An diesem Dienstag soll die Zahl der Menschen auf der Erde acht Milliarden übersteigen. Im Jahr 2100 könnten es gut zehn Milliarden sein. Wie viele Menschen kann dieses Eiland im Universum verkraften?

Wochenend-Magazin: Markus Brauer (mb)

„Der Weltraum, unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2100. Dies sind die Abenteuer des Blauen Planeten mit seinen zehn Milliarden Bewohnern, die einer ungewissen Zukunft entgegensteuern.“ Wenn irgendwann einmal ein Dokufilm über die Erde der Zukunft gedreht wird, könnte er so beginnen. Der Vorspann erinnert an die einleitenden Worte aus der legendären TV-Serie „Star Trek“.

 

Als diese ab Mitte der 1960er-Jahre gedreht wurde, war die Menschheit im Weltraumfieber. Amerikaner und Russen lieferten sich ein sündhaft teures Wettrennen um die Eroberung des Alls und den ersten Mann auf dem Mond. Die Zukunft schien verheißungsvoll, das Tor zum Weltall stand offen. Alles schien möglich.

2080 könnten zehn Milliarden Menschen auf der Erde leben

Und heute? Wie viele Menschen kann unser Planet noch verkraften? Sind acht Milliarden schon zu viel? So viele Menschen sollen ab diesem Dienstag auf der Erde leben. Ob die Weltbevölkerung tatsächlich genau am 15. November die Acht-Milliarden-Marke knackt, ist zwar fraglich. Da es aber unmöglich ist, den Überblick über Hunderttausende Geburten und Todesfälle pro Tag zu behalten, haben die Vereinten Nationen die Monatsmitte für diesen Meilenstein in der Menschheitsgeschichte ausgewählt.

8 000 000 000 – so viele Menschen lebten noch nie auf der Erde. Für die erste Milliarde brauchte die Menschheit lange: Vor etwa 300 000 Jahren tauchte der Homo Sapiens auf, wohl kurz nach 1800 wurde die erste Milliarde erreicht. Seither geht es immer schneller. Von einer Weltbevölkerung von zwei Milliarden im Jahr 1928 bis zu den heutigen acht Milliarden Menschen brauchte es keine 100 Jahre. Und das Wachstum von sieben auf acht Milliarden dauerte waren es gar nur elf Jahre. In den 2080er-Jahren könnte die Weltbevölkerung auf gut zehn Milliarden angestiegen sein. Eine wirkliche Zeitenwende erwarten die Vereinten Nationen erst ab 2100. Experten glauben, dass die Weltbevölkerung etwa ab dann stetig sinken wird.

Afrika wird zum Bevölkerungshotspot

Das stärkste Wachstum wird in Entwicklungsländern verzeichnet. Während Europas und Nordamerikas Bevölkerung schrumpft, wird sie in Afrika und Teilen Asiens explodieren. Einkommensstarke Länder wie Japan rutschen gegenwärtig in eine negative Bevölkerungsentwicklung ab. Für eine stabile Wachstumsrate wären Länder wie Deutschland auf Migration angewiesen.

Rund 1,4 Milliarden Menschen leben nach Angaben der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung derzeit in Afrika. Bis 2050 wird die Bevölkerung demnach auf rund 2,5 Milliarden steigen. Bis Ende des Jahrhunderts werden etwa dreimal so viele Menschen in Afrika leben wie heute, knapp 4,3 Milliarden – etwa 40 Prozent der Weltbevölkerung.

Kampf um knapper werdende Ressourcen

Fakt ist: Auf der Erde wird es zunehmend enger. Die Abholzung der Wälder, die Verschmutzung der Flüsse und Meere, die Verschlechterung der Böden – all das schreitet in einem erschreckenden und dramatischen Tempo voran. Von den weltweit rund 3,2 Milliarden Hektar potenziellem Ackerland steht heute weniger als die Hälfte für die Landwirtschaft zur Verfügung.

Bis 2030 müsste die verfügbare landwirtschaftliche Fläche laut Welthungerhilfe um mehr als 500 Millionen Hektar wachsen, um eine ausreichende Versorgung der Weltbevölkerung zu gewährleisten. Schon heute hungern rund eine Milliarde Menschen, weil Boden, Nahrung und Ressourcen ungleich verteilt sind.

Das Klima verändert sich, und die Bevölkerung wächst

Damit nicht genug: 2022 war von Januar bis Oktober das wärmste Jahr seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen. Sollten die anthropogenen – also die vom Menschen bewirkten – Umweltveränderungen so weitergehen oder sich sogar verschärfen, könnte die globale Erwärmung bis Ende des Jahrhunderts auf drei Grad und mehr ansteigen, prognostiziert der Weltklimarat (IPCC).

Wo wird diese Entwicklung enden? Niemand kann das genau sagen. Aber Experten sehen die Entwicklung nicht nur negativ. Für die Chefin des Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen, Natalia Kanem, beinhaltet die aktuelle Zahl viel Positives: „8 Milliarden Menschen, das ist ein bedeutsamer Meilenstein für die Menschheit. Und es ist die Kombination aus längerer Lebenserwartung, weniger Mütter- und Kindersterblichkeit und immer effektiveren Gesundheitssystemen“, sagte Kanem kürzlich bei einem UN-Expertengespräch.

Dass viele Menschen Sorge vor Überbevölkerung haben, ist Kanem zufolge unbegründet. Nach Einschätzung der UN gibt es durchaus ausreichend Ressourcen – es komme auf die richtige und gerechte Verteilung an. Frank Swiaczny vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung fügt mit Blick auf die Erderhitzung hinzu: „Mehr Menschen bedeuten dabei nicht zwangsläufig auch einen größeren ökologischen Fußabdruck.“ Fast die Hälfte der globalen CO2-Emissionen würden von den zehn Prozent der Weltbevölkerung mit dem höchsten Einkommen verursacht, während der Beitrag der ärmsten Hälfte zu vernachlässigen sei.

Info: Ressourcen werden überbeansprucht

Biokapazität
 Würde die Menschheit so weiterleben wie bisher, bräuchte sie bis 2030 zwei Planeten, um ihren Bedarf an Nahrung und nachwachsenden Rohstoffen zu decken. Bis 2050 wären es knapp drei, prognostiziert die Umweltorganisation WWF. 1960 benötigte die Menschheit nur zwei Drittel der zur Verfügung stehenden Ressourcen. Im Moment liegt der Faktor, um den die Menschen die Biokapazität der Erde überlasten, bei rund 1,6.

Welternährung
  Um den wachsenden Bedarf an Nahrung zu decken, müsste die Produktion bis 2050 um rund 70 Prozent wachsen. In den Entwicklungsländern wäre wegen des Bevölkerungswachstums eine Verdopplung nötig. Tatsächlich geht aber immer mehr Ackerland durch Verstädterung, Raubbau, Industrialisierung, Versteppung, Versalzung und Bodenerosion verloren