Wiedereröffnung Limesmuseum in Aalen Ein römischer Soldat hat’s auch nicht leicht

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Das Limesmuseum in Aalen ist für 8,5 Millionen Euro komplett saniert und mit einer neuen Ausstellung versehen worden. Geschichten von Menschen aus der Zeit vor 1800 Jahren helfen den Besuchern, in die fremde Welt hineinzufinden.

Das Limesmuseum  wurde für 8,5 Millionen Euro saniert. Foto: Atelier Brückner
Das Limesmuseum wurde für 8,5 Millionen Euro saniert. Foto: Atelier Brückner

Aalen - Waffen putzen, exerzieren, Pferde versorgen und am Ende auch noch selbst kochen – schwer jammert der römische Soldat im Militärkastell Ala II flavia, das Aalen seinen Namen verliehen hat, über seinen Alltag an der nördlichen Außengrenze des mächtigen Römischen Reiches. Wenn etwas nicht klappe, müsse er zur Strafe sogar die Latrinen putzen. Aber dann kommt er doch noch ins Schwärmen, lobt das Badehaus und seinen hohen Lohn. 30 Asses erhält er pro Tag, dafür könnte er im Dorf außerhalb des Kastells 20 Liter Wein kaufen. So viel kann nicht einmal ein Soldat trinken.

Vier historische Personen erzählen aus ihrem Alltag

Dieser unbekannte Reiter ist eine von vier Figuren, die seit Freitag durch das neue Limesmuseum in Aalen führen. Es gibt sie nur auf lebensgroßen Zeichnungen, aber sie beginnen mithilfe einer Lichtschranke zu erzählen, wenn man vor sie tritt. Und ihre Hintergründe sind real. Noch dabei sind die Heilerin Claudia Messorina, die allein mit ihrer Tochter ihr Glück in Ala sucht, der Präfekt Marcus Ulpius Dignus, der in Aalen das größte Militärlager nördlich der Alpen mit einer tausend Mann starken Elitetruppe befehligte, und ein Germane, der lieber Handel treiben will mit den Römern statt sie vergebens zu bekämpfen. Mit diesen Personen soll das Leben am Limes anschaulich und begreifbar werden.

Schon vor mehr als zehn Jahren gab es Überlegungen, das 1964 eröffnete Limesmuseum generalzuüberholen. Das Museum ist das größte dieser Art in Süddeutschland und sieht sich als Schaufenster aller archäologischen Stätten entlang des 164 Kilometer langen baden-württembergischen Limes. Anlass war damals, dass die Unesco den Grenzwall im Jahr 2005 zum Weltkulturerbe erklärt hat. Es ist einer von derzeit sechs Orten in Baden-Württemberg. Am Weltkulturerbe ist deshalb auch die neue Ausstellung (Gestaltung durch das Atelier Brückner aus Stuttgart) ausgerichtet. Sie besteht aus zwei großen Bereichen.

Ausgestellt sind 1500 Objekte

Im Erdgeschoss wird der Besucher mit den genannten Figuren in den römischen Alltag entführt. Große Panoramabilder, die alle Wände bis zur Decke bedecken, vermitteln einen Eindruck, wie es auf einer Lagerstraße zuging, wie man in einer Taverne zechte oder wie Soldaten auf einem der Türme Wache schoben. Die 1500 ausgestellten, teils sehr seltenen Objekte wie Lederschuhe oder metallene Reitermasken, beginnen erst in diesem Kontext richtig zu sprechen. Die meisten Gegenstände seien aber schon vorher im Museum zu sehen gewesen, räumt Martin Kemkes ein, der Hauptkurator der Schau vom Archäologischen Landesmuseum.

Im Erdgeschoss ist es abgedunkelt, um die Objekte zu schützen und um den Besucher leichter zurückzuführen in die fremde römische Welt, die aber gar nicht so dunkel war. Der zweite Teil der Ausstellung im Obergeschoss ist dagegen aufgrund raumhoher Fenster lichtdurchflutet. Hier ist man wieder in der Gegenwart angelangt, und es werden ausgewählte Orte­ und deren Funde entlang des Limes vorgestellt. Das alles wird mit einem großen Relief des Limesverlaufs in Baden-Württemberg und mit Bildschirmen, die vertiefende Informationen anbieten, nach zeitgemäßer Museumspädagogik aufbereitet. Nur für Kinder dürfte trotz allem der Zugang nicht immer einfach sein – die Schau richtet sich eher an die Erwachsenen, obwohl vermutlich viele Schulklassen kommen werden. Nicht vergessen darf man im Übrigen den Außenbereich des Museums: Dort sind die Fundamente des Stabsgebäudes des früheren Kastells samt Fahnenheiligtum zu sehen.

Die Schau soll Bezüge zur Gegenwart zeigen

Aalens OB Thilo Rentschler betonte, dass er das Museum, das zweieinhalb Jahre lang für die energetische Sanierung und den 8,5 Millionen Euro teuren Umbau geschlossen geblieben war, eher als Bildungshaus sehe, denn es solle auch Anstöße für die Gegenwart liefern. Tatsächlich verlässt man die Schau durch eine stilisierte Grenz-Installation, die vermitteln soll, wie Grenzen abschirmen, aber auch Identität stiften. Und Martin Kemkes betonte angesichts der Grenzwälle in Israel oder Nordkorea: „Es gab noch nie so viele befestigte Grenzen wie heute.“ An die Eröffnung des Museums am Freitag in Anwesenheit von Ministerpräsident Winfried Kretschmann schließt sich nun eine Eröffnungswoche bis zum 2. Juni an.