Wiederentdeckt: Pinselschwinger Bob Ross Glückliche kleine Bäumchen

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Hektisch war der TV-Alltag schon in den 80er und 90er Jahren. Auszeit von Radau und Getröte bot Bob Ross mit seiner Sendung „The Joy of Painting“. Die war mal Kult – und kann jetzt in der ARD-Mediathek wiederentdeckt werden.

Bob Ross war mal ein TV-Faszinosum. In der ARD lässt sich der  Hobbymaler-Guru wiederentdecken. Foto: dpa/Bob Ross Inc.
Bob Ross war mal ein TV-Faszinosum. In der ARD lässt sich der Hobbymaler-Guru wiederentdecken. Foto: dpa/Bob Ross Inc.

Stuttgart - Das Leben ist oft hässlich und nervt. Deswegen tut man sich manchmal schwer damit, die Welt zu umarmen. Wie gut, wenn dann der TV-Himmel aufreißt und die da oben ihren besten Mann in die Wohnzimmer schicken: Bob Ross. Auf den ersten Blick macht dieser göttliche Abgesandte in seiner längst historischen, aber nun in der ARD-Mediathek wiederentdeckbaren Sendung „The Joy of Painting“ nicht viel. Eigentlich steht der Amerikaner hauptsächlich vor einer Staffelei herum. Aber das tut der Mann, der ein Bruder von Paul Breitner sein könnte, prächtig. Und dann schwingt er noch seinen Pinsel.

Doch, doch, so ein bisschen zweideutig darf man das schon sagen bei einer Show, deren Konzept aus den 70er Jahren stammen soll, aus einer Zeit, in der Bücher wie „The Joy of Sex“ in aller Munde waren. Immer und immer wieder – 416 Teile gab es – steht da also Bob Ross in Jeans und weißem aufgeknöpftem Hemd, das sein Brusthaar alles andere als verhüllt. Er malt, spricht, wispert Sätze wie „You can do it, you can really do it. Just tap it. It’s easy.“ Da wird nicht synchronisiert, es gibt auch keine Untertitel. Nichts soll ablenken von dieser Stimme. Von der Botschaft. Schließlich wird auch so schnell klar, was „you can do“ und was „easy“ ist: so malen, wie er es kann. In einer halben Stunde Bilder basteln, die „Sturm am Horizont“, „Auroras Tanz“ oder „Anmut des Winters“ heißen - und am Ende auch ein bisschen so aussehen, wie ihre Namen klingen: kitschig.

Gottes kleine Kreaturen

Aber das ist völlig egal. Wer ihm dabei zuschaut, wie er wüster Erde, einem weißen Quadrat, Leben einhaucht, wie er mit Titanweiß, Karmesinrot, Preußischblau und Van-Dyck-Braun idyllische Gletscherseen, die im Halbschatten liegen, pinselt, glaubt an eine bessere Welt. Wie er da am Anfang immer ziellos rumpatscht! Jetzt muss er’s gleich wegwerfen, er hat’s versaut! Aber der Speed-Maler wispert unermüdlich „Just tap it“, „it’s easy“ und „Gottes kleine Kreaturen brauchen einen Platz zum Leben“ - und langsam, nachdem er hier noch einen „little happy tree“ und dort noch einen „little happy tree“, hingehuscht hat, weil auch glückliche kleine Bäume kleine Freunde bräuchten, wächst sich die Sache aus, wird zur perfekten Illusion, bei deren Anblick Neo Rauch wahrscheinlich in herzhaftes Gelächter ausbrechen würde.

Bob Ross, der 1995 mit 52 Jahren an Krebs starb, hätte es auch zu Lebzeiten nicht gekratzt. Der Sohn eines Zimmermanns wollte ja nie mit Beuys’schen Zaunpfählen winken, erzählen, dass jeder ein Künstler sein kann, er wollte auch die hohe Kunst der Malerei nicht an die Wand klatschen - er wollte die Menschen glücklich machen. So glücklich, wie er jeden kleinen Baum auf seinen Bildern macht, indem er einen anderen kleinen Baum daneben tupft. Er schüttelte den Pinsel aus, „beat the devil out of him“, schüttel den Teufel aus ihm raus, sagte er sanfter als ein Vater, der seinem Kind über den Kopf streicht.

Beliebt sogar im Iran

Ross, der Schöpfer, gestaltete eine Welt, die zu schön ist, um wahr zu sein, eine Welt voller Wolken, „die oben am Himmel leben, die ganze Zeit rumschwirren und den ganzen Tag Spaß haben“. In seiner Welt gibt es keine Fehler. Nur „kleine glückliche Zufälle“. Wie gut diese frohe Botschaft lange auf der ganzen Welt ankam, macht ein Lob klar, das Bert Effing, der Chef der europäischen Bob Ross Company, einmal zu Protokoll gab: „Auf der Fernsehmesse im Iran meinte ein Diplomat zur mir: Bob Ross ist der einzig gute Amerikaner, den wir kennen. Er trägt einen Bart und spricht am Ende jeder Sendung Gottes Segen aus.“

Das klingt bei Ross so: „Happy painting and God bless, my friend.“ Und danach sieht die Welt gar nicht mehr hässlich aus. Sie leuchtet jetzt mindestens so schön wie einer von Ross’ Riemen, in einer Mischung aus Karmesinrot und Titanweiß - also irgendwie schön rosa.

Eine Auswahl von Bob-Ross-Filmen gibt es hier in der ARD-Mediathek. Weitere kommen regelmäßig hinzu, weil die Serie gerade auf ARD Alpha wiederholt wird.




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