Idealgewicht berechnen und einordnen Wie viel sollte ich wiegen?

Von Lukas Böhl  

Haben Sie sich auch schon die Frage gestellt, wie viel Sie wiegen sollten. Auch wenn es keine allgemeingültige Antwort hierzu gibt, können Sie einige Referenzwerte selbst bestimmen. So geht’s.

Caliper im Einsatz. Foto: Africa Studio / shutterstock.com
Caliper im Einsatz. Foto: Africa Studio / shutterstock.com

Was ist überhaupt das Idealgewicht?

Anders als bei einer simplen Matheaufgabe gibt es hier nicht die eine richtige Antwort. Jeder Körper ist anders, das Idealgewicht hängt von vielen Faktoren ab:
 

  • Alter
  • Geschlecht
  • Fett- und Muskelzusammensetzung des Körpers
  • Statur usw.

Mittlerweile gibt es verschiedene Modelle zur Berechnung eines Referenzbereiches, in dem das Idealgewicht liegen sollte. Ideal hat in diesem Fall aber nichts mit Ästhetik zu tun, sondern bezieht sich auf wissenschaftliche Erkenntnisse zu der Rolle von zu viel Körperfett bei der Entstehung gewisser Krankheiten wie Diabetes mellitus Typ 2 oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen bzw. den negativen Folgen von Untergewicht.

Dieser Idealbereich kann je nach Körpergröße in einen Bereich von bis zu 20 kg fallen. Es gibt also nicht den einen Wert, der für alle gilt. Da ab einem gewissen Grad an Übergewicht jedoch die Risiken für diverse Krankheiten ansteigen, sollten Sie ein gesundes, gleichzeitig aber auch nachhaltiges Gewicht anstreben.

Die folgenden Kennzahlen geben Aufschluss darüber, wie viel Sie wiegen sollten, um einen bestimmten Wert nicht zu überschreiten.


Mit dem BMI errechnen, wie viel Sie wiegen sollten

Wenn es darum geht einen Referenzbereich für das Idealgewicht zu bekommen, wird am häufigsten der Body-Mass-Index (BMI) verwendet. Dieser lässt sich für Erwachsene mit einer simplen Formel berechnen: Körpergewicht geteilt durch Körpergröße zum Quadrat.

Körpergewicht (kg) : Körpergröße (m²) = BMI

Bei einer Körpergröße von 1,75 m und 82 kg wäre Ihr BMI also: 26,77 (leichtes Übergewicht)

Wer die Rechnung nicht selbst durchführen möchte, kann zum Beispiel den BMI-Rechner des Bundeszentrums für Ernährung nutzen.

Hinweis: Die oben genannten Rechenbeispiele lassen sich so nicht auf Kinder übertragen. Infos dazu, wie viel Kinder in verschiedenen Alters- und Wachstumsstufen wiegen sollten, finden Sie in der Broschüre „Tut uns gut“ des Bundesgesundheitsministeriums.

Einstufungen des BMI nach der WHO

Zur Klassifizierung des BMI gibt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) folgende Referenzbereiche an:
 

  • Unter 18,5: Untergewicht
  • 18,5 bis 24,9: Normalgewicht
  • 25 bis 29,9: Übergewicht
  • 30 bis 34,9: Adipositas (Fettleibigkeit) Grad I
  • 35 bis 39,9: Adipositas Grad II
  • Über 40: Adipositas Grad III

Wie viel sollte ich wiegen: Tabelle


Grafik: Lukas Böhl

*Die hier dargestellten Angaben sind durchschnittliche Beispielwerte, die anhand von Daten des Bundeszentrums für Ernährung und des Ministeriums für Gesundheitspflege und Soziale Dienste der Vereinigten Staaten von Amerika errechnet worden sind.

