Wie Trockenheit und Hitze den Wald schlauchen Buchen mit schwarzem Sonnenbrand

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Sinkendes Grundwasser, Hitze und pralle Sonne schlauchen die Bäume im Wald. Im Schorndorfer Stadtwald sind als Folge zahlreiche Buchen abgestorben. Bei der Aufforstung wird auf Arten gesetzt, die besser zum veränderten Klima passen sollen.

Buchen wurzeln tief und leiden deswegen unter dem gesunkenen Grundwasserspiegel. An diesem Stamm ist zudem Sonnenbrand zu sehen. Foto: © C) Gottfried Stoppel/Gottfried Stoppel
Buchen wurzeln tief und leiden deswegen unter dem gesunkenen Grundwasserspiegel. An diesem Stamm ist zudem Sonnenbrand zu sehen. Foto: © C) Gottfried Stoppel/Gottfried Stoppel

Schorndorf - Die pralle Sonne hat in diesem Sommer nicht nur auf so manch menschlicher Haut ihre rot-braunen Spuren hinterlassen. Mit seinem Finger kann der Schorndorfer Revierförster die Rinde eines Buchenstammes abschälen. Sonnenbrand hat auf der Rinde dunkle Flecken hinterlassen und sie zum Abplatzen gebracht.

„Das ist eine Eintrittspforte für Pilze“, erklärt Julian Schmitt bei einem Vororttermin im Wald. Wozu das führen kann, zeigt er am unteren Ende des Stamms: Weißfäule hat das Holz so porös gemacht, dass es sich anfühlt wie ein Schwamm. Schmidt erzählt von anderen Stämme, die von außen kerngesund wirkten – an denen sich nach drei Tagen ein Schleimfluss bildete, welcher schließlich zu schimmeln begann: „Da beginnen Absterbeprozesse“, erläutert Schmitt, der seit drei Jahren als Revierförster für den 630 Hektar großen Stadtwald angestellt ist.

75 Prozent der diesjährigen Ernte im Schorndorfer Wald besteht aus Schadholz

Das alles sind Auswirkungen der Trockenheit, mit der nicht nur der Schorndorfer Wald zu kämpfen hat. „Bereits im vergangenen Jahr hat es viel zu wenig geregnet. Der Grundwasserspiegel ist gesunken und hat sich bis jetzt nicht erholt“, sagt Schmitt. Buchen wurzeln jedoch tief und holen sich genau von dort ihr Wasser. Auch in geschlossenen Beständen – von denen man bisher annahm, dass sie am stabilsten sind – trifft Julian Schmitt reihenweise auf Buchen mit vertrockneten Kronen. „Eigentlich dachte man immer, dass die Buche es schafft“, sagt er, der mit seinem Team und beauftragten Unternehmen gezielt auf Buchenernte gegangen ist. „Wir wollten diese relativ schnell fällen, damit die Stämme nicht ihren ganzen Wert verlieren“, sagt er. Zwischen 5000 und 6000 Festmeter Holz wurden insgesamt geschlagen, 75 Prozent davon war Schadholz, das im Extremfall nur noch als Brennholz taugt und dementsprechend wenig Geld in die Kasse spült. „In einem normalen Jahr liegt dieser Anteil bei 10 bis 20 Prozent, da hat man halt einige Fichten, die vom Borkenkäfer befallen sind“, sagt Schmitt.

Abgestorbene Baumkronen machen die Fällarbeiten gefährlicher

Doch der Revierförster will die Bäume mit ihren abgestorbenen Kronen nicht nur aus dem Wald holen, um seine Erlöse ein stückweit zu retten. Er muss an die Verkehrssicherheit denken – und an die Sicherheit der Waldarbeiter. „Durch die Erschütterungen beim Fällen prasseln die toten Äste herunter. Und wenn andere Bäume in den kaputten Kronen landen, kommt ein Splitterregen herunter“, sagt Schmitt und erzählt, dass die Ernte aufwendiger gewesen sei als sonst. Und was passiert, wenn es im kommenden Jahr wieder so trocken wird? „Dann wird diese Entwicklung Fahrt aufnehmen“, sagt er.

Elsbeere und Esskastanie sind an Trockenheit und Hitze gewohnt

Der Schorndorfer Revierförster will deswegen verstärkt sein Augenmerk auf die rasche Aufforstung legen. Im Gewann Sünchen zeigt er auf eine Fläche, auf der im vergangenen Jahr rund 900 junge Douglasien gepflanzt worden sind. In der Nähe des Teilorts Mannshaupten wurde eine andere Fläche leer geräumt, auf welcher der Borkenkäfer gewütet hatte. Dort sollen Eichen, Elsbeeren und Esskastanien gepflanzt werden: „Das sind alles Arten, die klimastabil sind. Die Esskastanie kommt etwa in der Türkei oder dem Mittelmeerraum vor“, erläutert er. Die Krux: die Anpflanzung dieser Arten ist relativ teuer. „Wir haben weniger Erträge, eine aufwendige Ernte und mehr Kosten bei der Aufforstung“, erklärt Schmitt, der deswegen 70 000 Euro mehr Mittel beantragt als noch vor einem Jahr.