Heizkosten zu sparen wird diesen Winter besonders wichtig. Aber wie warm muss es in den deutschen Wohnungen eigentlich sein?

Angesichts der steigenden Energiepreise fürchten viele Verbraucher die nächste Nebenkostenabrechnung. Vor allem beim Thema Heizen fragen sich nun viele, wie sich die Heizkosten reduzieren lassen. Nicht oder zu wenig zu heizen ist dabei leider keine Option, da dies die Gefahr von Schimmelbildung birgt, wie wir bereits in diesem Beitrag erläutert haben.

Wie warm muss es in der Wohnung sein?

Wie warm es in einer Wohnung sein muss, ist nicht pauschal zu beantworten, da Vermieter und Mieter unterschiedliche Pflichten haben. Im Vordergrund steht eher die Frage, ab wie viel Grad Kälteschäden wie Schimmel vermieden werden und welche Temperatur noch gesund ist. Wichtig für die Temperatur in der Wohnung sind daher die folgenden Kriterien.

1. Keine direkte Heizpflicht für Mieter

Eine Heizpflicht für Mieter gibt es in Deutschland zwar nicht (1), allerdings haben Mieter dafür zu sorgen, dass Kälteschäden vermieden werden. Entsprechende Klauseln in Mietverträgen, die Mindesttemperaturen in Wohnungen vorschreiben möchten, sind laut dem Deutschen Mieterbund unwirksam (2). Eine Sorgfaltspflicht, dass durch das Heiz- und Lüftverhalten der Mieter keine Schäden entstehen, besteht allgemein auch ohne entsprechende Klausel im Mietvertrag.

Übrigens: Seit September gelten in Deutschland vorübergehend (bis 28.02.2023) zahlreiche Vorschriften zum Energiesparen. Unter anderem sollen nach §3 (EnSikuMaV) vorgeschriebene Mindesttemperaturen für Mieter ausgesetzt werden. Laut dem Deutschen Mieterbund wird damit eine Klausel ausgesetzt, die ohnehin schon unwirksam ist.

2. Vermieter müssen mindestens 20 Grad garantieren

Vermieter hingegen haben während der Heizperiode (in der Regel vom 01. Oktober bis 30. April) dafür zu sorgen, dass durch die Einstellung der Heizungsanlage tagsüber eine Mindesttemperatur von 20 Grad garantiert werden kann. Nachts sollte eine Temperatur von 16 Grad garantiert werden können. Mindesttemperaturen sind dabei auch im Sommer zu garantieren, wobei ein kurzfristiger Abfall der Temperatur in Wohnräumen (etwa 2 bis 3 Tage) keinen Grund für die Inbetriebnahme der Heizungsanlage darstellt. Der Verein Haus & Grund empfiehlt Vermietern die Inbetriebnahme, wenn die Innentemperatur auf 16 Grad sinkt und in den nächsten Tagen nicht mit dem Sollwert von 20 Grad zu rechnen ist (3).

3. Ab wie viel Grad lässt sich Schimmel vermeiden?

Wie warm es in einer Wohnung sein muss, ist somit davon abhängig, wann Kälteschäden wie Schimmel entstehen. Ausschlaggebend dafür sind neben der Luftfeuchtigkeit in den Räumen vor allem die Oberflächentemperaturen von Wänden, Decken und Böden. Diese ist deswegen entscheidend, da an kälteren Oberflächen Luftfeuchtigkeit schneller kondensiert und zu Feuchtigkeit (Grundlage für Schimmel) führt. Eine erste Grenze sind dabei Oberflächentemperaturen unter 14 Grad (4). Dauerhafte Temperaturen unter 11 Grad stellen dabei eine kritische Grenze dar.

- Auf die Dämmung kommt es an

Je schlechter ein Haus gedämmt ist, desto höher muss die Raumtemperatur liegen, damit die Oberflächentemperatur keine Grundlage für Kondensat und Schimmel bietet. Je nach Dämmung kann daher die nötige Raumtemperatur, um Schimmel vorzubeugen, stark schwanken. Während bei gut gedämmten Häusern eine Innentemperatur von 15 bis 16 Grad ausreichen kann, müssen Innenräume mit schlechter Dämmung mit mindestens 18 oder gar 20 Grad beheizt werden. Eine gute Faustregel bietet der Mittelwert von 17 Grad. Etwa diese Mindesttemperatur konstant zu halten, empfiehlt auch das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleares Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV (5)).

- Faktor Luftfeuchtigkeit

Ebenfalls eine wichtige Rolle für eine Schimmelbildung und somit die nötige Temperatur in der Wohnung spielt die Luftfeuchtigkeit. Je höher die Luftfeuchtigkeit ist, desto besser kann diese an den Oberflächen kondensieren. Da die kalte Winterluft nur wenig Luftfeuchtigkeit aufnehmen kann, ist der Hauptverursacher der Luftfeuchtigkeit in Innenräumen der Mensch. Das Umweltbundesamt schätzt (6), dass ein Vier-Personenhaushalt durch Atmen, Duschen, Kochen und Waschen etwa 12 Liter Feuchtigkeit pro Tag an die Luft abgibt. Durch regelmäßiges Stoßlüften lässt sich die feuchte Luft am einfachsten durch trockene austauschen und die nötige Innentemperatur kann um das eine oder andere Grad gesenkt werden, ohne dabei Schimmel zu fördern.

Lese-Tipp: Was passiert, wenn man nicht heizt

Welche Temperaturen sind gesund?

Je nach Dämmung und Lüftungsverhalten muss eine Wohnung also mindestens zwischen 15 und 20 Grad warm sein, um Kälteschäden durch Schimmel zu vermeiden. Eine gute Faustregel ist dabei eine konstante Mindesttemperatur von 17 Grad. Aber ab wann sind niedrige Temperaturen ungesund? Auch das ist abhängig von weiteren Faktoren, wie dem individuellen Kälteempfinden und der Gesundheit. Die WHO empfiehlt in ihren Housing and Health Guidelines (7) eine Mindesttemperatur von 18 Grad. Für vulnerable Gruppen wie ältere Menschen, Kinder oder Menschen mit chronischen Krankheiten könnte eine höhere Mindesttemperatur dauerhaft nötig sein.