 

Kritik am BMI

Ebenso wie eine haushaltsübliche Waage nur das Gewicht anzeigt und nicht den Körperfettanteil, wird beim BMI nicht zwischen Fett und fettfreier Masse (Knochen, Muskeln usw.) unterschieden. Ein sehr muskulöser Athlet könnte also einen BMI von über 25 haben, obwohl sein Körperfettanteil nicht im kritischen Bereich liegt. Auch wird bei der Berechnung des BMI nicht mit einbezogen, wo das Fett am Körper sitzt. Da jedoch besonders Bauchfett gesundheitlich bedenklich ist, sollten auch noch andere Messmethoden genutzt werden, um das Idealgewicht zu berechnen.

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Weitere Methoden, um das Idealgewicht zu bestimmen

Taille-Hüft-Verhältnis

Beim Taille-Hüft-Verhältnis wird nicht die Größe in Relation zum Gewicht als Ausgangspunkt genommen, sondern der Hüft- und Taillenumfang.

So bestimmen Sie das Taille-Hüft-Verhältnis:

1. Stellen Sie sich gerade hin, schieben Sie die Füße zusammen und atmen Sie aus. Nehmen Sie ein Maßband und messen Sie Ihren Taillenumfang an der schmalsten Stelle, also knapp über dem Bauchnabel.

2. Messen Sie nun Ihren Hüftumfang an der umfangreichsten Stelle, also am breitesten Punkt der Pobacken.

3. Teilen Sie den Taillenumfang durch den Hüftumfang und Sie erhalten Ihr Taille-Hüft-Verhältnis.

Laut WHO gelten folgende Werte als gesund:

Männer: 0,9 oder weniger

Frauen: 0,85 oder weniger

Doch auch diese Messmethode ist nicht unfehlbar. Muskulöse oder breite Hüften (z.B. durch ein Lipödem) könnten das Ergebnis verfälschen, ebenso eine Körpergröße unter 1,50 m. Deswegen ist die Methode auch für Kinder ungeeignet.


Taille-Größe-Verhältnis

Beim Taille-Größe-Index wird der Taillenumfang mit der Körpergröße verrechnet. Die Berechnung ist ganz einfach.

1. Messen Sie Ihren Taillenumfang oberhalb des Bauchnabels.

2. Teilen Sie diesen Wert durch Ihre Körpergröße.

Taille-Größe-Verhältnis = Taillenumfang : Körpergröße

Laut Robert Koch-Institut (RKI) gilt ein Ergebnis von über 0,5 – unabhängig von Alter und Geschlecht – als Grenzwert für Übergewicht. Die Grenze für Untergewicht liegt bei etwa 0,42 bis 0,43.


Körperfettanteil

Es gibt viele Methoden, um den Körperfettanteil zu messen: Bio-Impedanz-Analyse, Dual-Röntgen-Absorptiometrie, Luftverdrängungsplethysmographie usw. Mit einem Caliper und einem Online-Rechner soll die Körperfettbestimmung auch zuhause möglich sein. Allerdings kann es für Laien schwierig sein, die richtigen Messstellen zu finden und akkurat zu arbeiten. Dadurch könnten die Ergebnisse verfälscht werden. Zumal es unterschiedliche Messverfahren gibt und ein guter Caliper nicht gerade günstig ist. Es ist daher ratsam, eine Körperfettmessung von einem Arzt oder einem geschulten Fitnesstrainer durchführen zu lassen.

Referenzwerte für den Körperfettanteil bei Frauen und Männern


Quelle: ACE

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Wie aussagekräftig sind solche Werte?

Auch wenn den hier genannten Messmethoden wissenschaftliche Erkenntnisse zugrunde liegen und sie durchaus dazu geeignet sind, eine schnelle und kostengünstige Einordnung des eigenen Gewichts zu erhalten, so kann man daraus nicht den Schluss ziehen: Fett gleich krank, schlank gleich gesund. Ihre Ergebnisse sollten als des angesehen werden, was sie sind: statistische Werte. Eine ärztliche Untersuchung und Diagnose wird dadurch jedoch nicht ersetzt.


Hilfreiche Informationen bei Essstörungen

Falls Sie oder jemand in Ihrem Umfeld an einer Essstörung leiden, finden Sie nützliche Informationen sowie Hilfsangebote auf der Seite des Bundesgesundheitsministeriums bzw. bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

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