ Lösung – statt für „ein Mauselochs“, wie er die Unterführung nannte. Auch Vertreter des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs bevorzugten die Brückenlösung. Den Berechnungen der Kreisbehörde zufolge hätte ein Tunnel unter der Straße außerdem mit drei bis fünf Millionen Euro zu Buche geschlagen, dessen Bau sowie die Wartung wären aufwendiger gewesen.

Die Zeit drängt nach Ansicht von Roland Bernhard. Ihm wurde von „Bei­naheunfällen“ auf der Kreisstraße zwischen Böblingen und Schönaich berichtet. Dort wurde für die Fahrradfahrer zwar eine Querungshilfe mit einem Halteplatz zwischen zwei Verkehrsinseln in der Mitte der Fahrbahn gebaut. Aber mit einem Verkehrsaufkommen von rund 20 000 Fahrzeugen täglich ist an der Stelle viel los.

Wenn die US-Soldaten noch ihren geplanten Megasupermarkt in der Panzerkaserne gebaut haben, steigt die Zahl schätzungsweise auf 30 000 Autos und Lastwagen. Nach den Vorschriften des Landes müssen bereits bei der Hälfte dieser Zahl an Radschnellverbindungen Brücken oder Unterführungen gebaut werden. Das Stuttgarter Verkehrsministerium hat im Böblinger Landratsamt diesbezüglich schon Druck gemacht, berichtete dessen Chef den Kreisräten. Schließlich handelt es sich bei der nun asphaltierten Römerstraße um den ersten Radschnellweg Baden-Württembergs. Dafür gibt es eine hohe Förderung für die Brücke: Bei besonders klimafreundlichen Projekten übernimmt die Landesregierung bis zu 75 Prozent der Planungs- und Baukosten.

Böblinger Verwaltung fühlt sich überfahren

Nur die Böblinger Verwaltung fühlt sich von dem vorgelegten Tempo offenbar etwas überfahren: Er müsse Wasser in den Wein gießen, sagte Tobias Heizmann in der Sitzung, „mit der Stadt gab es noch keine Abstimmung“. Die Idee sei nicht falsch, aber die Planungen im Rathaus seien noch nicht so weit, sagte der Erste Bürgermeister von Böblingen, der auch in den Reihen der Freien Wähler im Kreistag sitzt. „Wir sind uns völlig einig, dass die aktuelle Querung nicht sinnvoll ist und Abhilfe geschaffen werden muss“, sagte er. Böblingen hätte sich jedoch eine gemeinsame Entscheidung gewünscht, bevor die Kreisräte darüber abstimmen.

Der Landrat hat es allerdings definitiv eilig mit dem Ausbau des Radschnellwegs. Der Landkreis sei der Baulastträger, erklärte er dem Böblinger Kreisrat, und die Straße befinde sich in seinem Besitz. „Wir wollen keine Zeit verlieren“, sagte Roland Bernhard. Schließlich sollten 100 Kilometer an Radschnellverbindungen realisiert werden. „Und wir sind erst bei sieben Kilometern, und an der ersten Kreuzung stockt es.“ Sobald der Kreistag und die Stadt Böblingen zugestimmt haben, soll die Planung für die Brücke im Frühjahr vergeben werden.




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