So warm wie derzeit ist es Mitte Mai nur sehr selten in Stuttgart. Am Mittwoch ist sogar ein neuer Temperaturrekord vorhergesagt. Was wäre eigentlich normal?

Volontäre: Simon Koenigsdorff (sko)

Vergangene Woche rissen die Temperaturen im Südwesten zum ersten Mal in diesem Jahr die 30-Grad-Grenze. Am Mittwoch gibt es in Stuttgart Sonne und bis zu 28 Grad. Dieses Sommerwetter ist für Mitte Mai allerdings ungewöhnlich. 28 Grad wären im Kessel die zweithöchste Temperatur, die je an einem 18. Mai gemessen wurde. Das zeigt unser neues Datenprojekt Klimazentrale, in dem wir Wetterstationen der Stadt Stuttgart und des Deutschen Wetterdienstes (DWD) auswerten.

Der bisherige Temperaturrekord in der Stuttgarter Innenstadt an einem 18. Mai lag bei knapp über 30 Grad. Somit wäre der heutige Tag laut Prognose des DWD der zweitwärmste seit Messbeginn.

An der DWD-Station am Schnarrenberg wären 28 Grad sogar ein Allzeitrekord für den 18. Mai. Der Schnarrenberg liegt etwas höher, deshalb ist es dort stets etwas kühler als in der Innenstadt.

Es liegt nahe, dass das warme Wetter neben stets möglichen Schwankungen mit der menschengemachten Erderhitzung zu tun hat – und dass die Temperaturen Mitte Mai aus demselben Grund künftig häufiger auf 30 Grad und mehr steigen. Schon jetzt ist es deutlich wärmer, als es die heutige Eltern- und Großelterngeneration in ihrer Jugend meistens erfahren hat. Das zeigt der Vergleich der aktuellen Temperaturen mit dem Normalbereich der Jahre 1961 bis 1990.

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Die folgenden beiden Diagramme zeigen die Tageshöchsttemperatur des heutigen und der vergangenen 30 Tage (rote Linie) und vergleichen sie jeweils mit demselben Tag in den Jahren 1961-1990. Liegt die aktuelle Temperatur über dem grauen Normalbereich und damit der Mehrheit der Vergleichstage, ist es ungewöhnlich warm. Denn in den meisten Jahren des Vergleichszeitraums lag die Temperatur innerhalb dieses Normalbereichs.

Im Vergleich von Innenstadt und Schnarrenberg wird dabei auch deutlich, dass das Wetter bereits mehrmals im Mai diese Grenze überschritten hat:

Um zu erkennen, wie sich die Temperaturen in Stuttgart angesichts der engen Bebauung im Kessel, zwischen der sich die Hitze staut, und der Klimakrise langfristig verändern, zählen wir außerdem sogenannte Sommertage – also Tage, an denen die Temperatur auf 25 Grad oder höher steigt.

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Wie die Trendlinie der folgende Grafik zeigt, ist die Zahl dieser Tage in den vergangenen Jahrzehnten in der Stuttgarter Innenstadt deutlich angestiegen. In diesem Jahr waren es bereits 8 Tage – insgesamt summierten sie sich im Hitzesommer 2018 beispielsweise auf 114 zwischen März und Oktober.

Betrachtet man nur den Zeitraum zwischen dem 1. März und dem 18. Mai, so liegt die Innenstadt mit 8 Sommertagen ebenfalls bereits über den beiden Vergleichsperioden 1961-1990 und 1991-2020:

Klimazentrale Stuttgart

Dieser Artikel ist Teil der Klimazentrale von Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten. Wir stellen für alle Orte in der Metropolregion Stuttgart Daten von amtlichen Wetterstationen zur Verfügung und vergleichen sie automatisiert mit Langzeitmessreihen: Ist das Wetter heute ungewöhnlich oder nicht?

Auf unserer Themenseite finden Sie alle Daten für Ihren Ort. Dort sammeln wir auch weitere Recherchen zum Klimawandel. Mehr zu unserer Methodik lesen Sie hier.

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