Wimsheim Der schöne neue Dorfplatz lässt weiter auf sich warten

Von Brunhilde Arnold 

Nach einem Jahr Stillstand in der neuen Ortsmitte ist von „Verkettung ungünstiger Umstände“ die Rede.

Die Wohnungen sind inzwischen bezogen. Foto: Andreas Gorr
Die Wohnungen sind inzwischen bezogen. Foto: Andreas Gorr

Wimsheim - Lassen Sie uns nach vorne schauen – und nicht nur darauf, was alles falsch gemacht wurde“, hat der Bürgermeister Mario Weisbrich die Gemeinderäte am Mittwoch aufgefordert. Thema der Sitzung war die neue Ortsmitte, die immer noch eine große Baustelle ist, die seit Längerem auf ihre Fertigstellung wartet. Doch spätestens, als der von der Gemeinde beauftragte Landschaftsarchitekt Stefan Fromm („So etwas ist mir in 30 Berufsjahren noch nicht passiert“) von einem „komplexen Projekt“ sprach, von „Schnittstellen, die sich als schwieriger herausgestellt haben, als gedacht“, von einer „Verkettung ungünstiger Umstände“, wurde deutlich, dass die Räte nicht ohne weiteres zur Tagesordnung übergehen würden.

Eigentlich hätte das Landschafts- und Gartenbauunternehmen schon im September mit der Fertigstellung der als Dorfplatz konzipierten 500 Quadratmeter großen Fläche zwischen Rathaus und Michaelskirche beginnen sollen. Der Auftrag war vergeben, doch laut Fromm stellte sich heraus, dass die nötigen Vorleistungen des privaten Bauträgers und Investors noch nicht erbracht worden waren – sprich, die beiden neuen Wohn- und Geschäftshäuser waren noch nicht komplett fertiggestellt. Dann wurde deutlich, dass der Aufbau auf der Tiefgarage, die der Bauträger im Auftrag der Gemeinde errichtet hat und auf der der Dorfplatz gebaut werden soll, nicht durchgängig eine vorgegebene Höhe erhalten hatte. Das könne die Befahrbarkeit des darüber liegenden Platzes beeinträchtigen, so Fromm. Es habe hier laut dem Architekten „Kommunikationsprobleme“ gegeben. Auch musste die Entwässerung des Platzes neu gestaltet werden. Anstelle des geplanten Drainagesystems wird es Ablaufrinnen geben.

Dieses Jahr wird nicht mehr gebaut

„Glauben Sie mir, es gibt angenehmere Termine, als ein Jahr nach dem geplanten Baubeginn mitteilen zu müssen, dass wir noch nicht angefangen haben“, sagte Stefan Fromm. Und auf dem Platz wird auch dieses Jahr nicht mehr gebaut werden. Denn es gibt Probleme mit einer Mauer an der Seite zur höher gelegenen Michaelskirche, wo das Gelände abgestützt werden muss. So wie sie geplant war, könne man sie nicht ausführen. Die neue Mauer wird aber dieses Jahr mangels Handwerkern nicht mehr errichtet.

So verschiebt sich die Platzgestaltung auf das kommende Frühjahr, sehr zum Ärger mancher Gemeinderäte wie Roland Holz von der Liste Wimsheim Miteinander (WM): „Ich habe ein echtes Problem damit, dass so viele Schnittstellen da sind, die nicht passen“, sagte er und fragte, wie das sein könne. Berthold Lauser, Freie Wähler, befürchtete sogar, man werde einen „Schrottplatz“ bekommen und erhielt dafür ein scharfes Contra von Bürgermeister Weisbrich. Man habe viele am Bau Beteiligte. Da sei „zeitlich vieles blöd gelaufen“, sagte er und fügte selbstkritisch hinzu, dass man auch als Gemeinde früher hätte gegensteuern müssen.

Trotz der zahlreichen Änderungen seien bis jetzt keine Mehrkosten aufgelaufen, erläuterte Stefan Fromm. Der neue Platz wird Stand heute rund 455 000 Euro kosten, wenn er denn im nächsten Jahr einmal fertig sein sollte. Und die Mehrkosten für den Architekten? „Ich will Ihnen am Ende einen schönen Dorfplatz übergeben. Wir wollen dann sagen können, es ist zwar nicht gut gelaufen, aber es ist gut geworden“, sagte dieser.

Gesprächsthema seit 2003

Seit 2003 ist das Thema neue Ortsmitte in Wimsheim im Gespräch. Lange lag das Gelände brach, bis die Gemeinde einen Investor finden konnte. Dieser baute zwei Häuser mit zehn Wohnungen und zwei Geschäften. Die Wohnungen sind inzwischen bezogen, doch die Geschäfte im Erdgeschoss stehen leer, eines mit 160 und das andere mit 110 Quadratmeter Fläche. Der Eigentümer hatte eine Nutzungsänderung beantragt. Aus den Gewerbeflächen sollten drei Wohneinheiten werden. Dies lehnte der Rat ab. Eine solche Änderung würde den städtebaulichen Zielen entgegenstehen und den Charakter von einem gemischten Gebiet mit Wohnen und Gewerbe in ein Allgemeines Wohngebiet ändern. „Wir sind ja auch angetreten, die Ortsmitte mit Gewerbe zu beleben“, sagte Beate Lämmle-Koziollek (WM). Der Bürgermeister gab zu, dass die Vermarktung der Gewerbeflächen schwierig sei, solange der Platz nicht fertig ist und sagte: „Wir sind bereit, den Investor bei der Suche nach Interessenten zu unterstützen.“