Wildschweine kreuzen die Fahrbahn So wappnet man sich gegen Wildunfälle

Manch ein Autofahrer wird im Herbst von Wildschweinrotten überrascht. (Symbolbild) Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth/Achim Zweygarth
Manch ein Autofahrer wird im Herbst von Wildschweinrotten überrascht. (Symbolbild) Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth/Achim Zweygarth

Im Herbst häufen sich Wildunfälle auf Deutschlands Straßen. Was lässt sich tun, um das zu vermeiden? Und wenn es doch passiert – wie sollte man sich verhalten?

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Stuttgart - Wenn ein Auto mit einem Reh kollidiert, geht das für beide Seiten meist übel aus. Im Herbst ist das Risiko für Wildunfälle mit am größten. Jährlich werden nicht nur zahlreiche Menschen verletzt oder gar getötet, auch zehntausende Tiere verenden bei Wildunfällen. Fragen und Antworten:

WIE VIELE WILDUNFÄLLE PASSIEREN?

Im vergangenen Jahr wurden den Autoversicherern rund 272.000 Wildunfälle gemeldet und damit weniger als 2019, als mit 295.000 Wildunfällen ein Zehnjahresjoch erreicht worden war. Rein rechnerisch kollidiert damit alle zwei Minuten ein Auto mit einem Wildtier. Rehe kommen am häufigsten unter die Räder. Ein 20 Kilogramm schweres Reh hat beim Zusammenstoß bei Tempo hundert ein Aufschlaggewicht von fast einer halben Tonne.

WANN IST DIE GEFAHR AM GRÖSSTEN?

Im April und Mai sorgen insbesondere Wildschweinrotten mit ihren Frischlingen für eine um rund 20 Prozent höherer Unfallgefahr. Zwischen Oktober und Dezember passieren dann besonders viele Unfälle mit Hirschen, weil diese in ihrer Brunftzeit sehr aktiv sind.

Die größte Gefahr droht grundsätzlich in der Morgen- und Abenddämmerung, bei Nacht und Nebel sowie auf Straßen an Wiesen, Feldern und Wäldern. Die Zeitumstellung Ende Oktober verschärft die Situation noch: Tiere ändern ihre Gewohnheiten natürlich nicht, was dazu führt, dass Autofahrer sich ab Ende Oktober bereits am späten Nachmittag auf verstärkte Wildwechsel einstellen müssen.

WIE SOLLTEN AUTOFAHRER REAGIEREN?

Grundsätzlich gilt: Im Wald und an Feldrändern Fuß vom Gas. Bei Tempo 70 ist der Bremsweg bei einer Gefahrenbremsung etwa 25 Meter lang - bei Tempo hundert bereits 50 Meter. Steht Wild an der Straße, sollten riskante Ausweichmanöver vermieden werden. Der Zusammenprall mit einem anderen Auto oder Baum geht in der Regel weniger glimpflich aus als die Kollision mit einem Tier. Als Regel gilt: Beim Auftauchen von Wild Fernlicht abblenden, bremsen, hupen und das Auto auf Spur halten. Zudem sollte immer mit Nachzüglern gerechnet werden. 

WAS IST NACH EINEM WILDUNFALL ZU TUN?

Die Unfallstelle sollte gesichert und die Polizei gerufen werden. Gibt es Verletzte, wird auch der Rettungsdienst gerufen. Ein verletztes oder totes Tier sollte möglichst nicht angefasst werden. Die Bergung ist Sache des Försters oder Jagdpächters. Wer Wild mitnimmt, macht sich der Wilderei strafbar.

WAS IST WEGEN DER VERSICHERUNG ZU BEACHTEN?

Autofahrer sollten nach dem Unfall die Schäden fotografieren und sich eine Wildunfallbescheinigung von Polizei, Förster oder Jagdpächter ausstellen lassen. Schäden am eigenen Fahrzeug, die durch Haarwild wie Rehe und Wildschweine verursacht werden, deckt die Voll- oder Teilkaskoversicherung ab. Einige Versicherer weiten ihren Schutz zusätzlich auf Unfälle mit bestimmten weiteren oder auch sämtlichen Tieren aus. Auf den persönlichen Schadenfreiheitsrabatt hat ein Wildschaden keinen Einfluss.

Wenn nicht nachzuweisen ist, dass der Schaden am Fahrzeug durch den Zusammenstoß mit Wild oder infolge von Ausweich- oder Bremsmanövern entstand, kann er über die Vollkaskoversicherung reguliert werden. Für einen Wildunfall zahlten die Versicherer 2020 im Durchschnitt mehr als 3100 Euro.

WELCHE SCHUTZMASSNAHMEN HELFEN GEGEN WILDUNFÄLLE?

Eine frühere Untersuchung der Unfallforschung der Versicherer ergab, dass keine der empfohlenen Maßnahmen wie Duftbarrieren, optische und akustische Reflektoren, Wildwechselschilder oder Sträucher am Straßenrand wirksam Wildunfälle reduziert. Selbst die seit einigen Jahren eingesetzten blauen Wildwarnreflektoren am Fahrbahnrand, die Tiere irritieren sollen, haben demnach kaum Auswirkungen, wenngleich es auch gegenteilige Untersuchungen gibt. Am effektivsten sind offenbar Wildschutzzäune wie an Autobahnen. Ansonsten heißt es: Fuß vom Gas.




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